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Montag, 20. August 2018 Drucken

Landau

Südpfalz: Schwierige Wohnungssuche für Flüchtlinge

Von Ali Reza Houshami

Haben in ihrer neuen Wohnung genug Platz: Teklehymanot Gebremedhin mit seiner Frau Elsa und seinen beiden Töchtern Ruftalem und Fiamenta. Für knapp 76 Quadratmeter zahlen sie 560 Euro kalt.

Haben in ihrer neuen Wohnung genug Platz: Teklehymanot Gebremedhin mit seiner Frau Elsa und seinen beiden Töchtern Ruftalem und Fiamenta. Für knapp 76 Quadratmeter zahlen sie 560 Euro kalt. ( Foto: van)

Nach der Flucht: Asylbewerber, die der Stadt Landau oder dem Kreis Südliche Weinstraße zugewiesen werden, bekommen alle ein Dach über den Kopf. Ist ihr Asylantrag bewilligt, geht für sie die Suche nach einer eigenen Wohnung los. Ohne fremde Hilfe sind Flüchtlinge dabei jedoch nur selten erfolgreich.

Teklehymanot Gebremedhin hatte Glück. Monatelang war er mit seiner Frau und seinen zwei Kindern auf der Suche nach einer neuen Bleibe in Landau. Sie wohnten noch bis vor wenigen Tagen in einer 50 Quadratmeter großen Ein-Zimmer-Wohnung. Nicht gerade groß für eine vierköpfige Familie. Nun haben die Gebremedhins aber mehr Platz. Für knapp 76 Quadratmeter zahlen sie 560 Euro Kaltmiete – für Landauer Verhältnisse ein Schnäppchen. Wenn dann noch eine Flüchtlingsfamilie solch eine günstige Wohnung bekommt, ist das außergewöhnlich. Ohne das berüchtigte „Vitamin B“ – also ohne Unterstützung von Freunden und Arbeitskollegen – wäre der 41-jährige Eritreer vermutlich noch auf der Suche. Dabei fängt für Zugewanderte das Leben in Deutschland erst einmal gut an.

 

Wird ein Asylbewerber der Stadt Landau oder dem Landkreis Südliche Weinstraße zugewiesen, muss er nicht auf der Straße schlafen. Die Person kommt in der Regel in eine Gemeinschaftsunterkunft (GU). Was sich nach einem großen Lager mit Dutzenden von Menschen anhört, ist in Wahrheit ein Haus oder eine Wohnung, die von einer überschaubaren Zahl von Personen bezogen wird. Familien haben nach Möglichkeit eine Unterkunft für sich, sodass sie mehr Privatsphäre genießen können. Allerdings handele es sich dann nicht um „Luxuswohnungen“, erklärt beispielsweise der Erste Beigeordnete der Verbandsgemeinde (VG) Bad Bergzabern, Martin Engelhard: „In unserer VG waren es leerstehende Wohnungen, die wir in der Vergangenheit für Asylbewerber angemietet haben, und sind von daher vergleichsweise auch nicht teuer.“

Bei anerkannten Flüchtlingen ist Jobcenter zuständig

 

Die Zahl der Gemeinschaftsunterkünfte in den einzelnen Verbandsgemeinden ist ebenso unterschiedlich wie die Zahl der Bewohner. Sind in der VG Bad Bergzabern 150 Menschen in rund 30 Gemeinschaftsunterkünften untergebracht, leben in der VG Maikammer rund 70 Personen in 13 Gemeinschaftsunterkünften. Vorgesehen sind die Unterkünfte für Menschen, über deren Asylantrag noch nicht entschieden wird. Im Landkreis warten derzeit 299 Personen auf die Antwort des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf), in der Stadt Landau sind es 100 Zugewanderte. Wer von ihnen einen positiven Bescheid erhält, muss – wenn die Mietkosten zu hoch sind – zum Ende des Monats aus der Wohnung ausziehen. Schließlich ist die Kommune, die die Mietkosten übernahm, dann nicht mehr für die Person zuständig, sondern das Jobcenter, das sie ebenso wie jeden anderen Bedürftigen im Land finanziell unterstützt.

 

Die Kosten für Unterkunft und Heizung übernimmt das Jobcenter, soweit diese angemessen sind. „Dabei orientieren wir uns am örtlichen Niveau der Mieten auf dem Wohnungsmarkt“, erklärt Michael Dopke, Geschäftsführer des Jobcenters Landau-Südliche Weinstraße. In Landau sei derzeit eine bis zu 80 Quadratmeter große Wohnung für eine dreiköpfige Flüchtlingsfamilie geeignet, wenn die Bruttokaltmiete rund 620 Euro betrage.

Gesunkene Bereitschaft, Wohnungen an Flüchtlinge zu vermieten

 

Kann der Flüchtling gar keinen Mietvertrag abschließen, verbleibt er als „Obdachloser“ in der Wohnung, in die ihn die Kommune untergebracht hatte. Das sehe das Polizei- und Ordnungsbehördengesetz vor, das davor schützt, dass die Person nicht auf der Straße landet. „Die Person muss sich dann darum bemühen, nach einer neuen Wohnung zu suchen und entsprechende Nachweise erbringen“, erklärt Dopke. Sonst würden Sozialleistungen gekürzt. Für viele Flüchtlinge gestaltet sich die Suche nach einer neuen Wohnung jedoch schwierig. Selbst wenn sie eine Arbeit haben, wie Magdalena Schwarzmüller vom Café Asyl in Landau anmerkt. „Die Menschen sind dann meist im Niedriglohnsektor tätig, sodass das Geld für einen Umzug in eine größere, bezahlbare Wohnung oft nicht ausreicht.“

 

Zain Nasser Mussa etwa ist bei einem Logistikunternehmen in Landau tätig. Er ist seit Monaten auf der Suche nach einer größeren Unterkunft für seine vierköpfige Familie. Ihre jetzige ist 50 Quadratmeter groß und kostet kalt 660 Euro. „Ich habe es telefonisch probiert, habe mir Wohnungen angeschaut, hatte aber bislang kein Glück.“ Der 28-Jährige weiß nicht, woran es liegt. „Vielleicht denken die Menschen, wir würden schlecht mit ihren Wohnungen umgehen.“ Mit dieser Vermutung liegt der zweifache Vater nicht ganz falsch.

 

Wie der Bürgermeister der VG Annweiler, Christian Burkhart, informiert, ist die Bereitschaft der Bürger gesunken, Wohnungen an Flüchtlinge zu vermieten. Das können Kollegen und ehrenamtliche Flüchtlingshelfer in Landau und Umgebung bestätigen. Burkhart nennt Gründe: „Teilweise ist das bedingt durch das negative Verhalten einzelner Flüchtlinge im Umgang mit den Räumlichkeiten der jeweiligen Vermieter.“ Diese würden über Verschmutzungen, Beschädigungen und ähnliche Unannehmlichkeiten klagen.

Stadt wird bevorzugt

 

Auch gibt es Haus- beziehungsweise Wohnungseigentümer, die ihre Immobilie lieber leer stehen lassen, als diese zu vermieten. Vor allem dann, wenn sie nicht darauf angewiesen sind. Das berichtet beispielsweise Viola Kirschke-Deck, die im „Arbeitskreis Flüchtlinge Maikammer“ engagiert ist. Eine Medaille hat jedoch wie immer zwei Seiten.

 

So gebe es auch Flüchtlinge, die sich nicht darum bemühten, sich eine neue Wohnung zu besorgen, berichten Flüchtlingshelfer und Vertreter von Kommunen. Vor allem dann nicht, wenn sie in einer Stadt leben. Aufs Land wollen nämlich nur die wenigsten, weiß VG-Beigeordneter Martin Engelhard zu berichten. „Egal ob Flüchtling oder nicht – den Menschen ist es wichtig, die Einkaufsmärkte in der Nähe zu haben und nicht auf Bus und Bahn angewiesen zu sein.“

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