Schließen x

Anmelden

»Registrieren     »Passwort vergessen

Freitag, 27. April 2018 Drucken

Kreis Germersheim

Kreis Germersheim: Ärztinnen fürchten um "Leib und Leben"

Auch wenn der Grund sich als harmlos herausstellt: Ein nächtlicher Arztbesuch ist immer eine angespannte Situation. (Foto: van)

Alle 45 niedergelassenen Haus- und Fachärztinnen haben einen Brandbrief an die Kassenärztliche Vereinigung unterschrieben. Anlass sind die Bedingungen, unter denen sie in der Bereitschaftszentrale Germersheim ihren Dienst leisten müssen. Mittlerweile zahlen sie für Vertretungen lieber bis zu 1000 Euro – für 13 Stunden Dienst.

„Wir Ärztinnen sind mittlerweile in Angst um unser Leib und Leben – oder würde man Frau/Mutter/Tochter nachts alleine in fremde Wohnungen schicken nach eventuell vorab fingiertem Notruf?“ – In dieser rhetorischen Frage gipfelt ein Schreiben aller Ärztinnen im Kreis Germersheim. Sie müssen regelmäßig Dienste in der Bereitschaftsdienstzentrale Germersheim leisten. Und dort steht ein Fahrdienst nur bis 19 Uhr zur Verfügung.

Hausbesuche ohne Begleiter

 

Das bedeutet: Trotz zunehmender Aggressionen gegenüber Helfern müssen die Ärztinnen Hausbesuche ohne Begleiter oder Zeugen erledigen. „Wie hinlänglich bekannt ist, gilt Germersheim als Brennpunkt, da es in der Stadt Bezirke gibt, wo selbst andere Helfer nur mit zusätzlichem Schutz hingehen“, heißt es in dem Schreiben.

 

 

Die Ärztinnen fordern für ihre Sicherheit rund um die Uhr einen Fahrer mit medizinischer Ausbildung, beispielsweise einen Sanitäter. Der Fahrer sollte die Ärztin in die Wohnung begleiten und bei der Versorgung des Patienten assistieren. „Bei Gefahr kann der Fahrer auch einen Notruf absetzen und hinterher als Zeuge fungieren“, so die Frauen. Die Bereitschaftszentralen in Landau und im Nordbadischen würden dies so handhaben. Auch in Kandel sei dies früher der Fall gewesen.

Kollegen 1000 Euro geboten

„Wegen der unangenehmen Arbeitsbedingungen in der Bereitschaftszentrale Germersheim werden Kollegen zur Übernahme von Diensten bis zu 1000 Euro angeboten. Diese Tatsache sagt schon alles über die Zentrale Germersheim im Vergleich zu anderen aus“, heißt es in dem Schreiben.

Die Zustände seien sogar eine Gefahr für die künftige ärztliche Versorgung im Kreis Germersheim, argumentieren die Ärztinnen: „In den nächsten Jahren werden viele Praxen aus Altersgründen abgegeben werden. Die Hausarztmedizin wird zunehmend weiblich. Angesichts der Gefahren im Notdienst in seiner jetzigen Struktur werden noch weniger Hausarztpraxen einen Nachfolger beziehungsweise eine Nachfolgerin finden. Auch den Facharztpraxen wird es da nicht besser ergehen.“

„Wir haben Verständnis für das Anliegen der Ärzte in der Bereitschaftsregion Germersheim und arbeiten schon seit längerem an einer übergreifenden Lösung“, teilt die Kassenärztliche Vereinigung zur Beschwerde der Ärztinnen mit. Die Kassenärztliche Vereinigung werde den Sachverhalt genau prüfen und anschließend dazu Stellung nehmen. (lap)

Der neue Messenger Service



Südpfalz-Ticker