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Dienstag, 07. März 2017 Drucken

Landau: Kultur Regional

Magie des Objekts

Die Münchner Fotokünstler Dieter Härtter und Bernd Sannwald stellen bei der Südpfälzischen Kunstgilde in Bad Bergzabern aus

Von Bernd Sannwald ist diese Fotoarbeit. ( Foto: Veranstalter)

Eine Arbeit (Detail) von Dieter Härtter. ( Foto: Veranstalter)

Bis 26. März ist in der Artgalerie am Schloss professionelle Fotokunst zwischen chromatischem Konstruktivismus, digitaler Entfremdung und magischer Objektverwandlung durch rein physikalische Effekte zu sehen. Mit der aktuellen Schau der beiden Münchner Fotokünstler Dieter Härtter und Bernd Sannwald in Bad Bergzabern hat Manfred Enders der Südpfälzischen Kunstgilde posthum eine Ausstellung von höchster künstlerischer Qualität beschert.

 

In der Münchner Orangerie haben sich Enders, Sannwald und Härtter 2014 kennengelernt. Der Einladung des damaligen Gildemeisters, der im Dezember 2015 verstarb, sind die Künstler aus München nun gefolgt.

Der Wow-Effekt ist gewaltig. Eine einzelne zarte Magnolienblüte von Härtter, schwarz-weiß, in kleinem Format weiß gerahmt an der weißen Wand, zieht das Auge des Betrachters als erstes in seinen Bann, vorbei an großformatigen geometrischen Farbenspielen Sannwalds. Jeder Rundgang verspricht je nach Lichtverhältnis und Stimmung ein neues emotionales Erlebnis zu werden. Spannung und Entspannung, Luft anhalten und tiefes Ausatmen wechseln von Bild zu Bild, an jeder Wand, in jedem Raum. Erst einen Tag vor der Eröffnung am Sonntag aus München angereist, ist den Künstlern die Korrespondenz zwischen ihrem unterschiedlichen Werkschaffen und mit dem Ort sehr gut gelungen.

Beide brennen seit der Jugend für die Fotografie, seit ungefähr sechs Jahren betreibt jeder für sich seine Kunst professionell, ab und an sind die Freunde gemeinsam unterwegs und stellen gemeinsam aus. Ist es bei Härtter das Unscheinbare, das die Blicke magisch anzieht, so drängen sich dem Betrachter Sannwalds Farbexplosionen schreiend auf.

Mit profundem Hintergrundwissen und professionell erlernter Technik macht der ärztliche Psychotherapeut Sannwald mit der Kamera scheinbar Unsichtbares sichtbar, Härtters digitale Bearbeitungen täuschen das Auge des Betrachters als Kompositionen von Farbinformationen, die im Gehirn vom ursprünglichen Bildinhalt entfernte Assoziationen hervorrufen. Während des Studiums arbeitete der Wirtschaftsinformatiker Härtter für die Fachzeitschrift „Foto und Labor“.

Als Künstler vereint er nun die beiden Welten Fotografie und Computertechnik, indem er ursprüngliche Bildinhalte kreativ und exzessiv bis zur Unkenntlichkeit verfremdet. Titel sind ihm nicht so wichtig, deshalb benennt er die Exponate in Serien. „Seascape“ zeigt variierende Farbanordnungen, die dem Betrachter vorgaukeln, eine Meereslandschaft mit sanften Übergängen zwischen Himmel, Wasser in unterschiedlichen Tiefen und Sandstrände zu sehen.

Die Exponate der Serie „Landscape“ wirken durch gleichförmige Raster in digital bearbeiteten Satellitenaufnahmen, etwa von thailändischen Reisfeldern, meditativ. Vor einem Teller mit Gemüse meint der Betrachter, plötzlichen Sehstörungen anheimgefallen zu sein. Die mit zeichnerischen Mitteln gestalteten Stimmungsbilder sind allesamt Unikate.

Die Magie seiner minimalistischen Kleinformate nährt die Philosophie, dass Weniger oft Mehr sein kann. Mit dem „Pas de Deux“ zwischen Torero und Stier in einem südfranzösischen „Course à la Cocarde“ führt Härtter die Besucher an den Zenit der Schwarz-Weiß-Fotokunst.

Findet Härtter seine Motive überwiegend in der Natur, so bevorzugt Sannwald architektonische Motive. Auf zahlreichen Fotoreisen streift er durch Straßen, Parks und Museen, unter anderem in London, Birmingham, Neapel oder Nürnberg. Streuungen, die das menschliche Gehirn vor der Wahrnehmung durch das Auge automatisch ausfiltert und „bereinigt“, macht er durch die Aufnahme mit der Kamera sichtbar.

So entstehen magische Formen, deren Ursprung sich dem Betrachter erst dann erschließt, wenn er sich auf die meist großformatigen Spiele mit Licht, Schatten, Spiegelung und Blickwinkel einlässt. Die Titel, die er seinen Bildern zuordnet, entstehen intuitiv. „Karies“ steht über der sinnverwirrenden Aufnahme gewundener Stahlseile mit Rostfraß, die in Karlsruhe entstand. Ohne jegliche digitale Bearbeitung wird allein durch Sannwalds Blick und profunde technische Kenntnisse ein Lichtschacht in der U-Bahn zum himmelblauen Schlund, eine Schaufensterdekoration zum knalligen Farbtanz geometrischer Figuren.

Info

Schlossgasse 3. Geöffnet Donnerstag und Freitag 16 bis 18 Uhr, Sonntag 15 bis 18 Uhr. Am 26. März sind beide Künstler für Führungen und Gespräche vor Ort.

 

 

|srs

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