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Donnerstag, 17. Januar 2019 Drucken

Landau

Zum Schmunzeln

Verein(t) in der Südpfalz: Seit sieben Jahren erfreut der Schmunzelweg in Albersweiler Einheimische und Touristen. Gedichte über die Landschaft, den Wein und die Pfälzer Eigenart amüsieren Wanderer, die den anderthalb Kilometer langen Rundweg beschreiten. Die Gemeinschaft, die das Projekt initiierte, hat noch einige kulturelle Ideen auf Lager.

Von Ali Reza Houshami

Jürgen Deutsch und Roland Links sind die Autoren der Gedichte und Geschichten, die auf dem anderthalb Kilometer langen Rundweg in Albersweiler zu lesen sind. Verewigt auf Tafeln von 19 Stelen, zaubern sie ein Lächeln auf das Gesicht der Wanderer. Die Beiträge über die Liebe, den Wein und die Pfälzer Schlagfertigkeit sorgen aber nicht für Lachsalven. Mit ihrem hintersinnigen, augenzwinkernden Humor sollen sie den Leser vielmehr zum Schmunzeln bringen, weshalb der Rundweg auch als Schmunzelweg bekannt ist.

Eine Kostprobe? Die Liebesbank: Als en Herbsttag zu Ende geht, un owends sich des Wetter dreht, hott e Paar uff de Bank do gesesse un hat alles um sich rum vergesse. Weil sich nun de Nebel zeigt un vor denne zwä uff jetzt steigt, kann man, dut de Liebhaber erwähne, sei Hand vorm Gsicht nit sehne. Do druff saacht des verliebte Mädel in seinem schöne, offene Klädel: „Karl, du kannscht saache was du wit, vorm Gsicht do hoscht se jo ach nit!“

Hinter dieser Attraktion in der rund 2000-Einwohner-Gemeinde stecken vier Köpfe, die sich im Schmunzelclub zusammengeschlossen haben. Neben Deutsch und Links sind das Doris Böckler und Thomas Kiefer. „Ohne die Unterstützung von Menschen aus dem Dorf hätten wir die Idee jedoch nur schwer umsetzen können. Sie packten mit an und stellten uns auch Maschinen zur Verfügung, um beispielsweise die Stelen aufstellen zu können“, erinnert sich Kiefer. Er war es auch, der das Projekt initiierte.

Kiefer hatte im Jahr 2009 dazu angeregt, angelehnt an einen mit Gedichten gespickten Wanderweg an der Villa Ludwigshöhe in Edenkoben solch einen Rundweg in Albersweiler zu realisieren. Schließlich hat er mit Jürgen Deutsch einen Freund, der das Talent hat, Menschen mit originellen Gedichten mit viel Witz und Humor in den Bann zu ziehen. Das hat ihm schon während seiner Zeit als Vertreter geholfen. Dadurch habe er die Kunden für sich gewinnen können, berichtet Deutsch.

Mit ins Boot holten sich die beiden Herren Roland Links, der als Fastnachter durch und durch gilt und bereits unzählige Büttenreden gehalten hat, und Doris Böckler, die nicht nur die Homepage des Schmunzel- clubs betreut, sondern sich auch bei der Eröffnung des Schmunzelwegs 2011 wortgewandt zeigte. Sie unterhielt mit Reimen wie „Nun, ein Schmunzelweg sollt mer hier nit verbiete, deshalb hot der weit blickende Gemeinderat entschiede: So eine heitere Wegstrecke sollt mer schun mache, dann hänn Gäste un Wandrer ach was zu lache.“

Die Kosten für den Rundweg über 8000 Euro wurden größtenteils von der Gemeinde und vom Verein Tourismus und Wein gedeckt. Auch der Verkauf des Gedichtbandes „Gereimtes rund um den Wein“ spülte Geld in die Kasse des Schmunzel- clubs. Mittlerweile hat Deutsch zwei weitere Gedichtbände herausgebracht, er sitzt aber bereits am nächsten Werk. Was den Schmunzelweg betrifft, der sich durch die Gewanne „Im Rosenloch“ zieht, plant die Gruppe, diesen um eine weitere Attraktion zu bereichern. So schwebt Kiefer und seinen Mitstreitern vor, in der Nähe des Aussichtspunkts oberhalb der Gemeinde eine Tafel aufzustellen. Auf diesem soll erklärt werden, wohin der Wanderer von seinem Standpunkt aus seinen Blick schweifen lassen kann.

Darüber hinaus möchte der Schmunzelclub kulturelle Akzente in der Gemeinde setzen. „So könnten wir beispielsweise zu einer Fotoschau einladen. Jürgen knipst unzählige schöne Bilder in der Natur, die gezeigt werden können“, sagt Doris Böckler. Allerdings würde sich die Gruppe über Verstärkung freuen, um die Idee in die Tat umsetzen zu können. Schließlich würde die Pflege des Schmunzelweges die Mitglieder bereits zeitlich sehr einspannen. Die Rosen und Mandelbäume, die abschnittsweise gepflanzt wurden, müssten gepflegt werden. Darüber hinaus müssen Schäden, die durch Vandalismus entstehen, behoben werden. So wurde jüngst eine Stele bemalt, die Wegweiser waren vergangenes Jahr von Unbekannten abmontiert worden.

Info

Wer sich dem Schmunzelclub anschließen möchte, meldet sich per E-Mail an doris.boeckler@t-online.de.

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