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Montag, 29. Oktober 2018 Drucken

Landau

Fußgänger als Kraftwerk

Der erste Landauer Macherdaach – oder Machertag – am Samstag in der Süwegahalle war ein voller Erfolg. Tüftler haben ihre Erfindungen vorgestellt, und die Besucher waren schwer beeindruckt. Zum Beispiel von dem Schüler-Versuch, mit Piezo-Bodenplatten Anzeigetafeln an Flughäfen zum Leuchten zu bringen.

Von Charlotte Ebel

Fliegender Papierkorb: Beim Machertag in der Süwegahalle war unter anderem eine große selbstgebaute Drohne im Einsatz zu sehen.

Fliegender Papierkorb: Beim Machertag in der Süwegahalle war unter anderem eine große selbstgebaute Drohne im Einsatz zu sehen. ( Foto: Iversen)

Die Süwegahalle auf dem Alten Messplatz hat etwas von Kuckucksuhr: außen sehr nostalgisch, aber innen vollgestopft mit Technik. Die geht über analoge Mechanik deutlich hinaus. Man betritt eine andere Welt: Kleine Drohnen fliegen durch die Luft, Kinder flitzen mit elektrisch betriebenen Skateboards am Hallenrand entlang, Menschen sitzen hinter ihren selbstgebauten Geräten oder morsen bei den Amateurfunkern vom Landauer Ortsverband des Deutschen Amateur-Radio-Clubs. Sie haben Lötkolben, Joysticks oder Kaffeebecher in der Hand und stehen angeregt im Gespräch an Bistrotischen ebenso wie an selbstgebauten Flippern.

„Wir mussten sogar Ausstellern absagen, weil es nicht genug Standplätze gab“, berichtet Simon Roth, der Vorsitzende von „Freifunk Südpfalz“.

Kai Hauser aus Haßloch baut und vertreibt Elektro-Skateboards und andere Kleinfahrzeuge. Die werden vor Ort mit großer Begeisterung getestet. „Bisher ist die Nutzung nur auf Privatgrundstücken erlaubt. Anfang oder Mitte nächsten Jahres entscheidet sich, ob die Fahrzeuge auch auf Radwegen zugelassen werden“, erklärt Hauser. Aufladbar sind sie über normale Steckdosen.

„Das sieht schon alles cool aus. Ich bin mit meinem Enkel hier, der findet das faszinierend“, sagt Christel Dausch, während der fünfjährige Marlon einer kleinen Drohne hinterherjagt. Axel Lodyga aus Landau stellt seinen Eigenbau vor: Einen 3-D-Drucker, der nur so viel Strom verbraucht wie ein normaler Computer. „Das kleine Display zeigt die Temperatur des Druckkopfes, Koordinaten, den Status des Drucks und die Dauer an“, erläutert der hauptberufliche Web-Entwickler. „Ich gehöre zum Zentrum für Technikkultur in Landau (ZTL), einem Verein, der sich gerade gründet, und wir wollen auf die Szene hier aufmerksam machen“, so Lodyga. Herbert Dressler aus Haßloch hat einen alten Flachbildschirmfernseher als Display, eine Tastatur und einen „Raspberry Pi“ dabei, einen Mini-Computer von der Größe einer EC-Karte. „Ich bin gelernter Volkswirt, kein Techniker, aber ich habe mir einen Rechner zum Basteln gesucht, um im Alter noch etwas mit Technik zu machen“, erzählt der Rentner begeistert. Und er macht viel: Er programmiert in der Programmiersprache Python, betreibt ein Internetcafé für Senioren in Haßloch und besucht regelmäßig den „Linux-User-Group“-Stammtisch in Landau.

Der 13-jährige Phillipp stellt am Stand der Jugend-forscht-Schüler-AG aus Neustadt sein Physikwissen unter Beweis, indem er erklärt, wie aus Bewegungsenergie elektrische Energie erzeugt wird. Dabei hat er Großes im Sinn: „Wir wollen bewirken, dass Kohlekraftwerke und Kernkraftwerke abgeschafft werden.“ Philipp hat mit seinem Projektkollegen Johann eine Piezo-Bodenplatte gebaut, die durch Druck elektrische Energie erzeugt. Die Spannung ist hoch, nicht aber die Stromstärke, weshalb der Strom zunächst noch nicht reichte, um eine Leuchtdiode zum Leuchten zu bringen, berichtet der Achtklässler. Deshalb haben Philipp und Johann „aus einem Transformator, Diodenbrücken und Feuerzeug-Zündern“ einen weiteren Schaltkreis gebaut, der eine LED zum Leuchten bringen kann. Ihr Ziel ist es, einmal Anzeigetafeln an Flughäfen nur durch die Schritte der Reisenden mit Strom zu versorgen.

Marcel Weilacher aus Landau interessiert sich für Robotertechnik. Er hat autonome Fahrzeuge und verschiedene selbst gebaute Greifarme dabei. „Ich finde das hier ganz toll, auch für Kinder. Es sind schon beeindruckende Konstruktionen dabei“, sagt er.

Der Informatiker Simon Roth hatte zunächst den Holz-Prototyp einer Portalfräse gebaut. Sein Kollege Florian Jesske sagte dann: „Wir machen das richtig.“ So planten und bauten sie eine Art Werkbank aus Metall, die an einen PC angeschlossen wird und dort eingegebene Motive in Metallplatinen fräst, mit einer enormen Genauigkeit von maximal 0,03 Millimetern Abweichung.

Am Ende eines aufregenden Samstags auf dem Alten Messplatz stellt sich eigentlich nur eine Frage: Wo und wann wird der zweite Macherdaach in Landau steigen?

Südpfalz-Ticker