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Dienstag, 04. Juni 2019 Drucken

Kreis Südliche Weinstrasse

Kapellen-Drusweiler: Wie Beate Westermann zum Model für einen Tag wurde

Von Rebecca Singer

Fesch: Beate Westermann hat es mit neuem Look in die „Tina“ geschafft. Foto: van

Fesch: Beate Westermann hat es mit neuem Look in die „Tina“ geschafft. Foto: van

Beate Westermann aus Kapellen-Drusweiler hat einen Tag lang das Model-Leben kennengelernt. Für eine Vorher-Nachher-Typberatung fuhr sie nach Hamburg zur Frauenzeitschrift „Tina“. Mit ihrem neuen Look haben Familie und Freunde sie erst nicht wiedererkannt – und waren dann zu Tränen gerührt.

„Seit ich 14 bin, habe ich lange Haare. Meine Freunde und Familie haben immer wieder gesagt, ich sollte mal was verändern“, erinnert sich Beate Westermann. „Aus Jux habe ich mich einfach bei der Zeitschrift ,Tina’ für eine Vorher-Nachher-Beratung beworben.“ Als dann zwei Jahre später der Anruf aus Hamburg kam, glaubte die 60-Jährige zunächst nicht, dass wirklich jemand von „Tina“ am Telefon war. Erst die folgende E-Mail mit der Einladung überzeugte sie. „Ich sollte ein paar Terminvorschläge machen“, erzählt Westermann. Am 24. September 2018 fuhr sie schließlich mit ihrem Mann Volker nach Hamburg. 

Tränen vor Begeisterung

Da beide Hamburg-Fans sind, ließen sie sich die Gelegenheit für einen Kurzurlaub nicht entgehen. Am Shooting-Tag wurden sie morgens um 8 Uhr an ihrem Hotel abgeholt, um sich mit dem Redaktionsteam zum Frühstück zu treffen. „Als wir im Studio angekommen sind, hat mich der Verantwortliche fürs Make-up von oben bis unten gemustert“, sagt Westermann. „Haare kurz oder lang: Ich war da offen für alles“, erinnert sie sich. Nach dem Vorher-Foto ging es zum Friseur. Kurz geschnitten wurden die Haare allerdings nicht – zur Erleichterung ihres Mannes. Sie wurden gestuft, geglättet und ihnen ein „XL-Pony“ verpasst. Mit Make-up, neuer Frisur und neuem Outfit begeisterte die Pfälzerin so sehr, dass ihrem Mann sogar die Tränen kamen. „Ich war auch begeistert. Nur die Augenbrauen haben mir nicht so gefallen“, erzählt sie. Ihr Sohn Nico war gerade in der Nähe von Hamburg und kam ebenfalls ins Fotostudio – auch er war überrascht. „Noch erstaunter war mein Bruder, als ich ihm später die Fotos geschickt habe. Er hat erstmal gefragt, ob das eine Bekannte aus Hamburg ist“, sagt Westermann.

Vor dem Shooting hatte die Moderedaktion nach Westermanns Lieblingsfarben und ihrer Größe gefragt. Outfits in Braun- und dunklen Grüntönen wurden ausgesucht und bis abends wurde fotografiert. „Da haben mir am Ende die Gesichtszüge wehgetan, ich konnte schon fast nicht mehr lachen“, erinnert sich Westermann. Über 800 Fotos erhielt sie später auf einem USB-Stick. Obwohl ihr die Outfits gut gefallen haben, durfte sie sie nicht behalten. „Da waren noch die Preisschilder dran, die wurden vermutlich danach zurückgegeben“, erzählt sie. Nach dem Shooting hat sie sich allerdings ähnliche Kleider gekauft, einen Trenchcoat zum Beispiel und Jacken im „Leolook“. Haarspray, Cremes und Lippenstift im Wert von 150 Euro durfte sie aber mit nach Hause nehmen.

Veränderung zum 60. Geburtstag

Ihre Typveränderung hat Westermann auch selbst ein bisschen verändert: „Das hat mich irgendwie aufgebaut und mir mehr Schwung und Selbstbewusstsein gegeben“, erzählt sie. Nach ihrem 60. Geburtstag wollte sie noch einmal eine Veränderung, auch weil sie derzeit mit einer schweren Nierenkrankheit kämpft: „Es kann sein, dass so etwas für mich bald nicht mehr möglich ist. Dreimal pro Woche zur Dialyse zu müssen, das wird hart.“ Sie versuche aber, den Rat der Moderedakteure zu befolgen: Spontan und offen für Neues sein und sich nicht zu sehr von anderen beeinflussen lassen. „Noch einmal so eine schöne Erfahrung machen zu dürfen – das war wirklich toll“, freut sich die 60-Jährige.

Wenn sie gerade nicht für eine Zeitschrift modelt, arbeitet Westermann im Kindergarten und im eigenen Weingut. Kürzlich wurde sie nach 26 Jahren im Kindergarten in Kapellen-Drusweiler verabschiedet. „Die Arbeit dort hat mir immer gefallen. Ich fahre aber auch sehr gern mit dem Traktor herum und auch zu Hause mache ich viel: vom Blumenpflanzen bis zum Verputzen der Wände“, erzählt sie. Als Gemeindedienerin ist sie in ihrem Dorf außerdem für den Blumenschmuck verantwortlich. In ihrer Freizeit geht sie gern schwimmen, fährt Fahrrad und geht jeden Tag mit dem Hund spazieren.

Seit 35 Jahren wohnt Westermann schon in Kapellen-Drusweiler, davor lebte sie in Landau. „Ich liebe ja Landau. Aber mit den Kindern war es auf dem Dorf immer schön.“ Ihr 29-jähriger Sohn Nico und die 32-jährige Tochter Julia sind längst ausgezogen. „Nico hat auch schon eigene Modelerfahrungen gemacht“, sagt Westermann. Gemeinsam mit seiner Freundin hat er bei einer Werbung für Outdoor-Kleidung mitgemacht. |sinr

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