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Mittwoch, 14. Oktober 2015 Drucken

Landau

Gründergeist weht über Campus

Mit einem Gründungsbüro unterstützt die Uni Landau Studenten mit pfiffigen Ideen – und möchte zugleich am eigenen Image feilen. Dass die Strukturen einer kleineren Hochschule für Gründer ein Vorteil sein können, zeigt das Beispiel von Björn Eichmann, der vor einem Jahr mit Hilfe der Uni die Firma „Sciencefit“ aufgebaut hat. Aber setzen sich gute Ideen nicht von alleine durch?

Von Adrian Hartschuh

 

„Ich glaube eben nicht, dass sich gute Ideen von alleine durchsetzen“, sagt Christoph Müller vom Gründungsbüro der Universität Koblenz-Landau. „Oft braucht es jemanden, der hilft, die Ideen weiterzuentwickeln.“ Seit drei Jahren ist das Gründungsbüro nicht mehr nur in Koblenz, sondern auch in Landau aktiv. Am hiesigen Campus berät der 39-Jährige kreative Studenten, sucht nach jungen Talenten und Ideen.

Denn auch in Landau ist das Gründungsfieber ausgebrochen. Die Uni hat sich auf die Fahnen geschrieben, Existenzgründungen ihrer Doktoranden, Absolventen und Studenten nach Kräften zu fördern – und ist damit nicht allein. In den vergangenen Jahren haben viele Hochschulen den Gründergeist ihrer Studenten entdeckt.

„Natürlich hilft es der Reputation, wenn eine Hochschule als innovativ gilt, wenn sie Gründerpersönlichkeiten hervorbringt“, ist Müller überzeugt. Die Uni Landau verstehe sich schließlich nicht bloß als Einrichtung zur Lehrerausbildung – „da geht es auch darum, Vorurteile abzubauen“.

Eine Lehramtsstudentin habe sich beispielsweise ein System überlegt, wie man Ausländer besser in Sprachkurse integrieren kann. Er wolle jetzt aber nicht aus jedem Lehramtsstudenten einen Gründer machen, versichert Müller. „Mir geht es vielmehr darum, den Geist unternehmerischen Denkens und Handelns einzupflanzen, damit dieser auch in den Schulen besser vermittelt werden kann.“ Zudem könne die Uni wissenschaftlich von Kooperationen mit ihren Startups profitieren. „Es geht auch darum, Erkenntnisse aus der Forschung in die Praxis umzusetzen und Patente anzumelden.“

Cornelia Delp, Referentin im Gründungsbüro Landau, sieht in den Ausgründungen sogar Vorteile für die gesamte Region: „Jede Neugründung ist ja ein potenzieller Arbeitgeber“, sagt die 44-Jährige. Startups seien ein Attraktivitäts- und Wirtschaftsfaktor, ein „Motor für die Beschäftigung“. Kreative Ideen zu fördern, helfe dabei, Studenten und ihr Fachwissen in der Region zu halten.

Rund 160 Beratungsgespräche zu mehr als 50 verschiedenen Ideen hat das Gründungsbüro Koblenz-Landau in den vergangenen zwölf Monaten geführt. Zwar ist nicht jede Idee auch gleich zündend, doch stehen im selben Zeitraum immerhin 18 Neugründungen auf der Habenseite, die Hälfte davon am Campus in Landau. „In Landau gibt es viele Ausgründungen aus den Natur- und Umweltwissenschaften, aber nicht nur“, berichtet Cornelia Delp. „Überall sehen die Leute Bedarf oder haben eine Idee.“ Am häufigsten hätten die Ideen mit Dienstleistungen zu tun. „Da haben wir reagiert und entsprechende Seminare und Kurse ins Angebot aufgenommen.“

Als Dienstleister versteht sich auch das Startup „Sciencefit“ von Björn Eichmann. Der 32-jährige Knittelsheimer hat in Landau Sportwissenschaften studiert. Für seine im Sommer 2014 abgeschlossene Promotion entwarf und erprobte er ein Programm zur Prävention und Therapie von Diabetes durch Sport. „Mir wurde schnell klar, dass ich das Know-how nicht nur zu Studienzwecken nutzen möchte“, schildert der Geschäftsführer. „Ich wollte das professioneller aufziehen.“ Die Idee: Firmen eine betriebliche Gesundheitsförderung ihrer Mitarbeiter auf Grundlage des von ihm entwickelten Diagnose- und Analyseverfahrens anbieten.

„Eigentlich dachte ich, dass die Idee so gut ist, dass sie sich von alleine trägt“, schildert Eichmann. Dennoch wandte er sich an die Uni und ließ sich beraten. „Heute weiß ich, dass die Erfahrung des Gründungsbüros mir ein bis zwei Jahre Zeit gespart hat.“ Denn viele Mitarbeiter des Gründungsbüros haben selbst bereits Unternehmen gegründet. Sie hörten sich seine Idee an, hakten kritisch nach, zeigten Fallstricke auf und halfen beim Auftritt des neuen Unternehmens. „Eine große Herausforderung ist beispielsweise die Präsentation nach außen, da machen viele Fehler. Auch ich hatte das unterschätzt“, gesteht Eichmann. Zudem wäre er ohne die Hilfe des Gründungsbüros an vielen rechtlichen Fragen gescheitert.

Auch eine finanzielle Förderung wäre möglich gewesen. Vor zwei Jahren wurde die Universität vom Bundeswirtschaftsministerium als „Gründerhochschule“ ausgezeichnet – als einzige in Rheinland-Pfalz. Halten die Mitarbeiter des Gründungsbüros eine Idee für tauglich, können sie beim Bund Geld über ein einjähriges Stipendium beantragen. Die Stipendiaten müssen nach fünf Monaten erste Ergebnisse und nach zehn Monaten einen Businessplan vorlegen.

Doch Björn Eichmann hat sich gegen eine Förderung entschieden. „Das war mir alles zu langwierig, ich wollte direkt an den Markt gehen.“ Zudem habe er auf ein Startkapital verzichten können. Denn bislang kommt er ohne feste Mitarbeiter aus, stattdessen helfen ihm Kommilitonen, die Uni stellte die Technik zur Verfügung. „Das ist der Vorteil einer kleinen Uni“, betont Eichmann. „Man kennt und hilft sich.“ Und der Erfolg gibt ihm recht: Einige Unternehmen buchen sein Team bereits für interne Gesundheitstage. Seinen Lebensunterhalt kann er damit zwar noch nicht finanzieren, „aber ich weiß auch gar nicht, ob das mein Ziel ist“, winkt er ab.

Ausbauen möchten Christoph Müller und Cornelia Delp vom Landauer Gründungsbüro den Kontakt zur lokalen Wirtschaft. Noch investiert keine einzige regionale Firma in die Startups. „So weit sind wir noch nicht“, räumt Müller ein. Abhilfe konnten da bislang auch die „Transfertage“ nicht schaffen, die das Gründungsbüro zweimal pro Jahr veranstaltet. Bei den Aktionstagen am Campus soll „unternehmerische Praxis auf universitäre Theorie treffen“ – so zumindest die Idee.

Als Misserfolg will Müller die Zurückhaltung regionaler Firmen dennoch nicht verstanden wissen. „Wir sind hier nicht in den USA“, verweist er auf den dortigen Startup-Boom, der teils kuriose Blüten treibt und besonders in der High-Tech-Branche Symptome einer Spekulationsblase zeigt. „Hier in Landau dürfen Ideen noch langsam wachsen.“

 

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