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Dienstag, 13. Dezember 2016 Drucken

Landau

Wie Sardinen in der Büchse

Von Falk Reimer

Uni-Report: Die Universität Koblenz-Landau hat sich seit der Jahrtausendwende in Landau um knapp 10 000 Quadratmeter vergrößert. Dennoch bleibt die Raumnot ein heißes Thema. Denn die Anzahl der Studenten wächst schneller als die Flächen. So ist trotz der vielen Baumaßnahmen weniger Platz.

In Landau ein bisschen später zum Seminar zu kommen, bedeutet in vielen Fällen, dass noch folgende Sitzgelegenheiten frei sind: Fensterbank und Fußboden. In zwei Hörsälen gibt es immerhin noch Treppen. Die Hörsäle und Seminarräume sind überfüllt. Das ist beileibe keine Neuigkeit. Die Raumsituation der Universität Koblenz–Landau beklagten Studenten schon bei mehreren Protestaktionen, beispielsweise beim Bildungsstreik 2009 und auch im vergangenen Jahr. Dabei hat das Land über die Jahre viel gebaut und Flächen angemietet, um den steigenden Studentenzahlen gerecht zu werden.

 

Die Zahlen sind beeindruckend. So wurden von 2000 bis 2014 in Landau knapp 10.000 Quadratmeter Raum für die Uni gebaut oder angemietet, die Fläche stieg von rund 21.000 auf 31.000 Quadratmeter. Insgesamt sind die Räume der Doppel-Uni in 14 Jahren um die Hälfte gewachsen: von 40.091 auf 59.404 Quadratmeter in Landau und in Koblenz. Doch wenn man die Studierenden gegenrechnet, wird das Problem offensichtlich. An beiden Standorten studieren im Vergleich zu 2000 fast doppelt so viele Menschen.

Uni versucht, die Raumnot zu lösen

 

Vor 16 Jahren gab es in Landau für jeden Studenten 4,97 Quadratmeter Platz. 2014 waren es nur noch 3,94 Quadratmeter. In Koblenz sind die Werte noch geringer: Der Platz für jeden Lernenden sank von 4,24 auf 3,32 Quadratmeter. In der von Kanzler Michael Ludewig als vergleichbar eingeschätzten Universität Trier sank die Quote im gleichen Zeitraum ebenfalls: Von 6,12 Quadratmetern pro Student auf 5,46, teilt die Uni auf . Werte, von denen die Doppel-Uni nur träumen kann.

 

Die Universitätsleitung versucht, die Raumnot zu lösen. In diesem Wintersemester werden Pflichtveranstaltungen, die viele Studenten besuchen müssen, mehrfach angeboten. Dies entzerrt die Raumnot, bindet aber Lehrpersonal. In einigen Fachbereichen wurde nach Informationen der bereits vor mehreren Jahren zumindest zeitweise inoffiziell die Anwesenheitspflicht abgeschafft. „Natürlich auch, um die Räume zu entlasten“, sagt ein Uni-Mitarbeiter. Im vergangenen Jahr wurde ein Saal im Universum-Kino angemietet. Was ein Ersatz für das besetzte Audimax durch protestierende Studenten sein sollte, wurde schnell zu einer Dauerlösung für den Rest des Semesters.

"Wir suchen noch"

 

In Koblenz wird das Modell „Kinosaal“ in diesem Semester ebenfalls genutzt: „Zur Deckung von Raumengpässen“, wie die Pressestelle der Universität auf Anfrage mitteilt. „Auch der Standort Koblenz ist bemüht, weitere Räume dauerhaft anzumieten.“ Aber: „Wir suchen noch“.

 

In Landau verfolgt man einen anderen Weg. Ein Campus Süd im Wohnpark Am Ebenberg soll knapp 10.000 Quadratmeter Fläche bringen, erläutert Ludewig. Drei Gebäude sollen von privaten Investoren angemietet werden, darunter auch die ehemalige Reithalle. Doch: „Die Anträge sind immer noch nicht durch“, sagt Ludewig. Anmietungen, auch wenn sie – wie im Fall Campus Süd – von der Uni alleine finanziert werden können, müssen vom rheinland-pfälzischen Finanz- und vom Wissenschaftsministerium genehmigt werden. Das Finanzministerium müsse „bei Anmietungen ab 50.000 Euro eingebunden werden“, sagt der Kanzler. Die Bearbeitung könne bis zu neun Monate dauern, dazu kämen unvorhersehbare Nachfragen, die die Unileitung immer wieder aufs Neue überraschten, erzählt Ludewig. „Es wäre schön, wenn es eine Checkliste für solche Anträge gäbe“, merkt er an.

 

Das Wissenschaftsministerium teilte der RHEINPFALZ mit, der Antrag der Uni-Leitung sei erst am 7. November vollständig gewesen. Man werde in einem „beschleunigten Verfahren“ entscheiden. Die Pressestelle des Finanzministeriums klärt den Vorgang an sich und konnte sich bis gestern öffentlich nicht äußern.

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