Fußball
Aufstiegsrunde: Trost und Lob für Zeiskams Auftritt in Wittlich
Freudentaumel auf dem Spielfeld mit Pyrotechnik, Feuerwerk und einer Masse begeisterter Anhänger auf der einen Seite, Enttäuschung, Niedergeschlagenheit und Tränen am Spielfeldrand auf der anderen. So präsentierte sich das Bild nach dem 3:2 (1:1)-Sieg des SV Rot-Weiß Wittlich gegen den TB Jahn Zeiskam im letzten Aufstiegsspiel zur Oberliga Südwest.
Vor rund 2000 Zuschauern boten zwei mindestens gleichwertige Mannschaften auf einem nicht optimalen Kunstrasen – der Rasenplatz im Stadion liegt nebenan – ein spannendes Spiel, das dramatisch zu Ende ging. Die Gastgeber feierten den Aufstieg, die Gäste bleiben eine weitere Saison in der Verbandsliga.
Klage stand im Raum
Nach einigen Unsicherheiten, wie es bei einem möglichen Unentschieden weitergegangen wäre, sorgte das kurz vor Schluss erzielte 3:2 für Klarheit. Damit konnte der sportliche Leiter der Wittlicher, Salvatore Augello, von seinem vorgesehenen Beschreiten des Klagewegs absehen. Nach dem 2:2 in der 82. Minute hätte er dies wohl getan, da der Verband in diesem Fall Zeiskam nach den Bestimmungen als Aufsteiger gesehen hatte.
Die Gäste bestimmten in den ersten 20 bis 25 Minuten das Geschehen – vor allem mit starken und gefährlichen Umschaltaktionen. Bereits in der 5. Minute stoppten die Gastgeber ein Solo des pfeilschnellen Marvin Benefo erst in letzter Sekunde. In der 20. Minute wurde eine starke Zeiskamer Kombination auf der Linie geklärt, in der 22. Minute verfehlte nach einem Standard der Kopfball von Aaron Denk Gracia das Tor. Drei Minuten später hatten die Hausherren ihre erste Chance, als ein Kopfball von Christopher Bibaku vorbeiging. Die verdiente Führung erzielte die spritziger und angriffslustiger spielende Mannschaft von Trainer Jannick Immel mit dem 0:1 durch Florian Simon nach einem genauen Pass von Jean-René Aghajanyan. Nach einem Freistoß (45.+2) gelang den Hausherren im zweiten Nachschuss durch Mohammad Rashidi der Ausgleich.
Umstrittene Szene am Ende
Auch in der zweiten Halbzeit gaben zunächst die Gäste den Ton an. Jannis Fetzner prüfte den Torwart mit einem Fernschuss. Dann folgte in der 60. Minute der Schock, als nach einer Flanke von Rashidi Maximilian Uhlig zum 2:1 traf. Immel nahm die ersten Auswechslungen vor: Für Aghajanyan kam Marcel Meinzer, für den angeschlagenen Nico Kruppenbacher Stürmer Nico Nagel. In der 75. Minute ließ Fetzner einen starken Schuss los, der Torwart Philipp Berhard zu einer Parade zwang. In der 82. Minute war der eingewechselte Meinzer zur Stelle und verwandelte den Freistoß von Simon zum viel umjubelten 2:2 – damit schien der Aufstieg möglich. Aber das Drama ging weiter: In der 87. Minute hatte Torwart Milan Gebhardt die Hand am Ball, konnte diesen aber nur abklatschen, und der eingewechselte Meliani Saim schob zum 3:2 ein. In der angekündigten achtminütigen Nachspielzeit, die sich aufgrund von Spielverzögerungen der Gastgeber auf elf Minuten verlängerte, kam Jonas Schäfer noch frei zum Schuss, der Ball ging aber neben das Gehäuse. Auch der letzte Schussversuch Zeiskams war eine Beute des Torwarts.
Zuvor gab es eine umstrittene Situation, als Torwart Berhard Kopf und Kragen riskierte und dabei mit einem Zeiskamer Spieler zusammenstieß. Die Zeiskamer hatten diese „Rettungstat“ als Foulspiel gesehen, der ansonsten souveräne Schiedsrichter Sahin Dündar entschied anders.
Lob an die Mannschaft
Einigermaßen gefasst, aber enttäuscht war Trainer Jannick Immel nach seinem letzten Spiel. „Wir hatten in den ersten 25 Minuten bis zu fünf Situationen mit der Möglichkeit, ein Tor zu erzielen. In einer Phase, als wir danach etwas geschwommen haben, gelang uns dann das 1:0 durch Florian. Aber das 1:1 fiel zu einem ungünstigen Zeitpunkt, direkt vor der Pause im zweiten Nachschuss, den wir nicht abwehren konnten. Die zweite Halbzeit war ein Hin und Her – zunächst wieder mit Vorteilen für uns und später mit dem eigentlich erlösenden 2:2. Aber dann kam das vermeidbare 3:2. Mein Gefühl sagt mir, dass der Glücklichere gewonnen hat. Trotzdem bin ich stolz auf die Jungs, was sie noch geleistet haben und wie gut sie heute gespielt haben“, sagte Immel.
Auch der Vorstandsvorsitzende Frank Herzog musste um Fassung ringen. „Leider haben wir zu schnell die Gegentore zum 1:1 und auch am Schluss zum 3:2 bekommen. Man hat die Qualität Wittlichs im Angriff schon gesehen. Aber wir waren mindestens gleichwertig, hatten aber nicht das erforderliche Glück in den Abschlüssen. Es ist sicher nicht leicht, über 100 Minuten hellwach zu sein. Doch dafür gehört unserer Mannschaft ein großes Lob ebenso wie den zahlreichen Anhängern – an die 200 –, die mit einem Fanbus und mehreren Privatautos angereist sind.“
„Richtig gutes Spiel“
Mannschaftskapitän Florian Simon sprach von einer unglücklichen Niederlage. „Wir müssen schon das 1:0 in die Halbzeit retten, aber der Ball wird zweimal unglücklich abgefälscht. Ähnlich bekommen wir das 3:2. Doch wir haben ein richtig gutes Spiel hier abgeliefert.“
Großen Trost spendete Sponsor Patrik Hoffmann. „Heute überwiegt die Enttäuschung. Wir waren so nah dran, trotzdem hat es am Ende nicht gereicht. Aber eine Saison wird nicht nur am letzten Spiel gemessen. Sie wird an all den Momenten gemessen, die wir gemeinsam erlebt haben und vor allem am Zusammenhalt, der diese Mannschaft ausgezeichnet hat. Deshalb überwiegt bei aller Enttäuschung vor allem eines: Stolz – auf diese Mannschaft, auf das Trainerteam, auf alle Betreuer, Helfer, Sponsoren, Unterstützer und Fans.“ Am Montag flog er mit den Spielern nach Mallorca.