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Montag, 15. Mai 2017 Drucken

Landau

Freiburg für Landauer Grüne Vorbild bei der Stadtentwicklung

Von Sebastian Böckmann

Die Alte Weberei in Tübingen: Auf der Industriebrache der ehemaligen Frottierweberei Egeria ensteht ein neues verdichtetes Wohnviertel. Dafür ist die Universitätsstadt 2016 mit dem Flächenrecyclingpreis des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet worden.

Die Alte Weberei in Tübingen: Auf der Industriebrache der ehemaligen Frottierweberei Egeria ensteht ein neues verdichtetes Wohnviertel. Dafür ist die Universitätsstadt 2016 mit dem Flächenrecyclingpreis des Landes Baden-Württemberg ausgezeichnet worden. ( Foto: Manfred Grohe)

Das Quartier Vauban in Freiburg ist ein verdichtetes, aber trotzdem attraktives Viertel auf dem Gelände einer ehemaligen Kaserne.

Das Quartier Vauban in Freiburg ist ein verdichtetes, aber trotzdem attraktives Viertel auf dem Gelände einer ehemaligen Kaserne. ( Abbildung: Stadt Freiburg)

Landau-Südwest: Die Grünen fordern ein verdichtetes Wohngebiet mit bezahlbaren Wohnungen und Gewerbe, mit Grün und guter Architektur.

„Wenn Landau seine Konversionsflächen anders genutzt hätte, hätten wir heute die Probleme nicht“, sagt Lukas Hartmann, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Landauer Stadtrat. Die Probleme – das sind für ihn die Nöte der weniger betuchten Landauer, angemessenen und bezahlbaren Wohnraum zu finden. Hartmann bestreitet Erfolge der Stadtentwicklung nicht, aber nur zwei kleine Flächen mit Sozialwohnungen – das Baufeld 10 im Wohnpark am Ebenberg und Neubauten am Dörrenberg – und eine erst kürzlich beschlossene Sozialwohnungsquote hält er für definitiv zu wenig.

„Landau-Südwest ist nicht unser Projekt, aber wir akzeptieren die demokratische Entscheidung“, sagt Hartmann. Nur dürfe sich dort der Webfehler des Wohnparks nicht wiederholen. Die Grünen fordern für dieses Viertel eine deutlich verdichtete Bebauung, denn während die Landauer Bevölkerung weiter wächst, sind die Flächen endlich. „Wir müssen die Bedürfnisse vieler stillen, statt die Träume weniger zu erfüllen“ – soll heißen: Einfamilienhäuser mögen für die Stadtdörfer noch hinnehmbar sein, nicht aber für ein stadtnahes Viertel.

In Südwest soll sich Landau lieber an Städten wie Freiburg oder Tübingen orientieren, wo eine ehemalige Kaserne und eine alte Weberei zu attraktiven Stadtvierteln entwickelt worden sind. Attraktiv trotz hoher Verdichtung.

„Tübingen plant für 300 bis 350 Menschen pro Hektar“, sagt Hartmann – in Landau seien es derzeit vermutlich gerade mal 38 bis 60. „Wir wollen nicht annähernd so viel wie Tübingen“, stellt Hartmann klar, aber was eine passende Relation für Landau wäre, wissen die Grünen noch nicht. Nur soviel: Die Südstadt könnte vermutlich ein recht gutes Beispiel abgeben. Genaueres wollen sie mittels einer Anfrage zur Einwohner-Hektar-Relation erfahren, aufgeschlüsselt nach Kernstadt, Stadtdörfern, Südstadt, Wohnpark und Quartier Vauban. Dies ist das Ergebnis einer Veranstaltung zum Geschosswohnungsbau, zu der die Grünen kürzlich den Landauer Architekten Ansgar Lamott und den Tübinger Baubürgermeister Conrad Soehlke eingeladen hatten. Hartmanns Fazit: „Wir müssen unsere Flächen effizienter nutzen, sonst stehen wir nach wenigen Jahren wieder vor denselben Problemen.“

Musterbeispiele für verdichtete städtische Viertel mit hoher Lebensqualität sind das Quartier Vauban in Freiburg oder die Alte Weberei in Tübingen, wo Bestandsgebäude erhalten, teils aufgestockt und um Neubauten ergänzt worden sind. Zu steuern sei das über die Grundflächenzahl im Bebauungsplan, die regelt, welcher Anteil des Grundstücks bebaut werden darf und wie viele Geschosse zulässig sind, so Hartmann.

Wichtig ist den Grünen dabei die kleinteilige Durchmischung von Funktionen, weil sie nicht nur für Leben sorgt, sondern auch Verkehr reduziert. An zentralen Stellen eines solchen Viertels sollten daher auch Gewerbeflächen in den Erdgeschossen der Mehrfamilienhäuser vorgeschrieben werden. Als Alternative zum Geschosswohnungsbau seien urbane Reihenhäuser möglich, die beispielsweise von Baugemeinschaften errichtet werden könnten. Denkbar sind dabei verschieden breite, verschieden hohe und verschieden gestaltete Häuser, die sich eine Parzelle teilen. Dass solche Modelle nicht nur flächenschonend, sondern auch energetisch günstig sind, ist den Grünen ein Bedürfnis.

Für richtig hält Hartmann, dass die Stadt Flächen ankauft, entwickelt und mit Vorgaben weiterverkauft, sowie die Auswahl der Käufer anhand von Konzepten. Das hat Landau zwar auch im Wohnpark so gehandhabt, doch dort sei zu viel hochpreisiger Eigentums-Wohnraum entstanden und die soziale Durchmischung nicht gelungen. Das soll in Südwest anders werden.

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