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Landau: Kultur Regional

Sechs Stunden den Kasper gemacht

Von Barbara Swojanowsky

Heute bestimmt die Musikplattform Youtube stark die Musikwelt. Stars und Hobbymusiker gleichermaßen präsentieren sich auf der Musikplattform. Seit einigen Tagen ist dort auch das neue Video der Landauer Band All Fucked Up zu finden. Die RHEINPFALZ hat den Musikern beim Drehen über die Schulter geschaut und mit ihnen über die Bedeutung dieser großen digitalen Bühne gesprochen.

Sonntagnachmittag. Licht und Kamera sind auf die Musiker gerichtet. Die erste Klappe fällt. Harte Gitarrenriffs ertönen. Plötzlich Stopp. Etwas, was nicht dort hingehört, ist im Bild, wird weggeräumt. Wieder alles auf Anfang. Klappe, die zweite. Dann lassen es die fünf Jungs der Landauer Hardcoreband fetzen. Laut, schnell und dreckig toben sie sich aus. „Zur Ruhe kommen“, nennt Sänger Andreas Melzer das.

 

Der 39-Jährige ist der Hauptprotagonist und erzählt, worum es im Film geht: „Der Tag meint es nicht gut mit mir. Alles geht schief und ich bin furchtbar wütend deswegen. Nachdem ich in meinem Haus alles kurz und klein geschlagen habe, laufe ich zu meinen Jungs in den Proberaum. Dort hilft mir die Musik, mich wieder zu beruhigen.“

Vermarktung in Eigenregie

 

„Broken“ heißt der Song, für den der Streifen gedreht wird. Er findet sich auf dem jüngsten Album der 2005 gegründeten Gruppe. Die produziert und vermarktet ihre Tonträger selbst, ganz nach dem Do-it-yourself-Prinzip, das in der Hardcoreszene häufig ist. Youtube spielt dabei eine wichtige Rolle: Ohne großen finanziellen und sonstigen Aufwand können die Hobbymusiker dort auf ihr neues Werk aufmerksam machen.

 

Bereits den ganzen Samstag standen die Musiker vor der Kamera. „Ich habe sechs Stunden den Kasper gemacht, für letztendlich drei Minuten Spielzeit“, sagt Melzer lachend. Doch die Zeit investieren er und seine Bandkollegen gern. Denn: „Auf Youtube können wir unsere Musik der ganzen Welt präsentieren. Wir erreichen Menschen weit außerhalb unseres Wirkungskreises“, erklärt Bassist Daniel Schrimpf. So hätten Hardcoreanhänger aus Kanada ihre Videos in der Vergangenheit positiv kommentiert. Und ein Schotte habe ihre aktuelle CD gekauft. „Die haben nach einer bestimmten Musik gesucht und uns gefunden. Genau das wollen wir, deshalb sind wir heute hier“, erklärt der 34-Jährige und fügt hinzu: „Youtube ist die Musiksuchmaschine und eignet sich prima, um neue Bands kennenzulernen.“

"Wir profitieren alle"

 

Inzwischen ist der Proberaum voller geworden. Freunde sind eingetrudelt. Halten als Statisten her. Im Fokus der Kamera begrüßt sich die dunkle Horde mit Handschlägen. Das sitzt, ist im Kasten. Und Ljuba Schrimpf zufrieden. Die junge Frau studiert Medientechnik und Wirtschaft an der Hochschule Offenburg und arbeitet zurzeit als Praktikantin im Haus der Medienbildung in Ludwigshafen. „Das hat sie zu unserer Frau gemacht“, sagt Melzer. Vermittler war Cousin Daniel Schrimpf. „Von dem Dreh profitieren wir alle“, betont er, „sie liefert uns Profiequipement und Wissen, wir geben ihr Übungsmöglichkeiten.“

 

Am Abend haben Band und Filmcrew schließlich zwei Stunden Videomaterial zusammen. Die Musiker sind hin und weg. „So professionell haben wir noch nie gedreht“, gibt Bassist Schrimpf zu, der es „enorm spannend fand, was man dafür an Equipment alles braucht“. Und Melzer weiß: „Wer in den sozialen Medien mithalten möchte, muss Zeit und Arbeit investieren.“

 

Info

 

—Das Video ist auf youtu.be/Ro_jsu5yecQ

—Die Band spielt am Samstag, 20. Januar, in Bad Dürkheim beim Neckbreaker Fest des Kinder- und Jugendbüros, Kurbrunnenstraße 21 .

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