Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Kreis Germersheim: Kreistag soll Bau eines Lehrschwimmbades prüfen

Versäumtes nachholen: Die Realschule plus in Kandel bot im Sommer ihren Schülern Schwimmkurse an.
Versäumtes nachholen: Die Realschule plus in Kandel bot im Sommer ihren Schülern Schwimmkurse an. Foto: van

Nahezu 40 Prozent der Grundschulkinder im Landkreis können nicht oder nur schlecht schwimmen. Das hat eine Umfrage im Auftrag der Kreisverwaltung ergeben. Im Winter stehen derzeit nur Schwimmbecken in Lingenfeld, Germersheim und Wörth zur Verfügung. Parteien regen deshalb den Bau einer Traglufthalle oder gleich eines ganzes Bades an.

Das Fazit klingt drastisch: Die Studie zeige „eindeutig, dass das schulische Ziel, Kindern im Grundschulalter Schwimmen beizubringen, deutlich verfehlt wird.“ Das schreibt Landrat Fritz Brechtel (CDU) in einer Reaktion auf eine Studie, die der Landkreis Germersheim selbst in Auftrag gegeben hat. Das Institut für Sportwissenschaften der Universität Koblenz-Landau hat dafür die Schwimmfähigkeit der Kinder im Kreis untersucht. 251 Grundschüler, die an unterschiedlichen Schulen die Klassenstufen 2 bis 4 besuchen, wurden näher betrachtet.

Rund 60 Prozent „Schwimmer“

Neben der individuellen Beurteilung der Schwimmfähigkeit der Kinder wurde den Eltern ein Fragebogen ausgeteilt und ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen, dass 39 Prozent der Kinder als Nichtschwimmer (24 Prozent) oder Halbschwimmer (15 Prozent) einzustufen sind. Allerdings sagt die Studie auch: Rund 60 Prozent der Kinder können mindestens 200 Meter in maximal 15 Minuten zielgerichtet schwimmen und erfüllen damit die Anforderungen für das „Seepferdchen“. Diese Kinder werden somit als Schwimmer eingestuft.

Ziel sei es gewesen, belastbare Daten zur Situation im Landkreis Germersheim zu erhalten, heißt es in einer Pressemitteilung des Kreises. Dies solle nur ein erster Schritt sein, schreibt Brechtel an die Fraktionsvorsitzenden des Kreistages sowie an Vertreter des Bildungsministeriums und der Aufsichts- und Dienstleistungsbehörde (ADD).

Im Winter nur drei Lehrbecken

Ein Problem sei der fehlende Schwimmunterricht an den Schulen, räumt die Kreisverwaltung auf Anfrage der RHEINPFALZ ein. Dabei gebe es „ganz unterschiedliche Faktoren“: Ein geeignetes Schwimmbad muss in einem „annehmbaren Umkreis liegen“ und mit 15 Minuten Busfahrt erreichbar sein.

Schließlich geht es auch um den sogenannten Nettoschwimmunterricht, also die Zeit, die die Schüler tatsächlich im Wasser verbringen. Im Winter gibt es nur noch die Lehrschwimmbecken in Lingenfeld, Germersheim und Wörth, die sich jeweils am Rande des Landkreises befinden. Im Sommer könnten außerdem die Schwimmbäder in Bellheim, Wörth und Kandel genutzt werden.

Schule muss Unterricht wollen

Außerdem müssen ausreichend Schwimmlehrkräfte mit entsprechender Unterrichtserlaubnis an den Schulen vorhanden sein. Gleichzeitig nennt der Kreis noch weitere kritische Faktoren: „Der Wille der Schulen im Sportunterricht Schwimmen anbieten zu wollen“ und die Kenntnis über die Organisations- und Finanzierungsmöglichkeiten sowie die Kosten für den Bustransport.

Schwimmen sei eine grundlegende Fähigkeit, um die Sicherheit der Kinder zu erhöhen, so Brechtel. Insbesondere in einem Landkreis wie dem Kreis Germersheim, der über zahlreiche Wasserflächen verfüge. Die Studie sei also ein erster Schritt gewesen, auf den weitere folgen sollen. Brechtel und Schuldezernent Christoph Buttweiler (CDU) wollen nun mit Vertretern des Bildungsministeriums und der ADD sprechen. Das Thema soll auch in Kreisausschuss und Kreistag bald beraten werden.

„Bau eines neuen Bades prüfen“

Von den Fraktionen CDU, Bündnis 90 / Die Grünen und FWG im Kreistag gibt es inzwischen einen Prüfantrag. Die Kreisverwaltung soll die technischen Möglichkeiten und Kosten, auch Folgekosten, für die Schwimmstätten aufzeigen, dazu jeweils der erforderliche zeitliche und finanzielle Aufwand für den Transport. „Die Alternativen sollen gegenübergestellt werden, beziffert auch mit Gesamtkosten“, schreiben die Fraktionsvorsitzenden Martin Brandl (CDU), Ursula Radwan (Grüne) und Reiner Hör (FWG).

Der Bedarf an Becken soll zunächst ermittelt werden. Dann solle darüber nachgedacht werden, wie die Freibäder ganzjährig nutzbar gemacht werden können, zum Beispiel über eine Traglufthalle. Auch die Möglichkeit des Schwimmunterrichts im Freibad oder „der Bau eines neuen Lehrschwimmbades“ sollen geprüft werden, fordern die drei Fraktionen. Neue Organisationsformen des Schwimmunterrichts sollten nicht von vornherein ausgeschlossen werden.

Die FDP im Kreistag spricht sich für den Bau eines Kreisbades und eine Standortanalyse aus. Das Bad soll „im Rahmen eines überkommunalen Finanzierungskonzept“ verwirklicht werden. Das frühere Hallenbad „Moby Dick“ in Rülzheim sei wegen der vorhandenen Verkehrsinfrastruktur ein möglicher und geeigneter Standort. Den Antrag möchten die Freien Demokraten in der Dezember-Sitzung des Kreistags einbringen.

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