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Montag, 08. Oktober 2018 Drucken

Kreis Germersheim

Politiker in Kandel fordern: „Rechten nicht die Straße überlassen“

Von Volker Knopf

Frauenbündnis (vorne) und „Kein Platz für rechte Hetze“ stehen sich in Kandel gegenüber.

Frauenbündnis (vorne) und „Kein Platz für rechte Hetze“ stehen sich in Kandel gegenüber. ( Foto: van)

Die SPD-Spitzenpolitiker Alexander Schweitzer und Dennis Nitsche riefen zur Einheit der Demokraten über alle Parteifarben hinweg auf. Das Foto zeigt den Wörther Bürgermeister Dennis Nitsche und SPD-Bundestagsabgeordneten Thomas Hitschler am Bahnhofsvorplatz.

Die SPD-Spitzenpolitiker Alexander Schweitzer und Dennis Nitsche riefen zur Einheit der Demokraten über alle Parteifarben hinweg auf. Das Foto zeigt den Wörther Bürgermeister Dennis Nitsche und SPD-Bundestagsabgeordneten Thomas Hitschler am Bahnhofsvorplatz. ( Foto: van)

Kandel: Wörths Bürgermeister Dennis Nitsche (SPD) und SPD-Fraktionschef im Landtag, Alexander Schweitzer, sprechen auf Demonstrationen von Antifa und „Kandel gegen Rechts“ sowie des bürgerlichen Bündnisses „Wir sind Kandel“. Hohe Teilnehmerzahl von Antifaschisten aus Karlsruhe.

Gleich sechs Demonstrationen mit rund 700 Personen fanden am Samstag in Kandel statt. Einer Demonstration des rechten Frauenbündnisses mit rund 300 Personen standen fünf Versammlungen linker und bürgerlicher Gruppen mit etwa 400 Personen gegenüber, so die Einschätzung der Polizei. (Wir berichteten in RHEINPFALZ am Sonntag). Unter den Slogans „Singen gegen rechts“, „Demokratie in Maaßen“ oder „Kein Platz für rechte Hetze“ zeigten die Initiativen „Wir sind Kandel“ und „Kandel gegen Rechts“ Flagge gegen das rechtsextreme Frauenbündnis um dessen Initiator Marco Kurz, der seit dem Tod von Mia in Kandel jeden ersten Samstag im Monat mit Gleichgesinnten aufmarschiert.

Mehr Teilnehmer als sonst

Während bei den jüngsten Demonstrationen in der Regel von beiden Seiten insgesamt maximal rund 300 bis 350 Personen mobilisiert wurden, waren es am Samstag doppelt so viele. Die vergleichsweise hohe Zahl der Gegendemonstranten ließ sich auch darauf zurückführen, dass das Antifaschistische Netzwerk Karlsruhe zur Demonstration am Bahnhofsvorplatz aufgerufen hatte.

Bemerkenswert war zudem die Tatsache, dass Wörths Bürgermeister Dennis Nitsche (SPD) sowie der SPD-Fraktionsvorsitzende im rheinland-pfälzischen Landtag, Alexander Schweitzer, sowohl auf der Versammlung auf dem Bahnhofsvorplatz als auch auf der des bürgerlichen Bündnisses vor der Verwaltung der Verbandsgemeinde sprachen. „Es ist wichtig, dass wir zusammenstehen und solidarisch sind im Kampf gegen rechts. Es sind viele aus der Nachbarschaft da. Wir sind Kandel – wir sind Wörth! Wir brüllen die Rechten aus der Stadt“, sagte Nitsche.

Sein Parteigenosse Schweitzer stieß ins gleiche Horn. „Ich bin Antifaschist, weil ich Demokrat bin. Wir lassen uns von denen unsere Demokratie nicht kaputt machen. Lasst uns gemeinsam friedlich demonstrieren und den Rechten nicht den öffentlichen Raum überlassen.“

Einige Hundert Meter weiter bei „Wir sind Kandel“ griffen Nitsche und Schweitzer, die vom südpfälzischen SPD-Bundestagsabgeordneten Thomas Hitschler begleitet wurden, wieder zum Mikro. Zuvor begrüßte Kerstin Jordan, Beigeordnete in Kandel, die Besucher. „Wir dürfen nicht müde werden, gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit auf die Straße zu gehen. Wir müssen unsere Lebensqualität im Ort zurückgewinnen.“

Polizeihund beißt zu

Schweitzer betonte, dass die Rechten eine weltoffene, bunte Gesellschaft, in der junge Heranwachsende, die sein können, die sie sein möchten, abschaffen wollen. Das Thema „mangelnde Sicherheit“ werde von der AfD künstlich hochgejazzt. „Als ob wir nicht abends sicher durch die Straßen laufen könnten. Die Gefahr kommt eher von rechts“, erinnerte der Wörther Bürgermeister an das kürzliche Auffliegen einer Neonazi-Zelle namens „Revolution Chemnitz“. Nitsche ließ auch einige Spitzen gegen die CDU einfließen, die bei der Demo nicht vor Ort sei. Weitere Sprecher waren Lukas Hartmann (Landesvorstand Bündnis 90/Grüne) sowie Rüdiger Stein (DGB-Regionalgeschäftsführer Vorder- und Südpfalz).

Insgesamt blieb es laut Hannah Michel, Sprecherin, beim Polizeipräsidium Rheinpfalz, relativ friedlich. Allerdings wollten zwei Personen der linken Szene eine Absperrung durchbrechen. Einer von ihnen hatte, so die Polizei, einen Diensthund „in den Schwitzkasten“ genommen. Der Hund biss ihn. In der Humboldtstraße kam es zu einem Hausfriedensbruch eines Mannes aus der rechten Szene.

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