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Samstag, 26. Januar 2019 Drucken

Landau

Landau: Wildtiermanager für Jagd auf Saatkrähen

Von Sebastian Böckmann

Axel Seidemann ist überzeugt, dass sich das Saatkrähenproblem halbwegs preiswert lösen lässt. (Foto: Jagdschule Frankfurt Wildtiermanagement)

Beim MSG werden Bäume beschnitten, um den Nestbau der Saatkrähen zu verhindern. (Foto: Van)

Saatkrähen sind intelligent. Deshalb ist es so schwer, sie wieder aus den Städten zu vertreiben. Aber aufgrund ihrer Intelligenz lernen sie auch sehr schnell, wo es für sie gefährlich wird, argumentiert Wildtiermanager Axel Seidemann. Er plädiert für eine Bejagung in der Stadt.

Saatkrähen aus Landau zu vergrämen geht deutlich billiger als jene 1,55 Millionen Euro, die laut einem von der Stadt in Auftrag gegebene Vergrämungskonzept im Verlauf von zehn Jahren anfallen würden. Das sagt Wildtiermanager Axel Seidemann, ein aus Kandel stammender und jetzt in Rheinhessen lebender Jäger, der sich unter anderem auf die Vergrämung von Tieren spezialisiert hat, die in Städten zum Problem geworden sind. Dazu zählt er Füchse, Kaninchen, diverse Gänse und auch Krähen – einschlägige Erfahrungen hat er mit Rabenkrähen.

Harte Mittel haben sich bewährt

Seidemann, der am MSG sein Abi gemacht hat und seine Mitarbeit beim Runden Tisch zu Saatkrähen in Landau angeboten hatte, aber nicht eingeladen worden war, hat der Stadt Frankfurt ein großes Problem vom Hals geschafft: Er hat das Frankfurter Mittelmeer, so ein Slogan der dortigen Bäder-Betriebe, von Kanada-, Grau- und Nilgänsen befreit. Denn die 220 mal 50 Meter große Wasserfläche war bei den Vögeln extrem beliebt – und Beckenränder sowie Liegewiese waren entsprechend zugekotet. Das war unappetitlich und teuer in der Reinigung. Zudem hatte das Gesundheitsamt im Gänsekot Salmonellen-Keime nachgewiesen. Die Vögel mögen das Bad, weil es ihnen gute Lebensbedingungen und reichlich Futter bietet: nach Medienangaben waren sie teilweise sogar von Badegästen gefüttert worden. Flatterbänder, Knallgeräusche und Sichtschutzzäune, damit die Vögel die Wasserflächen nicht mehr sahen, haben sich nach Angaben des Bäderchefs nicht bewährt.

Mit den guten Lebensbedingungen war es allerdings bald vorbei, als Seidemann ins Spiel kam, der sein Büro im rheinhessischen Bechtolsheim hat. Er hat 2015 ein Konzept erstellt und die Gänse schließlich im September 2017 mit einer Ausnahmegenehmigung an zwei Abenden bejagt: Dabei hat er sechs Vögel abgeschossen, und bis heute ist dort Ruhe. Von ursprünglich bis zu 100 Tieren ist jetzt noch mal eines da, mal sind es zwei oder auch vier, aber das sind unproblematische Dimensionen. Ein ähnliches Problem hatte die Stadt Koblenz mit Nil- und Kanadagänsen in ihrem Freibad Oberwerth. Der Einsatz von Drohnen hat die Vögel nicht dauerhaft vertrieben, sodass auch dort schließlich die Büchse zum Einsatz kam.

Spezielle Vorsichtsmaßnahmen werden getroffen

Seidemann hat die Intelligenz der Tiere ausgenutzt: Die letale Vergrämung, so der Fachbegriff für das Abschießen, hatten die Vögel sofort verinnerlicht. „Nach zwei Schuss war das Schwimmbad leer“, sagt der Jäger. Danach hat es schon ausgereicht, wenn er in seiner türkisfarbenen Jacke aus dem Auto gestiegen oder über das Gelände gestreift ist. Türkis deshalb, weil dies die Farbe der Berufsbekleidung des Badepark-Personals ist. Seit den ersten Abschüssen verbinden die intelligenten Vögel die Farbe mit Gefahr.

Siedlungsgebiete sind laut Jagdrecht befriedete Bezirke, bestätigt Seidemann. Mit Ausnahmegenehmigung könne aber auch dort geschossen werden. Voraussetzung sei, dass man das Gelände sorgfältig erkunde, einen Platz finde, von dem aus man schießen könne und dass man aus einer Vielzahl von Möglichkeiten die richtige Munition auswähle. Das könne mit einer kleinen Kugel oder mit schwachem Schrot erfolgen. Im Brentanobad hat Seidemann nach eigenen Angaben vom Wachturm für Bademeister herunter geschossen, sodass auch eine Kugel, die ihr Ziel verfehlt hätte, in den Boden gegangen wäre. Und natürlich hatte er erst nach Schließung des Bades zur Waffe gegriffen.

Einerseits Jäger, andererseits Heger

„Man muss sich aber auch Gedanken machen, wo die Vögel hin können“, sagt Seidemann. Dazu bedürfe es einer wildökologischen Raumplanung, die den vertriebenen Tieren Lebensräume in der Nähe belässt – so wie das in Landau mit Ersatzbäumen beispielsweise in den Reiterwiesen auch vorgesehen ist.

Übrigens: Seidemann versteht sich als Jäger und Heger: Er hat im Rheinhessischen ein 800 Hektar großes Feldrevier, in dem er 17 Hektar mit Wildkräutern und Blühpflanzen eingesät hat. „Ich hab da Hamster und Rebhühner drin. Wo gibt es das sonst noch?“, fragt er.

 

Info

Axel Seidemann informiert im Internet in seinem Blog www.natur-jagd.de

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