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Donnerstag, 17. Januar 2019 Drucken

Landau

Neues Gesicht fürs alte Dorf

Arzheim ist ein Sanierungsfall, aber das ist gut so. Das ist die Kernaussage des Büros Rittmannsberger Architekten, das den Dorfkern untersucht hat. Gut deshalb, weil Hausbesitzer dann steuerlich stark gefördert werden können. Zum Auftakt soll für 2,1 Millionen Euro die Dorfstraße erneuert und verkehrsberuhigt umgestaltet werden.

Von Bernhard Scholten

Nicht nur die Probleme, auch die Potenziale Arzheims wurden auf der Versammlung diskutiert.

Nicht nur die Probleme, auch die Potenziale Arzheims wurden auf der Versammlung diskutiert. ( Foto: Iversen)

Das Büro Rittmannsberger Architekten hat Voruntersuchungen zum Sanierungsaufwand in Arzheim gemacht. Die sind nötig, bevor die Stadt dort ein Sanierungsgebiet wie in Nußdorf ausweisen kann. Die Ergebnisse wurden am Dienstagabend auf einer Bürgerversammlung vorgestellt und diskutiert, zu der rund 200 Arzheimer gekommen waren.

Michael Meyer und Ingo Rohleder von Rittmannsberger Architekten präsentierten Ergebnisse, die für die Arzheimer nicht überraschend waren: Es gibt im Kerndorf einen hohen Leerstand, viele leerstehende Gebäude müssen, sollen sie denn bestehen bleiben, grundlegend saniert werden. Dazu gehören auch viele Gebäude in der Denkmalzone, die einen großen Teil der Häuser an der Arzheimer Hauptstraße umfasst.

Für Meyer und Rohleder sind die Ergebnisse eindeutig: Arzheim ist ein Sanierungsfall – und das kann gut sein, denn Sanierungsmaßnahmen können über 15 Jahre hinweg steuerlich abgeschrieben werden; sie rechnen sich also für die Eigentümer. Meyer riet allen, die jetzt eine Sanierung planen, dieses Jahr noch abzuwarten, denn Steuervorteile gibt es nur für Arbeiten, die nach der Ausweisung eines Sanierungsgebietes begonnen werden.

Mehr als eine Stunde lang fragten und diskutierten die Arzheimer mit den beiden Architekten und den Stadtplanern der Stadt. Die steuerlichen Anreize seien, so ein Teilnehmer, auch für Investoren attraktiv, die deswegen leerstehende Gebäude aufkaufen. Das bestätigte Meyer aufgrund seiner Erfahrung aus anderen Sanierungsgebieten.

Diskutiert wurden auch die Potenziale Arzheims. So könnten die unterirdischen Keller aufgelistet, saniert und zugänglich gemacht werden. Auch die für Arzheim typischen Einfriedungsmauern, die zahlreichen Heilgenstatuen und Bildstöcke seien auch für Touristen interessant. Andere Vorschläge berührten den Alltag: Viele Bewohner des Kerndorfes ärgern sich über die elektrischen Oberleitungen. Diese müssten, so forderten viele, bei der Sanierung der Hauptstraße unter die Erde verlegt werden. Ob dies von der Energie Südwest bereits geplant ist, konnte an diesem Abend nicht beantwortet werden.

„Die Sanierung der Arzheimer Hauptstraße kann Ende Februar beginnen, wenn der Stadtrat in seiner nächsten Sitzung dem Ausbau zustimmt“, erklärte Bürgermeister Maximilian Ingenthron (SPD). Nach seiner Einschätzung hat sich das Warten auf die Ergebnisse einer zweiten Ausschreibung gelohnt, „denn mit rund 2,1 Millionen Euro liegen die Kosten des jetzigen Angebotes deutlich unter dem letzten“. Damit kann die Höhe der wiederkehrenden Beiträge stabil bleiben.

Kritisiert wurden die auf der sanierten Hauptstraße vorgesehenen Parkbuchten. Die parkenden Autos schafften erst die Verkehrsprobleme auf der Straße; sie gefährdeten Fußgänger und Radfahrer, war eine mehrfach geäußerte Meinung. Dabei gebe es in den Gehöften genügend Platz.

Ingenthron erklärte, dass die Hauptstraße ihr heutiges Gesicht völlig verändern werde: Es gebe zukünftig nur noch einen asphaltierten Fahrstreifen in der Mitte, der rechts und links von Pflasterstreifen eingefasst werde. Entgegenkommende Autos müssen sich gegenseitig Platz machen, die Fahrer werden durch die Straßengestaltung gezwungen, langsam zu fahren.

Den Vorschlag, einen autofreien Radweg entlang des Ranschbachs zur Kreisverwaltung und von dort über den Kanalweg zur Innenstadt zu schaffen, will Roland Schneider, verantwortlich für die Stadtplanung, prüfen lassen.

Der weitere Zeitplan ist ambitioniert: Bis Anfang Februar werden die in der Versammlung vorgestellten Ergebnisse auf der Internetseite der Stadt veröffentlicht. Ende März/ Anfang April werden auf einer zweiten Bürgerversammlung die abschließenden Ergebnisse der Voruntersuchung vorgestellt. Im Mai/Juni wird die konkrete Planung veröffentlicht, verbunden mit der Möglichkeit, Einwände vorzutragen. Im Herbst diskutieren der Ortsbeirat und die städtischen Gremien die Planungen und geben ihre Empfehlungen ab. Im Winter soll dann der Stadtrat die Sanierungssatzung beschließen. Dann kann mit der Sanierung Anfang 2020 begonnen werden.

„Die Sanierung der Hauptstraße kann zur Initialzündung für ein saniertes Arzheim werden, der Anfang ist gemacht, wie diese sehr gut besuchte Bürgerversammlung und die engagierte Diskussion zeigt. Die Anregungen von euch sind sehr hilfreich und nützlich“, sagte der Arzheimer Ortsvorsteher Klaus Kißel am Ende der Veranstaltung.

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