Schließen x

Anmelden

»Registrieren     »Passwort vergessen

Montag, 08. Januar 2018 Drucken

Landau: Aus der Region

Pusten für die Sterneküche

Gegenüber: Der Kunsthandwerker Michael Schwarzmüller bläst federleichtes Glas mit Überraschungseffekt

Von Volker Knopf

Michael Schwarzmüller und sein organisches Glas, das von Spitzenköchen als „Bühne“ für ihre kulinarischen Kreationen genutzt wird.

Michael Schwarzmüller und sein organisches Glas, das von Spitzenköchen als „Bühne“ für ihre kulinarischen Kreationen genutzt wird. ( Foto: voko)

«Karlsruhe.» Michael Schwarzmüller geht einem heutzutage eher seltenen Handwerk nach. Der 60-Karlsruher ist Glasbläser. Und zwar nicht irgendeiner. Der Badener ist ein echter Könner seines Fachs und arbeitet eng mit der Top-Gastronomie zusammen. Für Sterne-Köche entwirft er Gläser, Karaffen, Schälchen, Teller oder Clochen.

Stolz präsentiert er ein Dessert-Gefäß, das er eigens für Drei-Sterne-Koch Juan Amador (Wien) kreiert hat. Schwarzmüller wiegt das kunstvoll bearbeitete Objekt in seiner Hand. „Im Grunde kreiere ich Bühnen für die Spitzenköche, auf denen sie ihre kulinarischen Meisterleistungen darbieten“, sagt Schwarzmüller ein wenig prosaisch. Amador, der früher in Mannheim ein Sterne-Restaurant betrieb und nun in Wien tätig ist, ist beileibe nicht der einzige Kunde des Designers in der Gastro-Branche. Unter anderem Sternekoch Daniel Schimkowitsch („Ketschauer Hof“, Deidesheim), Bocuse-d’Or-Finalist Christian Krüger (Mannheim) oder Zwei-Sterne-Koch Marc Rennhack (Cuxhaven) schwören auf die Fertigkeiten des Mannes aus dem Karlsruher Stadtteil Grünwettersbach. „Ich arbeite individuell auf die Bedürfnisse der Branche zu – wenn man so will Hand in Hand mit den Spitzenköchen“, sagt Schwarzmüller.

Wer eines seiner Gläser in die Hand nimmt, erlebt eine faustdicke Überraschung. Fast mutet es an, als ob die physikalischen Kräfte mal eben außer Kraft gesetzt wurden. Jeder Mensch hat intuitiv ein Gefühl, wie viel ein leeres Wasserglas wiegt. Die Gläser des 60-Jährigen sind jedoch so federleicht, dass man unwillkürlich zusammenzuckt und spontan denkt, man sitzt einem Betrug auf. „Das liegt daran, dass ich mit dünnwandigem Glas arbeite. Es ist nicht gepresst. Außerdem benutze ich nur hochwertigstes Material, das thermisch sehr anspruchsvoll ist.“ Auch optisch unterscheiden sich seine Gläser aus Borosilikat von normalen Glasgefäßen. Sie sind oval geformt und haben einen farbigen Tropfen am Boden, der sich im gefüllten Wasserglas spiegelt.

Bis zu 1200 Grad hat die Flamme des Brenners, während Schwarzmüller das Glas akribisch formt. Er lernte einst ganz klassisch Glasapparate-Bläser an der Universität Karlsruhe, dem heutigen KIT. Für die technisch geprägte Hochschule produzierte er Apparaturen für physikalische Experimente. Vor einigen Jahren kam die Spitzen-Gastronomie auf ihn zu. Und seitdem produziert er in seiner Werkstatt exklusive Mini-Serien, die preislich durchaus mit den edlen Menüs mithalten können. Laborglas für die experimentelle Top-Cuisine quasi.

In diesem Jahr erhielt er den Eunique-Award für angewandte Kunst und Design der Messe Karlsruhe für seine Schaffenskraft. Auch Automobil-Hersteller im High-End-Segment zählen zur Kundschaft. „Mir macht das Kreative Freude. Ich bin sowohl Handwerker als auch Designer. Ob ich eine Vase oder ein Sektglas am Brenner bearbeite, spielt keine Rolle“, erklärt Schwarzmüller, der Mitglied im Bund der Kunsthandwerker Baden-Württemberg ist. Mit etlichen der Spitzenköche hat er längst Freundschaften geschlossen. Erst kürzlich besuchte er wieder Juan Amador in Wien. Ein Treffen auf Augenhöhe: Letztlich seien sie ja alle Handwerker, wie Schwarzmüller sagt.

Südpfalz-Ticker