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Mittwoch, 10. Januar 2018 Drucken

Landau: Kultur Regional

Kleine Orgel mit großem Ausdruck

Bernhard Leonardy erfreut in der Kirche in Schweigen mit Werken der Romantik

Von Fritz Limbacher

Zum festlichen Neujahrskonzert hatte die Protestantische Kirchengemeinde Schweigen in die mittelalterliche Kirche Schweigen eingeladen. Unter dem Motto „Winternächtges Schweigen hüllet rings die Fluren, Wald und Feld“ spielte der Organist Bernhard Leonardy, Basilikakantor in Saarbrücken und Leiter der Internationalen Musikfestspiele Saar, Werke der Romantik. Dies an der relativ kleinen und doch, wie das Konzert zeigte, durchaus leistungsfähigen Orgel mit ihrem wunderbaren Barockprospekt.

Nach einer kurzen, sehr humorvollen Einführung in das Musikprogramm startete Bernhard Leonardy mit Padre Davide da Bergamos „Sinfonia in D-Dur für Orgel“, das er sehr konzertant, mit viel Freude, fast springend und hüpfend und großem Impuls spielte, in das Konzert. Das Musikstück, spritzig vom Organisten dargeboten, erinnerte mit seinen vielfältigen Elementen der Lebensfreude ein wenig an eine Rossini-Oper. Hier zeigte der Künstler sich in seinem Spiel an der Königin der Instrumente sehr facettenreich, von tänzerisch beschwingt und leicht bis hin zu sanfter Melancholie, technisch versiert, dennoch sensibel und von großer Musikalität.

Sehr gelungen auch Herrmann Sonnets „Die Weihnachtsglocken“, eigentlich ein Lied für Männerchor, mit angemessener Emotion und Melodik an der Orgel dargestellt. Besonders schön die darin verarbeiteten Phasen des Liedes „Stille Nacht“.

Ein Höhepunkt des Konzerts war ohne Zweifel Edvard Griegs weltbekannte „Peer Gynt Suite Nr. “. Fast ein Ohrwurm, vielfach Begleit- oder Untermalungsmusik zu Filmszenen, geriet sie in der Orgelinterpretation Bernhard Leonardys gewissermaßen zu einem visuell-konkreten Erlebnis. In den Sätzen „Morgendämmerung“, „Ases Tod“ oder „Anitras Tanz“ erweckte die Musik erst gekonnt das Empfinden, als würde Morgennebel aufsteigen. Sanft dahinströmend die Klänge zum erwachenden Tag und dramatisch und machtvoll der Ausdruck des Todes.

Hervorragend, wie Leonardy die Landschaften musikalisch skizzierte und anschaulich machte oder in die Mentalität und Gefühlswelten der Nordländer zu schlüpfen vermag und sie an der Orgel dem Zuhörer erfahrbar machte.

Ähnliches gilt für Antonin Dvoraks „Largo aus der Sinfonie aus der Neuen Welt“ und Jean Sibelius „Finlandia“ , wo die bestechende Musikalität des Organisten die Bandbreite der finnischen Natur, mit ihren Seen, Wäldern, Fjorden und schroffen Bergen dem Besucher deutlich werden ließ.

Ein humorvolles „Schmankerl“ war der „Radetzky-Marsch“ von Johann Strauß, virtuos und mit großem musikalischen Vermögen und Witz an der Orgel dargeboten, und das Publikum klatschte gerne mit. Leonardys freie Interpretation zu dem englischen Weihnachtslied „Adeste fideles“ reichte von schwungvoll fließenden bis hin zum mächtigen, ja fast monumentalen Orgelklang.

Mit Beethovens gemeinsam gesungener „Hymne an die Freude“ endete ein in der Tat glanzvolles, Freude verbreitendes Orgelkonzert. Mit großem Beifall dankten die Konzertbesucher in der gut besetzten Schweigener Kirche dem Organisten für ein exzellentes Konzert, und natürlich war die Zugabe ein unbedingtes und gerne gewährtes Muss an diesem beglückenden Konzertabend.

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