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Samstag, 17. Dezember 2016 Drucken

Landau

Frust auf allen Ebenen

Von Falk Reimer

Neue Bauten wurden finanziert, neue Verwaltungsstellen nicht. ( Foto: van)

UNI-REPORT: Nicht nur der Wissenschaftsbetrieb leidet unter dem Stellenmangel an der Universität Landau, auch die Verwaltung ist massiv betroffen. Die Arbeitsbelastung der Mitarbeiter steigt, doch weitere Stellen sind nicht vorgesehen. Die Hochschulleitung behilft sich immer stärker mit befristeten Arbeitsverträgen.

Akten. Mehr Akten. Noch mehr Akten. Die meisten Verwaltungsmitarbeiter an deutschen Universitäten haben mit Studenten nur als Aktenzeichen auf dem Schreibtisch zu tun. Die Stapel wachsen analog zu den steigenden Studentenzahlen. Am Campus Landau sind inzwischen 7852 junge Leute eingeschrieben. „Die Arbeitsbelastung ist in den letzten Jahren massiv gestiegen“, sagt der Landauer Personalratsvorsitzende Peter Niekum. Immer mehr Mitarbeiter klagten über diese Arbeitsverdichtung.

 

„Mehr Studierende führen zu mehr Arbeit in allen Bereichen der Verwaltung, das liegt auf der Hand“, stimmt Henning Schwarz zu, Referatsleiter Personal, Organisation und Wahlen am Campus Landau der Uni Koblenz-Landau. Die Belastung wirkt sich auch auf die Personal-, Finanz- und Hausverwaltung aus. Mehr Arbeit braucht auch mehr Personal, das müsse eingestellt werden und irgendwo sitzen, also kommen mehr Räume für die Verwaltung dazu, zählt Schwarz die Folgen auf.

Uni behilft sich mit befristeten Stellen

 

Wegen der im landesweiten Vergleich geringen Zahl – laut Statistischen Landesamt waren es 2015 insgesamt 527 Verwaltungsstellen in Koblenz und in Landau (Trier: 641) – behilft sich die Universität mit befristeten Stellen. „Die Zahl der Befristungen liegt weit über den Planstellen“, erläutert Schwarz, kann sie aber nicht genau beziffern. Der Bedarf an Stellen ist da, aber wie lange noch? Die Zahlungen aus dem Hochschulpakt enden 2023, und Schwarz verweist auch darauf, dass die Bevölkerung und damit auch die Zahl der Studenten zurückgehe.

 

Unabhängig von der schlechten Personalsituation behelfe man sich auch deshalb mit Befristungen. „Diese befristeten Arbeitsverhältnisse führen bei den Mitarbeitern zu einer existenziellen Unsicherheit“, erklärt der Personalratsvorsitzende Niekum. Wissenschaftler seien nicht zwingend ortsgebunden, eine wissenschaftliche Karriere setze eine gewisse Flexibilität voraus. Aber im Verwaltungsbereich seien die Leute in der Region verwurzelt. „Sie haben Partner, Familie. Da nur von Befristung zu Befristung zu leben, kann eine sehr große Belastung sein“, sagt Niekum.

Frust auf beiden Seiten

 

Die Angestellten in Verwaltung und wissenschaftlichem Betrieb fühlten sich manchmal hilflos, erzählt der Personalratsvorsitzende. Zu Sprechzeiten stünden 15 bis 20 Studenten auf dem Flur. „Die Kollegen können sich nicht umfassend um die Probleme des Einzelnen kümmern.“ Das führe auf beiden Seiten zu Frust.

 

Das Land spart an allen Ecken und Enden. Nicht ohne Grund: Die bundesweite Schuldenbremse schlägt 2020 zu. Deswegen werden landesweit 2000 Verwaltungsstellen in den kommenden beiden Jahren abgebaut. Die Universitätsverwaltungen wird der Stellenabbau nicht so hart treffen wie andere Verwaltungen im Land. „Wäre der Hochschulsektor wie der Rest der Landesverwaltung behandelt worden, hätten bis 2020 22,9 Millionen Euro Personalkosten eingespart werden müssen“, teilt das Wissenschaftsministerium mit. Wäre die Uni-Verwaltung gleich behandelt worden, hätten rund 244 Vollzeitstellen abgebaut werden müssen. Tatsächlich sind es 50 Vollzeitstellen, die in den nächsten beiden Jahren wegfallen: 3,75 an der Uni Koblenz-Landau, sieben in Trier und 20,5 in Mainz. Der Stellenabbau dürfe die Verbesserung der Grundfinanzierung nicht konterkarieren, schreibt das Ministerium. Wie berichtet, wurden Koblenz-Landau 18 neue Stellen aus dem Hochschulpakt verlängert, neun davon befristet.

 

Das ist ein kleines Zugeständnis der Politik an die Hochschulen, die trotz steigender Nachfrage aber nicht ganz „vom Sparzwang“ ausgenommen werden könnten, so das Ministerium.

 

„Einer Uni, die wie wir unter der Unterbesetzung leidet, tut jede wegfallende Stelle weh“, sagt Niekum. „Egal wo eingespart wird, können die übrigen Kollegen dann nur versuchen, das Übel zu verwalten.“

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