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Mittwoch, 14. Juni 2017 Drucken

Landau

Rotkohlsaft unter Strom

Landau: Südpfälzische und elsässische Schüler treffen sich regelmäßig im Chemie-Laborwagen der Uni

Jonas Föllinger lernt, dass sich beim Rotkohlsaft beim Anlegen von zwei Elektroden die Farbe ändert.

Jonas Föllinger lernt, dass sich beim Rotkohlsaft beim Anlegen von zwei Elektroden die Farbe ändert. ( Foto: N. Krauss)

Am Laborwagen des Eduard-Spranger-Gymnasiums (ESG) war am Freitagvormittag ein lautes deutsch-französisches Sprachgewirr zu hören. 53 Schüler von ESG, Max-Slevogt-Gymnasium (MSG) und dem elsässischen Lycée Ribeaupierré in Ribeauville nahmen gemeinsam mit ihren Lehrern am Experimentier-café der Uni teil.

Beim Experimentieren diskutierten die Schüler der Klassen 9 bis 11 auf deutsch und französisch, um gemeinsam die Aufgaben zu bewältigen, die ihnen von Chemie-Professor Björn Riesch und Doktorand Alexander Engl von der Landauer Universität gestellt worden waren. Die Uni-Mitarbeiter hatten 36 Boxen mitgebracht, die mit Utensilien und Anleitungen für zwölf verschiedene Experimente zum Thema Farbenpracht gefüllt waren. So konnten die Schüler beispielsweise ausprobieren, was passiert, wenn man Rotkohlsaft unter Strom setzt – er verfärbt sich – oder wie ein Kaleidoskop gebaut werden kann.

Das Experimentiercafé findet während des Schuljahres etwa einmal im Monat statt. Dann können Schüler von ESG und der benachbarten Integrierten Gesamtschule ihre Pausen nutzen, um das Schulfach Chemie von einer anderen Seite kennen zu lernen. Außerdem lädt die Uni zwischen dem 3. Mai und 28. Juli immer mittwochs und freitags in ihre Nawi-Werkstatt auf dem Uni-Campus ein. Dort haben alle Interessierten die Möglichkeit, die zwölf Experimente des Experimentierpasses zu meistern.

„Leider ist Chemie nach wie vor eines der unbeliebtesten Schulfächer. Durch das Experimentiercafé wollen wir den Blick der Schüler auf diese Naturwissenschaft verändern. Chemie ist überall, wir atmen Chemie“, sagt Engl, der die Schüler beim Experimentieren unterstützt.

Zu dem Anliegen, die Chemie den Schülern durch mit dem Alltag verknüpfte Versuche zugänglicher zu machen, kam an diesem Tag die Herausforderung der Zweisprachigkeit. Auch darauf ist das Team von der Uni vorbereitet: Die Anleitungen für einige Experimente sind bebildert und in einfacher Sprache erklärt. „Durch das gemeinsame Experimentieren werden Gesprächssituationen zwischen den deutschen und französischen Schülern geschaffen. Nur, wenn sie sich miteinander verständigen, können sie die Aufgaben lösen“, erklärt die Schulleiterin des ESG, Dagmar Linnert, einen weiteren Vorteil des fächerübergreifenden Angebots.

Die elsässischen Schüler aus Landaus Partnerstadt Ribeauvillé waren wegen eines Schulaustausches, den ESG und MSG seit fünf Jahren gemeinsam organisieren, für eine Woche in der Pfalz zu Gast. Bereits Ende März waren die Landauer für eine Woche in Ribeauvillé zu Besuch gewesen. Die französische Begleitlehrerin, Catherine Duplouy, ist bereits zum sechsten Mal mit ihren Schülern in Landau. Sie berichtet, dass ihre Schüler nicht mehr so motiviert seien, was das Lernen der deutschen Sprache angeht. Im Vorfeld seien viele von ihnen auch nicht davon begeistert, eine Woche bei einer fremden Familie zu verbringen. „Durch den Austausch mit Landau können die Schüler aber Motivation tanken und schließen jedes Jahr grenzüberschreitende Freundschaften“, erzählt Duplouy.

Auch die Landauer Schüler profitieren vom Austausch: „Ich bin jetzt schon zum dritten Mal beim Austausch dabei. Es ist jedes Jahr wieder toll, neue Leute kennen zu lernen“, schwärmt Jonas Föllinger. Seine Gruppe ist beim ersten Versuch am Experiment gescheitert: „Wir verständigen uns mit Händen und Füßen, aber beim zweiten Anlauf hat es jetzt geklappt. Es macht Spaß gemeinsam ein Ziel zu erreichen“, berichtet der Schülersprecher des ESG lachend.

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