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Freitag, 01. Februar 2019 Drucken

Kreis Germersheim

Freie Fahrt für Retter

Kandel: Die Großbaustelle in der Rheinstraße blockiert für mindestens eineinhalb Jahre den Verkehr. Damit trotzdem im Notfall alle Kandeler Stadtteile von der Feuerwehr, den Rettungskräften und der Polizei erreicht werden können, hat Kreisfeuerwehrinspekteur Mike Schönlaub ein „Rettungskonzept“ erstellt.

Von Nicole Tauer

In der Rheinstraße geht seit Anfang Januar nichts mehr.

In der Rheinstraße geht seit Anfang Januar nichts mehr. ( Foto: van)

Die Baustelle muss weiträumig umfahren werden.

Die Baustelle muss weiträumig umfahren werden. ( Grafik: Spieckermann)

Etwa 10.000 Fahrzeuge waren täglich auf der Rheinstraße unterwegs. Seit die B427 wegen der Großbaustelle gesperrt ist, müssen sie sich einen anderen Weg suchen. Entsprechend turbulent geht es derzeit in den Nebenstraßen zu, da offensichtlich viele Fahrer eigene Strecken abseits der geplanten Umleitung ausprobieren wollen. „Dazu kommt noch der Ziel- und Quellverkehr von der Baustelle, das ist ja fast ein Vollausbau“, gibt Mike Schönlaub zu bedenken. In seiner Doppelfunktion als Kreisfeuerwehrinspekteur und Ordnungsamtsmitarbeiter hat Schönlaub die Sicherheit im Blick.

Die Arbeiten laufen seit 14. Januar 2019. Derzeit ist die Raiffeisenstraße „gefangen“, je nach Wetter können die Arbeiten am ersten Bauabschnitt nach vier Monaten beendet sein. Aber zu jedem Zeitpunkt während der Bauzeit, die mit eineinhalb bis zwei Jahre angegeben ist, müssen alle Stadtteile im Notfall schnell von den Rettungskräften erreichbar sein.

Deshalb sind in der Stadt keine Demonstrationszüge mehr erlaubt, sondern nur noch stationäre Zusammenkünfte (wir berichteten). Bei der jüngsten Demo des „Frauenbündnisses“ in Wörth waren etwa 50 Teilnehmer. Diese hätten – wenn man die Polizei samt Fahrzeug miteinbeziehe – bei ihrem Zug etwa 180 Meter benötigt, rechnet Schönlaub vor. Bei 300 Teilnehmern sei man schon bei einer Strecke von 350 bis 400 Metern. Dazu gebe es in Kandel jedesmal mindestens zwei Gegendemos, „man muss das Gesamtpaket sehen“, sagt der Kreisfeuerwehrinspekteur. Angesichts der Großbaustelle müssten solche Blockaden ganzer Straßenzüge ausgeschlossen werden.

Die neue Einschränkung sei auch ein Schutz für die Demonstranten, betont Schönlaub. Diese könnten sonst in den engen Straßenzügen gefangen sein, da es dort keinen Bewegungsraum für Feuerwehr oder andere Retter gebe: Die vorgeschriebene Möglichkeit zum „entfluchten“ fehlt. Hier verweist Schönlaub auf das Sicherheitskonzept für den Kandeler Christkindelmarkt. Die dann fehlende Fluchtmöglichkeit war damals auch der Hintergrund für die Ablehnung eines Demozuges durch die Hauptstraße – einen Eilantrag dagegen hatte das Verwaltungsgericht Neustadt mit einem Beschluss vom 29. November 2018 zurückgewiesen.

127 Mal war die Kandeler Feuerwehr im Jahr 2018 im Einsatz, zirka 20 Mal am Tag sind die Rettungswagen unterwegs – entsprechend muss zum Beispiel der Weg von der DRK-Rettungswache in der Robert-Koch-Straße frei sein. Bei der Feuerwehr gibt es noch ein anderes Problem: Die Ehrenamtler haben jetzt eine längere Anfahrt zum Feuerwehrgerätehaus.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Das Krankenhaus muss erreichbar sein. Das war bei einer Demonstration 2018 nicht gegeben, die Sanitäter mussten das Martinshorn einsetzen, um durchzukommen. Damals ging es gut – doch das ist eher dem glücklichen Zufall zu verdanken.

Kopfzerbrechen bereitet dem Kreisfeuerwehrinspekteur derzeit noch das Thema „Bereitstellungsflächen“: Dort sammeln sich die Wehren aus umliegenden Gemeinden, wenn sie zur Unterstützung anrücken. Normalerweise ist diese Fläche am Adamshof, „die Germersheimer wissen dann, dass sie da warten sollen“, erläutert Schönlaub.

Doch der Adamshof fällt wegen der Baustelle weg, daher wird über eine Bereitstellungsfläche am Bahnhof oder auf dem Marktplatz nachgedacht. „Ich weiß nicht, wo nachts der Bagger steht“, umschreibt er das Problem. In der Wehrleitersitzung habe er schon mündlich mitgeteilt, dass es eine andere Bereitstellungsfläche geben wird. Die endgültige Entscheidung über den Ort steht noch aus.

Auch ohne Demonstrationszüge seien die Versammlungsrechte in Kandel weiter gewährleistet, betont Schönlaub. Über die Position der stationären Zusammenkünfte müsse aber – auch angesichts der Veränderungen auf der Baustelle – jeweils von Fall zu Fall entschieden werden.

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