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Mittwoch, 02. August 2017 Drucken

Landau

Aus dem Elfenbeinturm heraus

Landau: In der wissenschaftlichen Arbeit der Uni Landau entstehen viele Ideen. Manche eignen sich dafür, daraus ein Geschäftsmodell zu entwickeln. Starthilfe gibt das Gründungsbüro der Uni. Über 30 Start-up-Firmen hat es schon auf deren Weg ins Business begleitet.

Von Judith Hörle

Die Uni Koblenz-Land ist die einzige „Gründungshochschule“ in Rheinland-Pfalz, berichtet Cornelia Delp (links) vom Gründungsbüro. Hier mit Existenzgründerin Nadine Thomas.

Die Uni Koblenz-Land ist die einzige „Gründungshochschule“ in Rheinland-Pfalz, berichtet Cornelia Delp (links) vom Gründungsbüro. Hier mit Existenzgründerin Nadine Thomas. ( Foto: Iversen)

Nadine Thomas ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Uni Landau und beschäftigt sich mit der psychologischen Diagnostik. Das brachte sie auf eine Idee. Ihre wissenschaftlichen Erkenntnisse wendet sie nun für den Leistungssport an. Vor drei Jahren gründete sie ihr Beratungsbüro Thomas. Das hilft beispielsweise bei der Sichtung von Athleten. „Ich untersuche, welche Persönlichkeitseigenschaften für die jeweilige Sportart wichtig sind und welche Sportler diese Voraussetzungen mitbringen.“ Zudem hilft sie Athleten dabei herauszufinden, welche berufliche Laufbahn neben der eigenen sportlichen zu ihnen passen würde. Denn der Leistungssport ist eine Karriere auf Zeit und nicht immer so gut bezahlt, dass es zum Leben reicht. Thomas hilft dabei, ein zweites Standbein zu finden.

Auf dem Weg in die Selbstständigkeit begleitet hat sie das Gründungsbüro der Uni Koblenz-Landau. Das existiert seit 2011 an beiden Campi und hat 18 Mitarbeiter, davon drei in Landau plus eine studentische Hilfskraft. Über 75 Existenzgründungen sind daraus schon entstanden, etwa die Hälfte davon in Landau. „Wir versuchen, Studierende, wissenschaftliche Mitarbeiter, Professoren und Alumni dafür zu sensibilisieren, Gründungen als berufliche Perspektive wahrzunehmen und begleiten sie auf ihrem Weg von der Idee bis zur eigenen Firma“, erklärt Cornelia Delp vom Gründungsbüro, die an der Uni Landau wissenschaftliche Mitarbeiterin für den Bereich Social Entrepreneurship (soziales Unternehmertum) ist.

Das Gründungsbüro bietet beispielsweise Ideen-Workshops an, in denen sich potenzielle Gründer miteinander austauschen und ihre Ideen reflektieren und konkretisieren können. Gerade in der Vorbereitungsphase berät das Gründungsbüro auch im persönlichen Gespräch und zeigt individuelle Entwicklungsmöglichkeiten auf. So kann auch gemeinsam ein Businessplan auf die Beine gestellt werden. Zudem stehen Qualifizierungsveranstaltungen wie BWL- oder Steuer-Workshops auf dem Programm. „Ich bin von Haus aus Psychologin, mit Finanzen hatte ich bis dato nichts zu tun. Das hat mit sehr geholfen“, berichtet Nadine Thomas. Und die persönliche Beratung habe sie auch vor „der großen Dummheit“ bewahrt, für ihre Geschäftsidee einen Kredit aufzunehmen. Es ging nämlich auch ohne. Über 300 Veranstaltungen und 650 Beratungsgespräche – das ist die Bilanz des Gründungsbüros an beiden Unistandorten in den vergangenen sieben Jahren.

Finanzielle Unterstützung bieten auch Förderprogramme. Das Gründungsbüro hilft bei der Antragstellung. So gibt es beispielsweise verschiedene Exist-Förderungen. Das ist ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie für Existenzgründungen aus der Wissenschaft. Die Uni Koblenz-Landau habe 2013 den Titel „Gründerhochschule“ einfahren können, berichtet Delp stolz. Sie ist eine von 22 vom Bundesministerium geförderten Exzellenz-Hochschulen und die einzige Gründeruni in Rheinland-Pfalz. Sie erhält bis 2018 eine Fördersumme von 2,2 Millionen Euro zum Aufbau gründungsorientierter Infrastrukturen. Dazu gehört auch das Innovationsbüro, das die Uni vor Kurzem eröffnet hat (wir berichteten). Gefördert wurde das Gründungsbüro zudem mit 800.000 Euro vom rheinland-pfälzischen Bildungsministerium und vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung. Insgesamt seien bisher sechs Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben worden, berichtet Delp.

Ohne gute Kontakte läuft nichts. Das Gründungsbüro vernetzt zwischen Gründungsinteressierten, Gründern, Unternehmern, Fachleuchten und Investoren. Beispielsweise bei einem Unternehmerfrühstück mit dem Bund der Selbstständigen. Und alle Beratungen und Veranstaltungen sind kostenlos.

Wissenschaftliche begleitet wird das Gründungsbüro vom Zifet (Zentrales Institut für Scientific Entrepreneurship & International Transfer), das seit 2012 besteht. Die Mitarbeiter dieser wissenschaftlichen Einrichtung der Uni koordinieren alle gründungsbezogenen Projekte in Forschung und Lehre. Alles mit dem Ziel, die Gründungskultur an der Uni zu stärken.

Zudem hat das Gründungsbüro zusammen mit den Gründungsbüros der anderen rheinland-pfälzischen Hochschulen und saarländischen Partnern im Mai die Plattform „Ideenwald“ ins Leben gerufen. Eine Crowdfunding-Plattform, über die Gründungsideen am Markt getestet oder erste Produkte finanziert werden können.

„Ich bin mit meiner Agentur echt zufrieden, und es macht Spaß. Mit der Selbstständigkeit habe ich gemerkt, wie mein Wissen auch Anwendung findet“, sagt Gründerin Nadine Thomas und Cornelia Delp ergänzt: „Wissenschaftler denken oft, sie sitzen im Elfenbeinturm. Es ist für sie eine tolle Erfahrung, wenn ihr Wissen in der realen Welt Wirkung zeigt.“

Info

—Das Gründungsbüro ist in der Bürgerstraße 23 in Landau, Raum 225.

—Kontakt: Cornelia Delp (delp@uni-landau.de), Marcel Mayer (mayer@uni-landau.de), Christoph Müller (chmueller@uni-koblenz-landau.de).

—facebook.com/GruendungsbueroKoblenz, twitter.com/gruendungskultur, alle Termine unter www.gruendungskultur.de

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