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Samstag, 30. September 2017 Drucken

Landau

Mögen die Spiele beginnen

Bunte Räder drehen sich munter im Wasser, Brücken und Seile spannen sich von einem Ufer zum anderen, und die Queich schlängelt sich behäbig durch ihr neues Bett: Die Renaturierung des Bachlaufs zwischen der Landauer Schneiderstraße und dem Queichanger ist abgeschlossen.

Von Lena Wind

Schon belebt, aber noch etwas karg: Bald sollen am neuen Queicharm bunte Blumen blühen.

Schon belebt, aber noch etwas karg: Bald sollen am neuen Queicharm bunte Blumen blühen. ( Foto: Iversen)

Schüler in weißen Laborkitteln, die Wasserproben nehmen, eine Gruppe von Jugendlichen, die mit der Gitarre in gemütlicher Runde am Queichufer sitzt, und Schüler, die sich am Wasserspielplatz so richtig austoben: Schüler des Eduard-Spranger-Gymnasiums (ESG) in Landau haben gestern im darstellenden Spiel gezeigt, wie es einmal am renaturierten Queichabschnitt auf dem Gelände gegenüber der Schule aussehen könnte. Das war ein fiktives Zukunftsszenario. Aber das Toben war echt. Die Schüler scheinen das Gelände schon für sich entdeckt zu haben.

„Was lange währt, wird endlich gut“, sagte der städtische Umweltdezernent Rudi Klemm bei der Einweihung. Sechs Jahre haben sich Planung und Bau des neuen, 750 Meter langen Queicharms mit Wasserparcours und Wasserspielplatz hingezogen. Das ESG, die Universität Koblenz-Landau, die Stadt und die Anwohner haben sich dabei mit Ideen, Wünschen, Anregungen und Bedenken eingebracht.

Nun schlängelt sich neben dem alten Queicharm ein neuer, naturnah angelegter Wasserzweig. Ein Drosselbauwerk leitet den größten Teil des Queichwassers in den neuen Verlauf. Dort sind auch die zehn Stationen des Wasserparcours verortet, beispielsweise zu den Themen Wasserqualität, Abwasser und Wasserkraft. Außerdem gibt es einen Barfußpfad, verschiedene Brücken und Metallseile, auf denen über das Wasser balanciert werden kann, sowie eine Sitzgruppe aus Sandstein, die zukünftig als Klassenzimmer am Wasser dienen kann.

Hier und dort stehen Skulpturen wie eine gigantische Libelle aus Metall mit bunten Flügeln, eine Sprüchesäule oder ein Windspiel aus Dosen, die im Kunstunterricht des ESG entstanden sind. „Wir haben die Wasserräder gebastelt“, berichtet der Siebtklässler Lukas stolz. „Ein paar sind schon ein bisschen kaputt gegangen, da müssen wir nach den Ferien noch mal ran“, meint sein Klassenkamerad Konstantin. Beide freuen sich über den Lernort an der frischen Luft mit Platz zum Forschen und Spielen. „Vielleicht kommen wir ja auch mal im Bio-Unterricht hier her und suchen nach Wasserpflanzen und Tieren“, hofft Konstantin.

Ältere Schüler, wie die 17-jährige Romy, haben solche Erfahrungen schon gemacht. „Im Chemie-Grundkurs haben wir Wasserproben entnommen. Wir lernen generell viel am Beispiel der Queich“, erzählt die Zwölftklässlerin. Sie freut sich schon auf die Freistunden, die sie künftig auf dem Gelände verbringen kann.

Ralf Schulz vom Institut der Umweltwissenschaften der Uni Landau freute sich darüber, dass es nun leichter sei, mit den Schülern direkt ans Wasser zu kommen und dort zu lernen. Er verwies darauf, dass durch den Verbleib des alten Queicharms ein direkter Vergleich zwischen begradigtem und natürlichem Bachlauf möglich sei.

Abseits des Wasserparcours und des -spielplatzes schlängeln sich Wege durch das derzeit noch ziemlich triste Areal. Bald sollen hier bunte Wiesen für Bienen und Co. blühen. 616.000 Euro hat die Anlage, die auch als Naherholungsgebiet dienen soll, gekostet. Als Pilotprojekt der Aktion Blau Plus trägt diese Kosten zu 100 Prozent das Land Rheinland-Pfalz.

So war gestern auch Landesumweltministerin Ulrike Höfken vor Ort. Sie freute sich über die gelungene Renaturierung und den neu entstandenen Lernort, der die Naturwissenschaften für die Schüler in Zukunft attraktiver machen solle. Sie hob außerdem die Vorteile für Artenvielfalt und Hochwasserschutz hervor. Für Landaus Bürgermeister Maximilian Ingenthron (SPD) hatte sie einen Förderbescheid über 145.000 Euro für die Finanzierung des Parcours im Gepäck.

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