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Sonntag, 20. Oktober 2019 Drucken

Landau

Thomas Cook vermiest Landauern den Urlaub

Von Barbara Swojanowsky

Bleibt jetzt am Boden: ein Airbus der Thomas-Cook-Airline im Anflug auf Skiathos in Griechenland.

Bleibt jetzt am Boden: ein Airbus der Thomas-Cook-Airline im Anflug auf Skiathos in Griechenland. (Foto: dpa)

Aus der Firmenzentrale von Thomas Cook im hessischen Oberursel dringen nur tröpfchenweise Informationen.

Aus der Firmenzentrale von Thomas Cook im hessischen Oberursel dringen nur tröpfchenweise Informationen. (Foto: dpa)

Es hätte die schönste Zeit des Jahres für sie werden sollen, doch dann ging Thomas Cook pleite. Eine Landauer Wohngruppe der Lebenshilfe hat das hart getroffen. Ihre Mallorca-Tour wurde abgesagt. Auch viele andere Südpfälzer sind betroffen. Wie helfen die Reisebüros?

Die Koffer standen bereit. Die Vorfreude war riesig. Dann kam die Hiobsbotschaft: Aus dem Urlaub wird nichts. Eigentlich hätten die sieben Bewohner der Lebenshilfe-Wohngruppe im Landauer Lazarettgarten heute mit zwei Betreuern im Flieger nach Mallorca sitzen und sich auf eine Woche All-Inklusive-Urlaub freuen sollen. Doch ihr Traum von Sonne, Strand und Meer ist wegen der Insolvenz des britischen Reisekonzerns Thomas Cook geplatzt.

Alle Buchungen mit geplanter Abreise bis zum 31. Dezember sind storniert. Die Enttäuschung in der Gruppe sei enorm, sagt Iris Scheibel, die Mutter eines Betroffenen. „Die Menschen im Wohnheim werden so oft in ihrem Leben enttäuscht. Dass es jetzt ausgerechnet sie trifft, ist umso bedauerlicher.“ Monatelang hätten ihr Sohn und seine Mitbewohner Pläne für den Urlaub geschmiedet. Als kleinen Ersatz machen sie jetzt Tagesausflüge. Auf dem Programm stehen etwa der Freizeitpark Tripsdrill, das Technik-Museum in Speyer und Bowling.

„Aber all das ist mit neuen Kosten verbunden. Und nicht hinter jedem Bewohner steht ein Angehöriger, der den finanziellen Verlust ausgleichen kann“, betont Scheibel. Ihr 38-jähriger Sohn verdient sein Geld in einer Behindertenwerkstatt. „Rund 250 Euro erhält Christian im Monat. Monatelang haben die Leute für die Reise gespart. Jetzt ist ihr Geld weg.“

Ob die Gruppe der Lebenshilfe ihre 3000 Euro je zurückbekommt, ist fraglich. Denn: Die Haftungssumme des Konzerns liegt bei 110 Millionen Euro. Bei mehreren hunderttausend Betroffenen wird das nicht für alle reichen. Auch Joachim Graf, Leiter der Wohngruppe, hat wenig Hoffnung. „Natürlich haben wir unsere Ansprüche bei der Versicherung geltend gemacht. Aber wo nichts ist, kann man nichts holen.“

Der Heimleiter berichtet, dass seine Schützlinge bei der Buchung auf den bekannten Namen Neckermann-Reisen vertraut und letztlich riesiges Pech gehabt hätten. „Das ist aber für all die anderen Betroffenen genauso ärgerlich“, betont Graf. Zumindest die 130 Euro für die Rücktrittversicherung haben die Heimbewohner von ihrem Reisebüro in Bad Bergzabern zurückbekommen. „Aus Kulanz und in Eigeninitiative der Mitarbeiter.“

In Landau setzen sich Tourismuskaufleute ebenfalls für ihre Kunden ein. „Viele wollen trotzdem verreisen“, sagt Lukas Kröber vom Reisebüro Blum Holiday-Tours. „Bei uns gab es glücklicherweise nur zwei Betroffene. Wir haben sie unterstützt und nach Ersatz gesucht.“ Im Landauer ADAC-Reisebüro waren laut Reisevertriebsleiter Patrick Barth fünf Buchungen von der Insolvenz betroffen. Zusammen 31 Kunden waren es in den sechs Büros des ADAC in der Pfalz.

„Viele konnten wir auf andere Veranstalter umbuchen“, berichtet Barth. Einige Kunden hätten Zahlungen, die sie in den sechs Wochen vor der Pleite getätigt hatten, von ihrer Bank zurückholen können. Nur wenige hätten die Kosten beim Insolvenzverwalter geltend machen müssen. Das habe vor allem diejenigen getroffen, die ab Mitte Oktober vereist wären.

Den Informationsfluss aus Oberursel, dem Sitz der Thomas-Cook-Unternehmenskommunikation, beschreibt Barth als schlecht. Erst durch eigenes Nachfragen bei den Hotels habe man erfahren, dass Buchungen bereits storniert waren. Thomas Cook habe diese Info aber nur tröpfchenweise herausgegeben – immer für die nächsten zwei bis drei Tage. Mit einigen Hotels habe man klären können, dass Urlauber trotzdem anreisen dürfen.

„Um unseren Kunden ihren Urlaub zu garantieren, haben wir teilweise auf unsere Provision verzichtet“, sagt Barth. Er habe außerdem Kunden gewinnen können, die im Internet gebucht, aber dann keine Unterstützung von den Online-Reisebüros erhalten hätten.

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