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Samstag, 09. Juni 2018 Drucken

Landau

Mysteriöses Geräusch hält Mörlheimer wach

Von Sebastian Böckmann

Die Herkunft des Brummtons ist völlig unklar. (Foto: Iversen)

Lärmmessgerät (Foto: Iversen)

Christian Müller von der Gewerbeaufsicht mit Spezialgerät in Mörlheim. (Foto: Iversen)

Einige Mörlheimer können nachts nicht mehr schlafen – wegen eines mysteriösen Geräuschs. Es brummt. Und brummt. Und brummt. So mancher schläft deshalb im Keller. Die Gewerbeaufsicht hat das nervende Geräusch nun bestätigt. Jetzt soll das Landesamt für Umweltschutz die Ursache suchen.

Claus Hund und seine Mitstreiter haben lange gezögert, sich an die Öffentlichkeit zu wenden. Sie leiden seit Monaten unter mysteriösen nächtlichen Geräuschen, nicht laut, aber extrem störend, wenn man sie erst einmal wahrgenommen hat. Das Problem ist nicht neu. Vor vielen Jahren war es schon einmal aufgetreten.

Quelle im Industriegebiet?

 

Claus Hund wohnt in der Straße In den Thoräckern. Seiner Erinnerung nach wurde damals die Abluftanlage einer Firma im Mörlheimer Industriegebiet als mögliche Quelle vermutet. Nach technischen Änderungen sei danach lange nichts mehr zu hören gewesen. Doch jetzt wieder. Hund vermutet auch diesmal die Geräuschquelle im Industriegebiet – unter anderem auch deshalb, weil er an Pfingstsonntag und Pfingstmontag nichts wahrgenommen hat.

Ohrstöpsel helfen nicht

 

Der Mörlheimer schildert das Geräusch als Brummen oder Dröhnen, als eine an- und abschwellende, überwiegend nächtliche Dauerbeschallung im Niederfrequenzbereich. „Es hört sich wie ein entfernt stehender, laufender Kompressor an.“ Das Geräusch, das auch als Vibrieren empfunden werde, sei nicht nur störend, sondern mache auf Dauer krank, da auch Ohrstöpsel keine Abhilfe verschaffen könnten.

 

Keine übliche Ruhestörung

Radio-, Fernsehbetrieb oder Verkehrslärm der nahen Autobahn könnten das Brummen größtenteils überdecken. Im Bett sei es aber mehr als schwierig einzuschlafen oder wieder in den Schlaf zu finden. Hund erklärt, dass es sich um keine übliche Lärmbelästigung durch zu hohe Lautstärke handele; das Problem sei nicht in Dezibel zu messen, aber vorhanden.

Hund wollte auf Nummer sicher gehen und hatte die Stromversorgung im Haus unterbrochen – aber das Geräusch war noch da. So unangenehm es ist: Hund ging es etwas besser, als er merkte, dass er nicht der einzige Mörlheimer ist, der drunter leidet.

Phänomen hat Wikipedia-Eintrag

Immerhin gibt es zahllose Berichte im Internet zu „mysteriöses Brummen“ und einen großen Wikipedia-Eintrag über das „Brummton-Phänomen“, wo vom „subjektive(n) Wahrnehmen niederfrequenter Töne oder Geräusche, die vermeintlich sicher von außen stammen, denen aber keine akustische Ursache zugeordnet werden kann“ die Rede ist. Und wo geschildert wird, dass längst nicht jeder das Geräusch hört und dass die Quelle meist nicht auszumachen ist.

Hund hatte bei acht Nachbarn nachgefragt, seine Frau in ihrer Gymnastikgruppe. Fünf der zwölf Befragten hatten kein Brummen wahrgenommen, die anderen aber sehr wohl.

Hund nennt mehrere Nachbarn, die sich ebenfalls mehr als belästigt fühlten. Sie hätten teilweise nachts versucht, der Geräuschquelle auf die Spur zu kommen, teils seien sie zum Schlafen in den Keller geflohen.

SGD hat Geräusche gemessen

Ende Mai hat Hund die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd in Neustadt eingeschaltet, die umgehend reagiert hat. Am Mittwochabend war Christian Müller von der Gewerbeaufsicht vor Ort und hat in zwei Häusern gemessen, auch bei Hund. „Er hat bei je zwei Messungen ganz deutlich tieffrequente Geräusche festgestellt“, sagt SGD-Pressesprecherin Nora Schweikert. Müller habe das Brummen auch selbst gehört. Die SGD gibt den Fall nun ans Landesamt für Umwelt in Mainz weiter. Das verfüge über andere Messgeräte, mit denen die genauen Frequenzen festzustellen seien. Es könne auch besser beurteilen, ob das Brummen gesundheitsschädlich sein könnte. Müller halte auch eine Quelle im Gewerbegebiet für möglich – es könnten aber auch die benachbarten Windräder auf Offenbacher Gemarkung sein.

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