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Landau

Merkel macht’s

Live-Experiment zum Kanzler-Duell an Landauer Uni – Wissenschaftler erforschen Wirkung – Aus 400 Bewerbern 53 ausgewählt

von Lena Wind

Merkel profitiert in Landau, Schulz in Mainz. Warum? Das unterschiedliche Abschneiden können sich die Forscher noch nicht erklären.

Merkel profitiert in Landau, Schulz in Mainz. Warum? Das unterschiedliche Abschneiden können sich die Forscher noch nicht erklären. ( Foto: rtr)

Als Angela Merkel und Martin Schulz am Sonntagabend das einzige TV-Duell des Bundestagswahlkampfes bestritten, haben Wissenschaftler an der Landauer Uni ganz genau hingesehen. Mithilfe von Versuchspersonen wurden Wahrnehmung und Wirkung des Aufeinandertreffens erforscht.

Über 400 Leute aus der Region hatten sich für die Teilnahme an dem Live-Experiment zum Kanzler-Duell beworben. 53 von ihnen wurden als Testpersonen für das Kooperationsprojekt mit der Universität in Mainz ausgewählt. Anhand der Kandidatenbewertungen, die sie über Drehregler und Push-Buttons zu jeder Sekunde des Duells abgeben konnten, untersuchten die Landauer Wissenschaftler, wie Merkel (CDU) und Schulz (SPD) wahrgenommen wurden.

Unterschiedliche Meinungen zu Kandidaten

Durch das Ausfüllen von Fragebögen vor und nach dem Schauen des Duells wurden außerdem Auswirkungen auf die Kanzlerpräferenz erfasst. Und die waren bei den insgesamt 224 Landauer und Mainzer Testpersonen nicht gerade gering.

Angela Merkel konnte beispielsweise bereits mit einer ihrer ersten Aussagen bei den Zuschauern punkten. Ihre Feststellung, dass nicht alle Flüchtlinge nach Deutschland kommen könnten, sondern vielmehr die Fluchtursachen bekämpft werden müssten, kam bei den Zuschauern gut an. Die am stärksten polarisierende Aussage des Abends kam von Martin Schulz. Er legte dar, dass der Islam eine Religionsgemeinschaft sei „wie jede andere auch“.

Mainzer küren Schulz zum Sieger

Am Ende profitierte Merkel in Landau stärker von ihrem Auftritt. Obwohl in Mainz mehr als die Hälfte der Probanden Schulz zum Sieger erklärte, sahen etwa 40 Prozent der Landauer direkt nach der Sendung Merkel als Siegerin; rund 30 Prozent stimmten für Schulz. Der Rest sagte: keiner der beiden. Nimmt man alle Testpersonen zusammen, konnte Schulz bei der Frage nach der Kanzlerpräferenz durch das Duell gewinnen: Während vor der Sendung noch 40 Prozent Merkel und nur 29 Prozent Schulz direkt wählen wollten, führte der SDP-Mann mit rund 36 Prozent nach dem Duell sogar leicht vor Merkel, die nur noch auf 35 Prozent kam.

Studie knüpft an andere an

Die aktuelle Studie knüpft an die Untersuchungen der Forschergruppe zu den TV-Duellen 2002, 2005, 2009 und 2013 an. Ziel ist es, Wahrnehmungsprozesse und Urteilsbildung von Wählern insbesondere während des Wahlkampfes zu erforschen.

Unterschiede zu den Ergebnissen anderer Studien erklären die Forscher damit, dass die lediglich 224 Versuchspersonen des Experiments nicht repräsentativ für die Bevölkerung seien. Vielmehr seien sie mittels einer Quotenstichprobe ausgesucht worden. Das heißt: Es waren jeweils gleich viele Anhänger aller politischen Parteien sowie unabhängige Wahlberechtigte eingeladen worden.

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