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„Brunne“, sein Enkel und die Freundschaft mit den 1860ern
Von Kersten Beyer
„Das ich das noch erleben darf. Ich bin seit über sechs Jahrzehnten Fan der Löwen, das war der absolute Höhepunkt“, sagte Manfred Foos nach dem Spiel 1860 München - Rot-Weiß Essen (1:1) im Stadion an der Grünwalder Straße. Der Minfelder hatte Losglück.
Die Bayerische Versicherung als Hauptsponsor hatte vor Weihnachten elf Kinder eingeladen, mit den Profis ins Stadion einzulaufen. Im Schlepptau hatte Foos seinen achtjährigen Enkelsohn Jakob, der bei den F-Junioren des SV Landau West auf Torejagd geht. Ein Freund hatte die Bewerbung abgeschickt. Papa Simon Foos, langjähriger Kapitän und Abwehrchef von Germania Winden, überbrachte die frohe Nachricht an Weihnachten zu Hause.
Eher schulfrei
Obwohl die Sechziger seit vielen Jahren in der Dritten Liga spielen, haben sie als deutsche Meister von 1966 immer noch eine riesige Strahlkraft. Die Heimspiele sind ausverkauft, Eintrittskarten sind eine Rarität.
Freitags ging es los. Weil Jakob ein sehr guter Schüler ist, durfte er die Schule zwei Stunden früher verlassen. Er war sich sicher: „Ich bin schon sehr aufgeregt. Aber das geht vorbei, wenn ich erst mal im Stadion bin.“ Um 12.15 Uhr war am Samstag Treffpunkt im gut ein Kilometer vom Stadion entfernten Trainingszentrum. Stephanie Wagner, Betreuerin des Kids-Clubs „Junge Löwen“, und ihr Team hatten alles organisiert. Die Kleinen bekamen einen kompletten Trikotsatz, den sie natürlich behalten durften. Auf dem Weg zum Mannschaftsbus nahmen sich die Spieler und Trainer Markus Kauczinski Zeit für gemeinsame Fotos und beantworteten Fragen. Besonders gefragt war Nationalspieler Kevin Vollandt, der verletzte Kapitän Jasper Verlaat blieb extra lange.
Einlauf auf der falschen Seite
Kurz vor 14 Uhr war es dann so weit, die Fans beider Traditionsvereine machten einen Höllenlärm. Dass die beiden Südpfälzer den Essener Spielern Rios Alonso und Ramien Safi zugelost wurden, tat der guten Stimmung keinerlei Abbruch. „Ich nehme Dich aber nicht an der Hand“, sagte Manfred Foos zu Alonso. Zuvor hatte er Essens Kapitän Michael Schultz begrüßt. Der Innenverteidiger stammt aus Landau, Vater Stefan Schultz ist Leiter des Sportausschusses bei Viktoria Herxheim.
Mitglied seit Abstieg aus der Bundesliga
Auf den Sitzplätzen auf der Haupttribüne erlebte Familie Foos eine packende Schlussphase mit dem Ausgleichstreffer der Löwen in der Nachspielzeit. Manfred Foos entdeckte seine Liebe zu den Sechzigern als Jugendlicher, sein Idol war Rudi Brunnenmeier. Die Tore des genialen Stürmers trugen zur sportlichen Blütezeit mit DFB-Pokalsieg 1964 und Deutscher Meisterschaft 1966 bei. Die Mitspieler im Heimatverein SV Minfeld nannten Foos deshalb „Brunne“. Der 78-Jährige erinnert sich lachend an den legendären Paradiesvogel Brunnemeier: „Er kam an jedem Gegenspieler vorbei, aber an keiner Kneipe.“ Nach dem Abstieg aus der Bundesliga 1978 wurde Foos Mitglied. Im Sport und in der Lokalpolitik hatte er stets ein Herz für alle, denen es gerade nicht so gut ging. Er war 15 Jahre Ortsbürgermeister seiner Heimatgemeinde Minfeld, saß für die Freien Wähler im Kreistag und Verbandsgemeinderat.
Seine Löwen hat er nie aus den Augen verloren. Vor wichtigen Spielen hisst er an seinem Anwesen im Minfelder „Leisengarten“ die riesige blau-weiße Fahne.
Erschöpft und glücklich
Vier „Teuflischen Löwen“ hatten Foos nach München begleitet. Er hatte mit einem Dutzend weiterer Fans im vergangenen Oktober in Schweigen-Rechtenbach diesen Freundeskreis gegründet, um der jahrzehntelangen Freundschaft der Anhänger des TSV 1860 und des 1. FC Kaiserslautern wieder neues Leben in der Südpfalz einzuhauchen. Aus Dankbarkeit für das Erlebnis ihres ältesten Mitglieds luden die „Teuflischen Löwen“ Marlene Wever zu einem Wochenende mit Dampfnudelessen in die Südpfalz ein. Sie ist bei der Bayerischen Versicherung Führungskraft im Sportmarketing, war zuvor bei Werder Bremen tätig.
Gegen 21 Uhr kam der Tross wohlbehalten von der bayerischen Landeshauptstadt zurück. Ein erschöpfter, aber glücklicher Jakob Foos: „Ich werde diesen Tag in meinem ganzen Leben nicht vergessen.“