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Donnerstag, 05. Juli 2018 Drucken

Landau

Kommt es aus der Erde?

Von Sebastian Böckmann

Der Brummton ist Anfang Juni von der Gewerbeaufsicht nachgewiesen worden.

Der Brummton ist Anfang Juni von der Gewerbeaufsicht nachgewiesen worden. ( Archivfoto: Iversen)

Der Brummton in Mörlheim ist inzwischen auch tagsüber zu hören. Die Ursache ist noch unbekannt, es gibt aber einen neuen Verdacht.

Bei Claus Hund aus Mörlheim liegen inzwischen die Nerven blank: Der Mann aus der Straße In den Thoräckern und etliche weitere Mörlheimer leiden unter einem mysteriösen Brummgeräusch tiefer Frequenz. Anfangs war es nur nachts, inzwischen ist aber auch tagsüber zu hören. Hund wird nicht nur um den Schlaf gebracht, sondern kann sich auch tagsüber oft kaum noch konzentrieren. „Ich habe gedacht, ich komm’ locker drüber weg, aber meine Nerven sind jetzt nicht mehr ganz so...“ Wenn er ein Buch lesen will, muss er das Radio einschalten oder über Kopfhörer Musik hören, um das tieffrequente Brummen zu übertönen.

Weitere Messungen Ende August

 

Am 6. Juni war die Gewerbeaufsicht der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd in Neustadt vor Ort. Deren Vertreter hat das Geräusch selbst gehört und auch per Messung nachgewiesen, doch zur weiteren Erforschung muss das Landesamt für Umweltschutz und Gewerbeaufsicht ran, das sich für August zu weiteren Messungen angekündigt hat. Ende August werde das erst sein, betont Hund, also erst zehn Wochen nach dem ersten Behördeneinsatz. Das ist ihm zu spät, denn er leide seit einigen Tagen an einer Entzündung des rechten Ohres, was die Situation für ihn besonders schwer erträglich mache. Zudem werde bei diesem Termin wohl nur die Frequenz ermittelt, aber noch nicht die Quelle des Geräuschs.

Auch der Windpark kommt in Frage

 

Wie berichtet, hatte der Mitarbeiter der Gewerbeaufsicht weder das Mörlheimer Industriegebiet noch den benachbarten Windpark als Ursprung des mysteriösen Geräuschs ausschließen können. Hund verwies gestern auf die Veröffentlichung „Windenergieanlagen – beeinträchtigt Infraschall die Gesundheit?“ zweier bayerischer Landesämter (www.lfu.bayern.de/buerger/doc/ uw_117_windkraftanlagen_infraschall_gesundheit.pdf). Darin heißt es, dass Windräder zwar Infraschall erzeugen, aber in der Regel nicht im Bereich dessen, was Menschen wahrnehmen können.

... oder die Erdwärmekraftwerke?

 

Inzwischen hat Hund einen neuen Verdacht, „eine reine Vermutung, die ich nicht belegen kann“. Nach seinen Angaben empfinden andere Leidensgenossen das tieftonige Brummen so, als ob es aus der Erde käme. Das werfe die Frage auf, ob die Erdwärmekraftwerke von Insheim oder Landau dafür verantwortlich sein könnten. Deren Reinjektionsbohrungen, durch die das Thermalwasser zurück in den Untergrund gepumpt wird, befänden sich in der Nähe Mörlheims. Zudem glaubt Hund, dass das erste Brummen in etwa mit dem Wiederanfahren des Landauer Kraftwerks Ende vergangenen Jahres zusammenfällt.

Nähe ist allerdings relativ: Beim Landauer Geothermiekraftwerk liegt die Reinjektionsbohrung am Rande des Ebenbergs, beim Insheimer ist sie noch deutlich weiter von Mörlheim entfernt.

Daldrup hat noch nicht geantwortet

 

Die RHEINPFALZ hat gestern Nachmittag das Landesamt für Geologie und Bergbau in Mainz sowie die beiden Betreiberfirmen der Geothermiekraftwerke, Daldrup und die Pfalzwerke, um eine Einschätzung gebeten, ob der Brummton von den Kraftwerken herrühren konnte. Die Pfalzwerke geofuture GmbH schließt dies aus. Es habe keinerlei Änderungen im Betrieb des Kraftwerks gegeben, die als Ursache für ein solches Phänomen in Frage kommen könnten. Zudem befinde sich das Insheimer Kraftwerk rund vier Kilometer Luftlinie vom Ortskern Mörlheim entfernt und aus näher liegenden Bereichen „sind uns keine Wahrnehmungen dieses Brummtons bekannt“. Die beiden anderen Antworten stehen noch aus.

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