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Mittwoch, 21. Dezember 2016 Drucken

Landau

Nach Uni-Report: Landespolitiker äußern sich zu Koblenz-Landau

Von Falk Reimer

 

Die Uni Landau wird den Erwartungen der jungen Leute nicht gerecht, klagen Kritiker der Hochschulpolitik. ( Foto: van)

Die RHEINPFALZ hat mit ihrem Uni-Report in der vergangenen Woche die Missstände und Probleme an der Universität Koblenz-Landau aufgezeigt. Auch die Landespolitik ist aufmerksam geworden, wie die Reaktionen von Parteivertretern auf die Berichterstattung zeigen. Ein Überblick.

Die Reaktionen sind ganz unterschiedlich. Während die eine Seite die Probleme als hausgemacht ansieht, stellt die andere Seite gleich die Bildungspolitik infrage. „Ich sehe den Standort Landau als gut versorgt an“, sagt beispielsweise für die regierenden Sozialdemokraten der Landtagsabgeordnete Wolfgang Schwarz aus Hainfeld. Er weist darauf hin, dass die Grundfinanzierung der Uni seit 2005 um 65 Prozent gestiegen sei. Seit 2010 habe das Land rund 34 Millionen Euro in Neu- und Umbauten auf dem Landauer Campus investiert, darunter ein Laborgebäude mit 70 hochmodernen Laboren. Der Uni-Leitung wirft er Versäumnisse vor, zum Beispiel bei der Anmietung von Räumen oder im Fall des Campus Süd. Dabei sei „zaghaft vorgegangen“ worden. „Hausgemachte Fehler dürfen nicht auf das Land geschoben werden, sondern müssen im Rahmen der Autonomie unserer Hochschulen auch vor Ort bewältigt werden“, so Schwarz.

„Die Situation ist nicht vom Himmel gefallen, die Universität ist seit vielen Jahren unterfinanziert“, sagt Christine Schneider, CDU-Landtagsabgeordnete aus Edenkoben. Seit Jahren werde das Betreuungsverhältnis von Professoren zu Studenten an der Uni schlechter. Die Regierung in Mainz habe jahrelang weggeschaut, doch die Probleme würden noch dringender: „Die Landesregierung hat keine Antwort, wie es nach 2020 weitergehen soll.“ Dann endet der Hochschulpakt, aus dem die Uni nach eigenen Angaben pro Jahr rund 20 Millionen Euro erhält. Der Vergleich mit der Uni Trier habe gezeigt, dass die Mittel für Koblenz-Landau aufgestockt werden müssten, so Schneider.

Auch ihre Parteifreundin Dorothea Schäfer äußert sich ähnlich: Die Finanzierung der ehemaligen Erziehungswissenschaftlichen Hochschule (EWH) sei nie auf universitäres Niveau angehoben worden, sagt die hochschulpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion. „Hinzu kommt, dass die Landesregierung auf Kurzfristfinanzierung gesetzt hat und nicht auf eine auskömmliche Grundfinanzierung.“

Die Grünen hätten in der Regierung eine Verbesserung der Grundfinanzierung der Hochschulen erreicht, unterstreicht die Landesvorsitzende Katharina Binz, doch die Situation an der Doppel-Uni zeige deutlich, dass eine weitere Verbesserung notwendig sei. Zusätzlich möchte die Partei mehr unbefristete Stellen im Mittelbau schaffen. In Bezug auf den geplanten Campus Süd in Landau fragen sich die Grünen, ob er den „Bedürfnissen der Studierenden und Mitarbeiter mittel- bis langfristig gerecht“ wird. Binz schlägt vor, die gesamte Universität an zwei Standorten plus den Gebäuden in der Fußgängerzone, also dem Frank-Loebschen-Haus und der Roten Kaserne, zu konzentrieren. Genau dieses Ziel verfolgt ja die Uni-Leitung.

Der Landesvorsitzende der Linken, Jochen Bülow, lobt die Berichterstattung der RHEINPFALZ. Die Mängel seien auf allen Ebenen treffend beschrieben worden. Sie zu beheben, sei Aufgabe der Landesregierung. „Tut sie das nicht, muss man den Föderalismus beim Thema Hochschulen infrage stellen.“ Die Misere an rheinland-pfälzischen Hochschulen habe unterschiedliche Seiten: „Studierende werden durch die personell und materiell mangelhafte Ausstattung um ihre Zukunftschancen gebracht, die Beschäftigten arbeiten unter Bedingungen, die mit ,guter Arbeit’ nichts zu tun haben.“ Das Land sei als „Wissenschaftsstandort unterer Durchschnitt“.

Die Situation gerade in Landau sei die „Folge einer grundsätzlich falschen Bildungspolitik“, beklagt Joachim Paul, AfD-Bildungspolitiker. Die Duale Ausbildung müsse „endlich als gleichwertiger Ausbildungsweg verstanden werden“. Ein Umsteuern in der Bildungspolitik wäre für die Unternehmen, die Azubis suchten, und für die überfüllten Universitäten von Vorteil.

Die Studenten selbst wiederholen ihre bekannten Anliegen. Mehr Stellen in Verwaltung und Lehre, dazu eine höhere Grundfinanzierung, fordert die Hochschulgruppe Campus Grün, die im neuen Studierendenparlament über die Hälfte der Stimmen vertritt. „Die Probleme sind strukturell und seit Jahren still geduldet“, teilen die Sprecher der Gruppe, Jana Plößler und Danny Behrendt, mit.

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