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Dienstag, 06. November 2018 Drucken

Landau: Kultur Regional

Von wegen Quetschkommod’

Ungewöhnliches Konzert für aufgeschlossene Hörer im Edenkobener Herrenhaus mit Uraufführungen des Kompositionsstipendiaten Udi Perlmann

Von Gereon Hoffmann

Zwei Uraufführungen von Udi Perlmann, derzeit Stipendiat im Herrenhaus Edenkoben, gaben einen Einblick in das Schaffen des jungen Komponisten. In der ungewöhnlichen Besetzung Schlaginstrumente und Akkordeon gab es auch einen Klassiker der Neuen Musik zu hören, Steve Reichs „Piano Phase“. Es war ein faszinierendes Konzert.

Es gab viel zu entdecken für aufgeschlossene Hörer. Dazu gehört auch die äußerst seltene Kombination von Vibraphon und Akkordeon. Oded Geizhals, ein 1990 in Israel geborener Schlagwerker, kennt Perlman seit der gemeinsamen Militärzeit in Israel. Geizhals studierte in Tel Aviv und Basel, ist Mitglied der Israel Contemporary Players und hat mit dem Neuen Orchester Basel und dem HR Symphonieorchester Aufnahmen gemacht.

Das Akkordeon spielte Nejc Grm, 1992 in Slowenien geboren. Zu seinem Instrument sei angemerkt, dass hierzulande das Akkordeon immer noch mit dem Klischee der Quetschkommode behaftet ist. In Osteuropa freilich genießt es einen ganz anderen Stellenwert. Verbreitet ist dort das chromatische Knopfgriff-Akkordeon, das auf der Diskantseite keine Klaviertastatur hat, sondern runde Knöpfe. Dies ermöglicht einen Tonumfang von fünfeinhalb Oktaven, anstelle der dreieinhalb der Klaviertastatur.

Grm ist einer der progressiven Akkordeonisten, die mit zeitgenössischen Komponisten zusammenarbeiten und Repertoire und Spielweisen weiter entwickeln. Im Solostück „... Of Waters Making Moan“ von Rebecca Saunders entstand das Klangbild auch durch neue Effekte, wie etwa atmende Balg-Geräusche, tonlos gespielte Klappengeräusche und das Ziehen von Tonhöhen durch kontrolliertes Arbeiten mit dem Luftstrom des Balgs. Zudem waren der Tonumfang und der mächtige Bass des Instruments beeindruckend.

Perkussionist Geizhals eröffnete das Konzert mit Perlmans „In a Constant State of Limbo“, das der Komponist dem Stipendiaten der Bildenden Kunst im Herrenhaus, Simon Pfeffel, gewidmet hat. Auf fünf pentatonisch gestimmten Holztrommeln wird ein kleines Motiv zunächst rhythmisch, dann in der Kombination der Tonhöhen verändert. Im Kontrast dazu steht die Stimme des Schlagwerkers, der Seufzer-ähnliche Laute von sich gibt. Schließlich reiben sich die kurzen harten Holztöne mit der langen geschmeidigen Bewegung der Stimme. Freilich wirkt das etwas seltsam, so dass hier und da im Publikum gekichert wurde.

Steve Reichs „Piano Phase“ von 1967 spielen im Original zwei Pianisten an zwei Klavieren ein identisches Motiv. Doch ihre Tempi sind minimal gegeneinander verschoben. Aus dem anfänglichen unisono wird erst ein kurzes Echo, dann verschieben sich die Motive so, dass eine neue Kombination der beiden Tonfolgen entsteht. Für Musiker, die ihr Leben lang darauf gedrillt werden, synchron mit anderen zu spielen, ist es höllisch schwer, die Phasenverschiebung konsequent zu halten.

Erstaunlich gut klappt die klangliche Verbindung von Vibraphon und Akkordeon. Das ist auch Perlman aufgefallen, der für diese Kombination das Stück „Hataka“ geschrieben hat. Der Titel ist das hebräische Wort für Verschiebung, und Perlman hat hier ebenfalls mit sich wiederholenden Zyklen für die jeweiligen Instrumente gearbeitet, die sich an verschiedenen Stellen treffen. Im Unterschied zu Reichs kleinen Motiven hat Perlman aber wesentlich größere Klangfolgen und -farben verwendet. Kompositorisches Ziel war es, die Grade von Zusammenklingen und getrennt konturierten Klängen auszuloten.

Perlman wurde 1990 in Tel Aviv geboren. Er studierte in Berlin, Karlsruhe und Jerusalem Komposition und Musikerziehung. Seine Werke brachten ihm den ersten Preis des Kompositionswettbewerbs des Israelischen Konservatoriums, den dritten Preis des Hamburger Camerata Wettbewerbs, und mehrere Stipendien ein.

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