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Kreis Südliche Weinstrasse

Offenbach: Ratten sollen draußen bleiben

Von Daniel Meyer

Leser Wendelin Hilsendegen hat Angst, dass die Ratten hinter seinem Haus Krankheiten wie die Afrikanische Schweinepest verbreiten.

Leser Wendelin Hilsendegen hat Angst, dass die Ratten hinter seinem Haus Krankheiten wie die Afrikanische Schweinepest verbreiten. ( Foto: DPA)

Wo der Mensch ist, sind auch die Ratten nicht weit. Angeblich soll es in New York genauso viele Nager geben wie Menschen. Ein Offenbacher hat nun auf dem Feld hinter seinem Haus eine Kolonie entdeckt. Er ist besorgt, dass sich die Tiere im Dorf rasch vermehren und für Unmut sorgen.

Beim Spaziergang mit dem Hund wurde Wendelin Hilsendegen vom Weingut Hörnerhof erstmals auf Löcher im Feld hinter seinem Haus am äußersten südlichen Offenbacher Ortsrand aufmerksam. „So was habe ich noch nicht gesehen“, sagt er. Rund 50 Löcher vermutet er auf einem Streifen von knapp 15 Meter. „Wenn man mit drei bis fünf Ratten pro Loch rechnet, kann man sich in etwa vorstellen, was da unten los ist.“ Seine Befürchtung: Die Ratten könnten sich gerade bei milden Temperaturen stark vermehren und in Richtung Dorf ziehen. „Mir geht es um alle anderen im Dorf“, sagt Hilsendegen.

Keine Rattenplage bekannt

 

Noch seien die Ratten auf dem Feld alle auf einem Fleck, ließen sich jetzt gut bekämpfen. Ziehen sie in Richtung Dorf und finden Gefallen an Müllsäcken und -containern wird es schwer, die Übersicht zu behalten. Er selbst dürfe nicht eingreifen, wurde ihm mitgeteilt, die Ratten befinden sich auf öffentlichem Raum. Früher habe es in solchen Fällen Aufrufe an die Bewohner gegeben, Köder zu holen und diese aufzustellen. „Da wäre der Zuständige am selben Tag noch hingefahren.“

In der Verbandsgemeindeverwaltung weiß man Bescheid. Die entsprechenden Fachbehörden seien unterrichtet worden. Eine Rattenproblematik habe die Ortsgemeinde derzeit nicht, auch in der Verbandsgemeinde seien keine Fälle von Rattenplagen bekannt. Von Zeit zu Zeit würden allerdings Bürger Mitteilungen über vereinzelte Ratten machen, berichtet die Verwaltung. Zudem würden Ratten in der Abwasserkanalisation turnusmäßig bekämpft.

870 Tonnen Giftköder

 

Hilsendegen hatte sich bereits zuvor beim Bauhof informiert, dort wurde er an die Kreisverwaltung verwiesen. Die ist bei Rattenplagen nach dem Infektionsschutzgesetz zuständig, informiert die Gemeinde. Von der Kreisverwaltung gab es kurzfristig noch keine Auskunft. In das Thema seien nicht nur das Veterinäramt, sondern auch andere Stellen eingebunden, teilte die Pressestelle mit.

Rund 870 Tonnen Giftköder werden jährlich in Deutschland gegen Ratten und Mäuse ausgelegt. Gefürchtet sind die Nagetiere in Europa seit dem 14. Jahrhundert wegen ihrer Rolle beim Übertragen der Pest. Aber: Nicht die Ratte hat den „schwarzen Tod“ in die Städte gebracht, sondern der Rattenfloh, der die Nager quasi als Shuttle-Service nutzte. Dennoch ist ein Rattenbiss alles andere als ungefährlich. Die Nager können Salmonellen, Borreliose oder Hantaviren übertragen. Zum Problem können die Ratten werden, weil sie sich unglaublich stark vermehren. Ein Weibchen kann bis zu 2000 Kinder und Kindeskinder bekommen – in einem Jahr wohlgemerkt.

Sorgen macht sich Hilsendegen auch in Bezug auf die Afrikanische Schweinepest. Bisher hat es der Virus noch nicht nach Deutschland geschafft, aber die Tierseuche ist auf dem Vormarsch. Sie befällt Haus- und Wildschweine und kann auch über Ratten aufgenommen und übertragen werden. Die Krankheit ist derzeit ein großes Thema, der Bauernverband fordert den Abschuss von 70 Prozent der Wildschweinbestände in Deutschland zur Prävention. Für die Landwirtschaft könnte die Afrikanische Schweinepest ein Riesenproblem werden. So weit muss es in Offenbach nicht kommen. Dennoch wünscht sich Hilsendegen Klärung.

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