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Mittwoch, 15. Mai 2019 Drucken

Kreis Germersheim

„Heute ist Europa bei uns zu Gast!“

Kinderreporter berichten: Europa steht seit geraumer Zeit enorm in der Kritik. Befürworter nahmen das jetzt zum Anlass, auf die positiven Aspekte der Staatengemeinschaft hinzuweisen. So gab es zum Beispiel am Goethe-Gymnasium in Germersheim einen Festakt.

Von Ralib-Victor Alyase

Europäische Union. Viele, die diese beiden Worte lesen oder hören, verbinden sie mit Frieden und Sicherheit. Doch seit einiger Zeit werden immer mehr kritische Stimmen laut, welche den Existenzgrund beziehungsweise einzelne Bestandteile dieses Staatenbündnisses anzweifeln. Wahrscheinlich auch deshalb und wegen der bevorstehenden Europaparlamentswahl am 26. Mai, wurde am vergangenen Donnerstag in Germersheim ein Festtakt für die EU organisiert. Auch in anderen Städten gab es solche Aktionen. Die ,,Trilogie am Europatag“ begann im Goethe-Gymnasium gegen 17 Uhr mit einer Vernissage, also der Eröffnung einer Kunstausstellung noch lebender Künstler. Dazu spielten und sangen das Schulorchester und der -chor die Europahymne. Bemerkenswert fand ich, dass fast alle Besucher dazu aufstanden.

Schulleiterin Ariane Ball begrüßte die Delegationen aus Polen und sagte, dass die EU die beste Möglichkeit ist, die internationale Zusammenarbeit zu stärken und sogar aus Feinden Freunde machen könne. Es sei ihr, Balls Ziel, dies den Schülern im Unterricht aufzuzeigen.

Nach einem Musikstück des Orchesters blickte Germersheims Bürgermeister Marcus Schaile einen Blick in die Geschichte und erzählte von den Anfängen der EU. Dabei hob er oftmals hervor, dass Germersheim seit „der ersten Stunde“ der Partnerschaften mit Tournus in Frankreich und Zalaszentgrót in Ungarn diese gelebt habe. Gerade der Exkurs mit Frankreich war im sehr wichtig, denn er möchte eine Französisch AG an der Grundschule einführen. Außerdem wolle er das Interesse daran wecken, Europa zu leben beziehungsweise zu erleben. Herr Schaile begrüßte unter anderem Piotr Baráczak, der als dreifacher Weltmeister in seinem Fach mit Stroh Kunst erschaffe. Von ihm war zu erfahren, dass einige Kunstwerke schon auf verschiedene Orte in Germersheim, zum Beispiel die Stadtbibliothek oder die Zweigstelle der Stadtwerke verteilt worden seien. Die anderen sollen folgen und die nächsten zwei Wochen zu besichtigen sein.

Nach einem Musikstück des Saxophon-Ensembles des Goethe-Gymnasiums konnten die Kunstwerke besichtigt werden. Zeitgleich begannen die Zwölftklässler kleine Snacks in Körbchen auf die vorher aufgestellten Stehtische zu platzieren und Getränke auszuteilen. Ausgestellt waren künstlerische Kreationen des Europawettbewerbs, Fotografien, Gemälde und Strohkunst.

Nach einiger Zeit interviewte ich Sonja Häußler vom Verein Interkultur. Ihr gefielen besonders die Tierkonferenzenbilder aus Polen, bei denen man durch die parlamentsähnliche Situation einen Bezug zur EU erkennen könne. Sie empfinde diese „Trilogie am Europatag“ als sehr wichtig beziehungsweise schön. Frau Häußler sagte, dass sie an der Europawahl teilnehmen wird. Sie sei mit dem Staatenbund zwar sehr zufrieden, wünsche sich aber, dass dieser weniger als Wirtschaftsgemeinschaft erscheine, sondern mehr Gewicht auf kulturelle Begegnung legt. Danach unterhielt ich mich mit Achim Seiler, Vorstand der Sparkasse Germersheim, und deren Direktor für Privatkunden, Alois Hellmann. Ihnen gefiel, dass auf diesen Kunstwerken die schönen Seiten der EU gezeigt würden, während doch überall gerade Kritik zu hören sei. Zudem lobten sie die musikalische Darbietung als sehr professionell. Herr Hellmann sagte, dass man der Gesellschaft die Werthaltigkeit der Europäischen Union aufzeigen und immer wieder zu Akzeptanz ihr gegenüber aufrufen müsste. Ich bedankte mich und ging.

Insgesamt fiel mir besonders auf, dass die Veranstaltung sehr einseitig pro EU war, weshalb ich mir für einen darauffolgenden guten Diskurs wünschen würde, darin noch andere Meinungen vertreten zu sehen.

|ravi

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