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Samstag, 08. Dezember 2018 Drucken

Landau: Aus der Region

Ein Mann, ein Auto – eine verlorene Liebe

Waghäusel: Dirk Brand vom Oldtimerclub sucht sein Schrauber-Erstlingswerk – Spur des alten Käfer Cabrios verliert sich in der Pfalz

Von Alexandra Nachtigal

Auf eine besondere Suche hat sich der Waghäuseler Dirk Brand begeben. Das 49-jährige Gründungsmitglied des Waghäuseler Oldtimervereins liebt altes Blech. „Initialfahrzeug“ nennt er sein erstes selbst „hergerichtetes“ Auto, ein VW Käfer, Modell 1302 LS, Baujahr 1972. Vor 21 Jahren hat Brand den Käfer verkauft – und bereut es bitterlich. Der passionierte Schrauber will sein Erstlingswerk wieder zurück haben.

Mit nur 17 Jahren, noch während der Ausbildung zum Meß- und Regelmechaniker, hat Brand jede Mark der Ausbildung und das „Sonntagsgeld“ von Oma gespart und sich 1986 für 7000 D-Mark das fahrbereite Modell des Käfer Cabrios gekauft. Der Zustand allerdings forderte den Bastler: An die zwei Jahre hat er mit Bruder Jens und Freund Torsten das rostige und undichte Kultfahrzeug komplett zerlegt und Stück für Stück wieder aufgebaut. Jedes einzelne Teil wurde katalogisiert, um die richtige Reihenfolge für den erneuten Zusammenbau festzuhalten. Am Ende blieben wohl doch zwei, drei Schrauben übrig – ein Schmunzeln überzieht Brands Gesicht bei jeder Erinnerung, die beim Erzählen wieder lebendig wird. Als der Käfer fertig war, stand da ein in perlmuttrot/weiß schimmerndes Prachtstück mit Austauschmotor und allerlei Sonderausstattung: außen schwarz polierte ATS Speichenfelgen, große Lichter (die Rückleuchten wurden „Elefantenfuß“ genannt), Spoiler. Innen tobte sich der Bastler besonders aus: Einbau einer Mittelkonsole mit drei extra Anzeigen: Öltemperatur, Uhr und Drehzahlmesser. Außerdem: verchromte Fensterkurbeln, Velourslederausstattung, dunkelblaue „Vogel“-Sportsitze und das Innenleben des Handschuhfachs mit Spiegelteilen einer Discokugel ausgekleidet.

Nachdem jeder Pfennig der Ausbildungsvergütung von damals üblichen 650 Mark in den Wagen geflossen war, kam den Brand-Brüdern die Idee, das schmucke Cabrio als Hochzeitsfahrzeug anzubieten. Das kam gut an. Der Beifahrersitz wurde regelmäßig ausgebaut, um voluminösen Brautkleidern Raum zu bieten.

1997, nachdem doch der Rost wieder kam, wurde das Prachtstück verkauft. Es folgte als nächstes Projekt ein Wohnmobil, dann ein Alfa Romeo Spider (bis heute im Besitz Brands) und schließlich das aktuelle Projekt: ein Porsche, dessen Volllackierung gerade gemacht wird. Der dazugehörige Motor hängt in der Schraubergarage und wartet auf seine „Hochzeit“ mit der fertigen Karosserie.

Sohn Johannes ist bereits ebenfalls mit dem Bastlervirus infiziert und hat sich einen VW-Bus T3 vorgenommen. Im Besitz der Familie ist noch eine Vespa (Baujahr 1953), auf die Tochter Hannah charmant spekuliert – doch Papa Brand ist momentan noch nicht zur Herausgabe zu erweichen. Auch Ehefrau Susanne fährt ein 30 Jahre altes Porsche G-Modell. Sie sei bezüglich des zeitaufwendigen Hobbys ihrer Männer „unglaublich tolerant“, wie sie es formuliert. Doch im Grunde bewundere sie die Geduld, die die einzelnen Mammutprojekte, wie sie sie nennt, über Jahre erfordern. „Es grenzt schon fast an Wahnsinn“, stellt sie sachlich fest.

Ein Wahnsinn ist jetzt auch die Suche nach dem besonderen, dem ersten Projekt. Nach dem Verkauf 1997 verliert sich nämlich die Spur, berichtet Brand. Der Kaufvertrag ist nicht mehr auffindbar, Brand erinnert sich nur, dass der damalige Käufer aus der Pfalz stammte. Das Kennzeichen beim Verkauf war KA-H1972. Leider ist selbst im Kraftfahrtbundesamt ohne Fahrgestellnummer nichts mehr auffindbar. So hat sich Brand nun über verschiedene Kanäle auf die Suche nach diesem besonderen Teil seines Lebens gemacht. Und er hofft, dass sein Erstlingswerk nebst Diskokugel-Handschuhfach dereinst wieder zurück auf seinen Hof knattert. „Nicht nur mein Herz hängt an diesem Auto, mein junges Blut klebt an den Einzelteilen“, formuliert es Brand.

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