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Dienstag, 04. Oktober 2016 Drucken

Kreis Germersheim

Germersheim: Friedliche Demos zum Spatenstich für neue Moschee

So soll die Moschee einmal aussehen. Sie soll ein würdevoller Ort werden zum Beten, sich treffen und Feiern – auch mit Andersgläubigen. ( Plan: Ditib/frei)

Mehrere hundert Gäste kommen zum symbolischen ersten Spatenstich. Nach einem gemeinsamen Gebet wird gegessen und getrunken. ( Plan: Ditib/frei)

„Macht ein bisschen Radau, um denen zu zeigen, dass wir gegen sie sind!“, fordert Thomas Völk, der Veranstalter der Gegendemonstration. ( Plan: Ditib/frei)

„Keine neue Moschee in Germersheim.“ So heißt es auf Plakaten und so lautet der Tenor der Redner der AfD.Foto: Iversen ( Plan: Ditib/frei)

Germersheim: Den ersten Spatenstich für die neue Moschee feierten am Samstag 700 bis 800 Menschen, fast ausschließlich Muslime. Zur Demonstration gegen das Bauvorhaben kommen zuvor 200 bis 300 Leute, zur Gegendemonstration etwa 20. Es bleibt friedlich.

„Hosgeldiniz – Herzlich willkommen“, steht auf einem Transparent an der Rednertribüne auf dem Gelände der Germersheimer Moschee, das mit deutschen und türkischen Fähnchen geschmückt ist. 700, 800 Menschen, fast nur Muslime, sitzen unter Pavillons oder stehen im Hof und lauschen den Festreden. Generalkonsul, Konsul und Ditib-Generalsekretär sowie der Germersheimer Gemeindevorsteher und der Architekt des geplanten neuen Gotteshauses treten nacheinander ans Mikrofon, um die Bedeutung des geplanten Bauwerks zu betonen, das nicht zuletzt für mehr Miteinander und Zusammengehörigkeit stehen soll – auch mit Andersgläubigen.

„Germersheim wird eine neue und würdevolle Moschee bekommen.“ Nicht nur eine Stätte der Andacht soll sie werden, sondern auch eine der Begegnung und des Feierns, sagt Germersheims Ditib-Vorsitzender Hyrettin Günes. Das Projekt sei wichtig, wenn auch für einige nicht nachvollziehbar, fährt Architekt Rifat Sezer fort. Es würden von den Gemeindemitgliedern dringend benötigte Räume geschaffen. Ditib-Generalsekretär Bekit Alboga erwähnt, dass die Moscheegemeinde in Germersheim seit 1977 existiert. Aber: „Die Hinterhofmoschee ist nicht würdevoll.“ Und: „Ich bitte Allah, Gott und Jahwe, diesen einen Gott, an den Muslime, Christen und Juden glauben, um seinen Segen für diese Moschee.“

Musikstücke leiten über zum symbolischen ersten Spatenstich, den ein gemeinsames Gebet abschließt. Danach wird gegessen und getrunken.

Zuvor finden auf dem Königsplatz zwei Demonstrationen zum Moscheebau statt. Zur einen hat die Interessengemeinschaft (IG) „Germersheim sagt nein zum Ditib-Moschee-Neubau“ aufgerufen. 200, 300 Leute versammeln sich um die Rednertribüne am „blauen Engel“. Menschen halten Tafeln in die Höhe mit Aufschriften wie „Keine neue Moschee in Germersheim. Der Islam gehört nicht zu Deutschland“; darunter steht Alternative für Deutschland (AfD). Auf anderen Bannern steht: „Keiner wurde gefragt“, „Zu spät gefragt & durchgewunken“ und „Wer ist Ditib wirklich?“

IG-Sprecher Michael Faber, ehemals Beisitzer des AfD-Kreisverbands, erzählt, dass er nahe der geplanten Moschee wohnt. „Es ging mir mit dem Moscheebau zu schnell und dagegen wollte ich demonstrieren.“ AfD-Kreisvorsitzender und Landtagsabgeordneter Matthias Joa dankt dem rechtspopulistischen Bündnis „Pax Europa“ dafür, dass es Werbung für die Veranstaltung gemacht hat. – Fischer hatte am Vortag eigens noch klargestellt, dass die Veranstaltung mit dem Bündnis nichts zu tun hat. – Joa sieht in Germersheim mit seinem hohen Ausländeranteil „kein Integrationspotenzial mehr“; „die etablierten Politikverkäufer“ würden mit ihrem Vorhaben „krachend scheitern“. Er kündigt die Gründung eines AfD-Stadtverbandes an.

Joachim Paul, AfD-Stadtratsmitglied aus Koblenz, findet es „gut, dass man sich von den Linken, die uns immer wieder über den Weg laufen, nicht einschüchtern lässt – wegducken war gestern“. Während seiner Rede, die wie die der anderen Redner immer wieder von Applaus unterbrochen wird, rollen Studenten aus einem Fenster ein großes weißes Tuch: „Refugees are welcome“ steht darauf – Flüchtlinge sind willkommen.

Ein Demonstrant raunt, dass ein filmender ARD-Kameramann Aufnahmen von den Teilnehmern macht, um das Material an die Antifaschisten weiterzureichen. Prompt tritt eine Plakatträgerin den Rückzug an, als sie merkt, dass sie gefilmt wird.

Die Demonstranten kommen überwiegend aus der Umgebung, nur wenige Germersheimer sind darunter. Ein Badener, der sich als ehemaliger PDS-Wähler zu erkennen gibt und namentlich nicht genannt werden will, sagt, dass er, seit er sich mit dem Islam beschäftigt, von diesem die deutsche Kultur und vom deutschen Staat die Meinungsfreiheit bedroht sieht. Deshalb habe er das politische Lager gewechselt. Im Gespräch kommt zum Ausdruck, dass er mehr Angst vor extremen Linken hat, mit denen es immer wieder Konflikte gebe.

Derweil wird auf der anderen Seite des Platzes ein Transparent entrollt mit der Aufschrift „Antifaschistische Aktion“. Auf weiteren Plakaten steht „Germersheim bleibt hässlich, auch ohne Moschee“ und „Nein zu Ditib und CETA“. Es sind rund 20 Mitglieder der Gruppierung „Die PARTEI“, die bekannt ist für ihre satirische Herangehensweise an politische Inhalte. Veranstalter ist Thomas Völk aus Jockgrim, ein Schüler. „Der breiten Bevölkerung geht der Moscheebau am Sack vorbei. Deshalb sagen wir ja zur Moschee, nein zur Moschee“, skandiert er unter dem Applaus seiner Anhänger. Unter diesem Motto steht die Gegendemo. „Macht ein bisschen Radau, um denen zu zeigen, dass wir gegen sie sind!“, fordert er gegen 13 Uhr. „Oh, die gehen schon“, merkt da einer.

Eine Germersheimerin sagt, dass sie den Koran kenne und durchaus Bedenken gegen gewisse Bestrebungen habe, aber sie sei gegen Populismus. „Partei“-Mitglied Marie-Celine Elgas aus Jockgrim sieht ebenfalls Expansionstendenzen beim Islam. Trotzdem: „Die Religionsfreiheit soll überwiegen. Jeder soll seine Religion ausüben können.“ |gs

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