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Freitag, 19. Oktober 2018 Drucken

Kreis Germersheim

Germersheim: Probleme bei Integration benennen, nicht vertuschen

Von Matthias Dreisigacker

Lauf der Vielfalt am Rhein. Die jährliche Veranstaltung der Cameroonian Community ist ein Beispiel für erfolgreiche Integration in der „Gestalter“-Stadt Germersheim.

Lauf der Vielfalt am Rhein. Die jährliche Veranstaltung der Cameroonian Community ist ein Beispiel für erfolgreiche Integration in der „Gestalter“-Stadt Germersheim. ( Foto: Iversen)

„Germersheim hat das Geld, Integration zu gestalten und die Potenziale zu begreifen.“ Das sagte Kai Unzicker von der Bertelsmann-Stiftung. Er stellte bei der SPD-Veranstaltung „Demokratie und Vielfalt“ im Germersheimer Stadthaus Ergebnisse der Studie „Kulturelle Vielfalt in Städten“ vor, in der auch Germersheim untersucht wurde.

In der Studie „Kulturelle Vielfalt in Städten“ wurden Groß- und Mittelstädte aus West- und Ostdeutschland unterschiedlichen Typen zugeordnet. Germersheim ist hierbei dem Typ „Gestalter“ zugerechnet. Die Stadt hat „einen reichen Erfahrungsschatz im Umgang mit kultureller Vielfalt“. Das sagte Kai Unzicker von der Bertelsmann-Stiftung, der die vor einiger Zeit bereits veröffentlichte Studie (wir berichteten) noch einmal in Kurzform vorstellte.

Laut Studie werde das Zusammenleben trotz Konflikten und „sozialräumlichen Segregationstendenzen (Trennung der Nationalitäten) überwiegend positiv beschrieben“. Unzicker: „Germersheim hat das Geld, Integration zu gestalten und die Potenziale zu begreifen“. Neben Germersheim („Gestalter“) wurde Neubrandenburg als Mittelstadt-Typ „Unerfahren“ angeführt. Beispiele für die Einordnung von Großstädten sind Frankfurt („Magnet“), Stuttgart („Solide“), Bremen („Ambivalent“) und Dresden („Nachholer“). Verfasst haben die Studie Professor Dr. Felicitas Hillmann und Hendrikje Alpermann von der Technischen Universität Berlin und vom Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung (IRS) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung.

Projekt soll Interesse an Kommunalpolitik wecken

Vor rund 50 Besuchern im Bürgersaal präsentierte der Kreisverband der SPD sein neues Konzept „Demokratie und Vielfalt“. Ziya Yüksel, Vorsitzender des Migrationsbeirats im Kreis Germersheim, erläuterte, dass das Projekt „Demokratie und Vielfalt“ gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft „Integration und Vielfalt“ der Kreis-SPD entwickelt wurde, um die drei Säulen Demokratie, Integration und Teilhabe zu stärken. Er stellte hierbei infrage, wieso „wir ständig nur reagieren und erklären müssen, was Demokratie ist“ und forderte, dass „die Politik mehr bieten“ müsse.

Zugleich kritisierte er hinsichtlich der bisherigen Thematisierung von Problemen rund um die Migration: „Es macht keinen Sinn, Dinge zu vertuschen oder Herausforderungen nicht zu benennen.“ Angesichts eines Migrationshintergrundes von 54 Prozent der Germersheimer Bevölkerung „ist es für uns wichtig, dass wir das Thema annehmen“ und „eine gesellschaftliche Rückkopplung“ herstellen.

Mario Daum, Vorsitzender der SPD Wörth, stellte das praxisorientierte Unterrichtsprojekt „Unsere Politik vor Ort“ vor. Mit diesem sollen junge Menschen wieder für die Kommunalpolitik gewonnen werden: „Mir ist es wichtig, dass in der Schule Verständnis für die örtlichen Strukturen hergestellt wird und die Menschen daran teilhaben zu lassen.“ Die meisten von ihnen wüssten „nämlich nicht, was unsere kommunalpolitischen Themen eigentlich sind“. Dabei sei die Gemeinde jener Ort, „wo wir unser eigenes Leben gestalten. Und nicht Berlin!“

Dass der Weg zu „Demokratie und Vielfalt“ selbst für offene politische Gruppen ein weiter sein kann, belegte die anschließende Diskussion. Eine Teilnehmerin, die von Migranten auch eine Bringschuld angemahnt hatte, verließ mit einem stabilen Schließen der Saaltür die Veranstaltung vorzeitig.

 

Info

—Studie „Kulturelle Vielfalt in Städten“, www.bertelsmann-stiftung.de.

— Mehr zum Konzept „Demokratie und Vielfalt“ unter www.spd-kreis-germersheim.de.

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