Schließen x

Anmelden

»Registrieren     »Passwort vergessen

Mittwoch, 05. September 2018 Drucken

Landau

Landau: Deutschlands erste Dr.-Who-Telefonzelle

von Charlotte Ebel

Markus Dotterweich auf den Spuren von „Dr. Who“. Der Tardis-Bücherschrank steht jedem offen.

Markus Dotterweich auf den Spuren von „Dr. Who“. Der Tardis-Bücherschrank steht jedem offen. (Foto: Van)

Markus Dotterweich auf den Spuren von „Dr. Who“. Der Tardis-Bücherschrank steht jedem offen.

Markus Dotterweich auf den Spuren von „Dr. Who“. Der Tardis-Bücherschrank steht jedem offen. (Foto: Van)

Der Tardis-Bücherschrank steht jedem offen.

Der Tardis-Bücherschrank steht jedem offen. (Foto: Van)

Die beschauliche Paul-Münch-Straße in Landau könnte zum Wallfahrtsort für Fans von „Dr. Who“ werden. Im Internet ist sie das schon. Denn der Held der Science-Fiction-Kult-Serie reist in einer Telefonzelle. Eine solche steht jetzt bei Dotterweichs in Landau – der erste Tardis-Bücherschrank Deutschlands.

Ein knallblauer Bücherschrank auf einem Privatgrundstück in Landau sorgt für Furore: Nach Bakersfield, Macon, Slidell, Kenmore, Minneapolis und Indiana in den USA kann jetzt auch Landau eine Tardis-Bücherbox vorweisen. Markus Dotterweich hat vor sein Einfamilienhaus eine „little free library“ (kleine kostenlose Bibliothek) gebaut, die zum öffentlichen Tauschen und Leihen von Büchern einlädt. Mit dieser „Zeit-Raum-Maschine“ katapultiert der Hausherr Landau in eine neue Dimension.

 

Der promovierte Geoökologe ist eigentlich gar nicht „so die Bücherleseratte“, aber er und seine Frau sind Fans der Science-Fiction-Kult-Serie „Dr. Who“, in der Polizeinotrufzellen eine wichtige Rolle spielen. Sie werden Tardis genannt, was für „time and relative dimension(s) in space“ („Zeit und relative Dimensionen im Raum“) steht, und haben die Eigenschaft, viel größer zu sein, als ihre äußere Erscheinung vermuten lässt. Außerdem kann eine Tardis sich ihrer Umgebung anpassen. Die „Zeit-Raum-Maschinen“ dienen dem Zeitreisenden in der Serie, der nur als „der Doktor“ bezeichnet wird, als Reisemittel.

Google Maps zeigt die Landauer Tardis bereits an

 

Wenn er gerade mal nicht für einen ungeplanten Hype sorgt, ist Dotterweich Dozent am Weincampus Neustadt oder in einem Umweltberatungsunternehmen sowie für eine Stiftung tätig. Kaum zehn Tage in Betrieb, hat der Tüftler mit seinem Nachbau vor allem in den sozialen Netzwerken auch internationale Aufmerksamkeit erregt. Dr.-Who-Fans horchen auf. Google Maps zeigt die Landauer Tardis mit einer kleinen Lampe auf dem Dach bereits an.

Das Objekt steht in einer zirka einen Meter breiten Lücke des komplett mit wildem Wein begrünten Zauns und ersetzt ein bisheriges Gartentor. Da die Holzkiste mit ihrer Grundfläche von einem Quadratmeter viel Platz bietet, gestaltete Dotterweich die Seite zum Gehweg hin als Bücherschrank. Im hinteren, durch eine Holzwand abgetrennten Teil stehen nun seine Gartengeräte. Der 48-Jährige hatte ursprünglich einen Schuppen im Stil einer britischen Polizeinotrufzelle aus den 60er-Jahren geplant. Doch „das Ding wurde so cool, dass es schade ist, wenn das niemand sieht“, sagt der Familienvater schmunzelnd. „Meine Frau hat ein bisschen Panik, dass da jetzt täglich die großen Aufläufe vor der Tür stehen.“

"Ich habe das noch nie erlebt"

Diese Befürchtung scheint berechtigt zu sein, wenn man die enorme, auch internationale Resonanz betrachtet: Dr.- Who-Fans, Geo-Cacher, Book-Crosser und Nachbarn sind begeistert und rennen ihm quasi die Tardis ein. „Ich habe das noch nie erlebt, bei meinen ganzen Projekten nicht“, sagt Dotterweich. Drei Monate hat die Umsetzung gedauert. Eine Bauanleitung aus den USA diente als Grundlage. Diverse Baumarktbesuche und eine Investition von 600 Euro waren nötig. Jetzt erntet der Umweltberater viele Lorbeeren für sein Objekt. Der mit Bootslack stilecht blau gestrichene Bücherschrank ist viel größer, als er von außen vermuten lässt – auch das Projekt ist größer geworden, als Dotterweich ahnen konnte. Schon in der ersten Woche kamen Besucher, darunter auch Österreicher, und trugen sich begeistert ins Gästebuch der Bücherzelle ein. Anfragen aus Frankreich, Feedback aus den USA, Buchsendungen, die in die Tardis aufgenommen werden sollen – die Resonanz ist überwältigend. Dotterweich musste den Briefkasten mit einem Sticker versehen („Tardis-Bücherbox“), damit der Postbote Bescheid weiß.

Eigene Facebook-Seite

Die Tardis hat eine eigene Facebook-Seite und weist nach der ersten Woche 50.000 Impressionen auf, das heißt, so viele Male wurde seine Seite in irgendeiner Art und Weise im Internet zur Kenntnis genommen. 3000 Menschen haben sich bereits die Beiträge dazu angesehen. Einen „candy shower“ gibt es aus der Dr.-Who-Fangemeinde. Das ist: „ganz viel Lob und Herzchen“ auf der Homepage, erklärt Dotterweich, der über große Social-Media-Expertise verfügt. Die Tardis ist eingebunden in die Book-Crossing-Community, in der Menschen Bücher mit anderen über öffentliche Bücherschränke teilen, die Werke zuvor online registrieren und deren Weg dann im Internet verfolgen können. Dort ist es auch möglich, Rezensionen abzugeben, sich kennenzulernen und über die Werke auszutauschen. Geo-Cacher sind ebenfalls an der Landauer Tardis interessiert. Sie veranstalten analoge Schnitzeljagden oder Schatzsuchen, mithilfe von Koordinaten, die im Internet veröffentlicht sind.

Andere scheitern oft an Fragen zur Baugenehmigung

GPS-Empfänger von Smartphones werden genutzt, um an öffentlichen Plätzen versteckte Gegenstände in der analogen Welt zu finden. Dotterweichs Tardis bewirbt sich als Geocach-Standort. Noch ist unklar, ob sie akzeptiert wird. Die Probleme, die jemand hat, wenn er einen öffentlichen Bücherschrank verwirklichen möchte, kennt Dotterweich. Er hat sie geschickt umgehen können, weil er auf seinem Privatgrund gebaut hat. Andere scheitern oft an Fragen zur Baugenehmigung, Haftung und Co, wie der 48-Jährige weiß. Dotterweichs Erfolgsgeschichte lässt sich wohl am besten mit diesem Spruch beschreiben: „Alle sagten, das geht nicht. Und dann kam einer, der wusste das nicht und hat es dann einfach gemacht.“

Der neue Messenger Service



Südpfalz-Ticker