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Donnerstag, 22. November 2018 Drucken

Landau: Kultur Regional

Die Armee als Musiklabor

Gegenüber: Udi Perlmann, Kompositionsstipendiat im Herrenhaus Edenkoben

Von Gereon Hoffmann

Hat mit zwöf Jahren schon komponiert: Udi Perlmann.

Hat mit zwöf Jahren schon komponiert: Udi Perlmann. ( Foto: van)

Schon als Jugendlicher haben ihn die französischen Impressionisten und Progressive Rock fasziniert. Komponiert hat Udi Perlmann, Stipendiat im Herrenhaus Edenkoben, schon mit zwölf. Inzwischen hat er etliche internationale Preise gewonnen. Sein „Concerning Spring“ für Chor und Orchester, ein Auftrag aus Warschau zur Feier des Jahrs als Europäische Kulthauptstadt 2016, wurde vor 50.000 Zuhörern aufgeführt. Zuletzt waren neue Werke im Herrenhaus zu hören (wir berichteten am 6. November).

Perlman wurde 1990 in Tel Aviv geboren. Seine Eltern interessierten sich für Theater und Kunst, spielen auch Klavier. Der erste Berufsmusiker in der Familie aber ist er. Sein musikalisches Talent wurde schon in der Schule entdeckt, wo er Blockflöte und Klavier lernte. „Mir war sehr früh klar, dass ich Musiker werden will.“ Da sei er fünf oder sechs Jahre alt gewesen. Ideen für Musik seien ganz natürlich gekommen: Er habe Melodien erfunden und sie aufgeschrieben.

„Als jugendlicher Flötenspieler habe ich zum ersten Mal großangelegte Stücke von 20 bis 25 Minuten gehört“, erzählt der heute 28-Jährige. Mit 15 hat er dann eine Ausbildung zum Komponisten begonnen: am Israel Konservatorium in Tel Aviv. Von dort wechselte er an die Highschool of Performing Arts in Jerusalem, spielte in deren Sinfonieorchester und wurde auch Solist des Ensembles.

Dann, mit 18, kam der Wehrdienst. Der dauert in Israel für Männer drei Jahre und ist Pflicht. Doch mit seinem Status als „herausragender Musiker“, für den er eine Prüfung ablegen musste, habe er sich als Flötist weiterbilden können. Seine Hauptaufgabe sei gewesen, Arrangements für das Armeeorchester und dessen Ensembles zu schreiben. In dieser Zeit habe er sich wie in einem Labor gefühlt, in dem er forschen und experimentieren konnte. „Ich hatte die Gelegenheit, mit unglaublich guten Musikern zu arbeiten“, erklärt Perlman. Die Zeit sei immer knapp gewesen, und er habe für verschiedene Besetzungen schreiben müssen. „Ich habe sehr viel gelernt und Erfahrungen gemacht, von denen ich heute noch profitiere.“ Harmonie und Kontrapunkt und Orchestrierung habe er hier intensiv erarbeiten können.

„Israelische Musik und ihre Modalität ist in mir sehr präsent, einfach wegen meiner Herkunft und dem, was ich schon früh gehört habe“, sagt er über Einflüsse. Einen wichtigen Impuls habe er vom Karlsruher Musikprofessor Wolfgang Rihm erhalten, der ihm neue Perspektiven eröffnet habe. Kennengelernt hat Perlman den Deutschen bei einem Meisterkurs. „Plötzlich stellten sich mir neue Fragen. Das war etwas ganz anderes, als ich aus Israel kannte“, erzählt Perlman. Er ging nach Karlsruhe, um bei Rihm zu studieren. Ihn fasziniere sein allgemeiner künstlerischer Ansatz. Rihm ist von Literatur und Bildender Kunst stark beeinflusst und sieht in seinem kompositorischen Schaffen ähnliche Entstehungsprozesse. Er stellt den subjektiven Ausdruck in den Mittelpunkt. Für Perlmann ist Rihm auch ein Philosoph: „Er hat mir große Fragen gestellt, die ich erst mal nicht beantworten konnte.“

Nach einem Jahr in Karlsruhe wurde Perlman Stipendiat an der Barenboim-Said-Akademie in Berlin. Gegründet von Daniel Barenboim und Edward Said, will die Akademie der Völkerverständigung dienen und bildet Stipendiaten aus Ländern des Nahen Ostens aus. Dort erreichte Perlman der Ruf, als Stipendiat nach Edenkoben zu kommen. Die Verbindung in die Pfalz liegt auf der Hand: Rihm ist im Herrenhaus einer der Juroren, die Stipendiaten vorschlagen dürfen. Für Perlman, der davon nichts ahnte, war das eine schöne Überraschung.

In der Pfalz angekommen, entdeckte er wieder etwas Neues: Ruhe. „In Berlin war es immer laut um mich herum, hier in Edenkoben ist es ruhig, und das tut mir sehr gut.“ Von der Landschaft und ihrer Tradition habe er noch nicht so viel mitbekommen. Doch was er bei einer Radtour sah, habe ihm sehr gefallen. Im Dezember endet sein Aufenthalt im Herrenhaus. Dann geht er in die USA, um an seiner Promotion zu arbeiten.

Termin

In der Region ist eine Komposition von Udi Perlmann zu erleben, wenn er mit der Gesellschaft für Neue Musik am 13. September 2019 ein Werk in den Reiß-Engelhorn-Museen in Mannheim aufführt.

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