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Samstag, 08. September 2018 Drucken

Landau: Kultur Regional

Schreiben macht Spaß

Von Rita Reich

Mit einem Perry-Rhodan-Silberband fing bei Andreas Suchanek alles an. Hier ist er mit einem seiner Romane aus der neuen Serie „Das Erbe der Macht“ zu sehen.

Mit einem Perry-Rhodan-Silberband fing bei Andreas Suchanek alles an. Hier ist er mit einem seiner Romane aus der neuen Serie „Das Erbe der Macht“ zu sehen. ( Foto: Sandbiller)

Porträt der Woche: Andreas Suchanek, der in Landau geboren und aufgewachsen ist, hat Informatik studiert. Heute ist der 36-jährige ein glücklicher Autor von Fantasy-Romanen, Science Fiction, Serienkrimis und mehr. Seine neueste Idee ist die Arbeit in einer Schreib-WG.

Der Ruf von „Perry Rhodan“ war unwiderstehlich: Eigentlich hat Andreas Suchanek, der in Landau geboren und aufgewachsen ist, Informatik studiert. Aber dann folgte er seiner Leidenschaft fürs Schreiben.

 

Ein Abenteuer liegt gerade hinter ihm und es ist alles andere als Fantasy. Andreas Suchanek sitzt mit strahlenden Augen in einem altmodischen Café seines aktuellen Wohnorts Karlsruhe und erzählt voller Begeisterung von den jüngsten sechs Tagen: In einem halbrenovierten romantischen Schloss bei Leipzig hat er sich mit drei Autorenkollegen eingemietet, um dort gemeinsam zu schreiben, über Livestream mit Lesern zu kommunizieren und „Schabernack zu treiben“, wie auf seiner Website nachzulesen ist. Eine Autogrammstunde in einer Hugendubel-Buchhandlung und ein Autorenfest im Schlosshof waren Höhepunkte der Schreib-WG.

 

Schreiben ein einsames Geschäft im stillen Kämmerlein? Nicht bei Suchanek und Co. Mit der WG, die sich der Landauer ausgedacht hat, wird Schreiben als Event inszeniert, als großer Spaß, an dem – irgendwie – alle teilhaben können. Wie muss man sich das vorstellen? Nach dem Frühstück sitzen die vier jungen Schriftsteller zusammen am langen alten Holztisch im Schloss, teils mit, teils ohne Ohrstöpsel, und arbeiten schweigend an ihrem jeweiligen Buch. Manchmal seufzt jemand. Er kommt gerade mit einer Szene nicht weiter. Es folgt eine große Diskussion, Ideen werden erörtert, bis alle wieder in kreatives Schweigen versinken. Am Abend dann das Treffen mit den Lesern im Netz: Gefilmt von Handykameras, beantwortet das Quartett Fragen wie: Was war das erste Buch, das du gelesen hast? Was ist dein nächstes Projekt? „Das Feedback und die Nähe zu den Lesern ist einfach schön“, freut sich Suchanek. Zurück im eigenen Kämmerlein vermissen die Autoren einander ganz stark, erzählt der Erfinder der Schreib-WG. Aber keine Angst: Die Arbeits- und Spaßgemeinschaft soll kein einmaliges Ereignis bleiben. Die zweite Staffel, diesmal mit Gastautoren, ist im Dezember in Berlin geplant – natürlich „mit Plätzchen-Backen“, grinst Suchanek.

 

Um die Livestream-Frage aufzugreifen: Was war tatsächlich die erste Begegnung des jungen Landauers mit der Literatur? Um ihren Sohn zum Lesen zu animieren, erzählt Andreas Suchanek, legten seine Eltern ihm „Die Schatzinsel“ unter den Weihnachtsbaum. Seine Begeisterung war gleich null. Mehr Glück hatten sie mit einem dicken blauen Buch, dem Perry-Rhodan-Silberband in einer Sonderedition. Schlagartig erwachte die Leidenschaft des jungen Landauers für Science Fiction, die ihn seither nicht mehr losgelassen hat.

 

Mit 16 hat er erste Kurzgeschichten geschrieben, die im Internet doch „bis zu 50 Leser“ fanden. Einen weiteren Schub bekam die Liebe zur Literatur, als Andreas Suchanek ein Jahr lang als Buchhandelsgehilfe bei Buch Kaiser in der Landauer Gerberstraße (heute Thalia) arbeitete. Das folgende Informatikstudium kühlte die Begeisterung fürs Schreiben und Lesen keineswegs ab. Im Gegenteil. Während des Studiums kam eine Zusage vom Bastei-Lübbe Verlag, dass er eine Story der Science-Fiction-Serie „Sternenfaust“ schreiben dürfe. „Da bin ich geschwebt“, erinnert sich Suchanek.

 

In einem Informatikjob hat er nie gearbeitet. Stattdessen ging es Schlag auf Schlag: Erst schrieb er Folgen für Heftchenromane, darunter den legendären Perry Rhodan, dann baute er selbst ein Konzept für eine Reihe auf. Inzwischen sind es nicht mehr Hefte, sondern dicke Hardcover-Serienromane, die aus dem Laptop des sehr produktiven Autors fließen. Er schreibt sehr strukturiert zehn Seiten pro Tag, das entspricht etwa drei Serienbeiträgen pro Monat. Die gefürchtete Schreibblockade hat er noch nie erlebt.

 

In ganz verschiedenen Genres ist er unterwegs. „Heliosphere 2265“ ist pure Science Fiction, mehrere Bücher und Hörspiele sind inzwischen davon erschienen. Damit die Leser bei der Stange bleiben, arbeitet Andreas Suchanek hier mit so genannten Cliffhangern. Man kennt das von Fernsehserien: Gerade ist es so richtig spannend, man fiebert mit den Hauptfiguren mit – und plötzlich hört die Handlung einfach auf. Fortsetzung folgt. „Da bin ich ganz gemein“, feixt er.

 

Seine jüngste Romanserie „Das Erbe der Macht“, in der ein schüchterner junger Mann gemeinsam mit Einstein, da Vinci und anderen Geistergrößen mal eben die Menschheit vor bösen Mächten rettet, ist jetzt für den begehrten Preis einer Internet-Plattform, den Skouts Award, nominiert worden. Die Serie steht auf der Shortlist unter den letzten drei. Suchanek fiebert der Entscheidung entgegen.

 

„Ein Mordsteam“ heißt die Krimiserie, in der vier Jugendliche einen lange zurück liegenden Mord in ihrer Schule aufklären. Eine Standuhr, die zu geheimen Räumen führt, ein Held, der lacht wie ein Pinguin, und ein fieser Graf, der die Unterwelt beherrscht – das sind Elemente in Suchaneks Romanserie, die generationsübergreifend beliebt ist.

 

„Ich hab’ auch schon Leserbriefe von 80-jährigen Damen bekommen“, freut sich der Autor. Leserpost motiviert ihn und macht ihm immer wieder Spaß. Suchanek hat aber nicht nur Fanbriefe, Kekse und Stofftiere aller Art, sondern sogar mal einen gehäkelten Stoff-Alien aus dem Briefkasten geholt.

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