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Samstag, 06. Januar 2018 Drucken

Landau: Kultur Regional

Aufnahmen am liebsten live

Christian Ostertag ist Geigenprofessor in Karlsruhe und Stammgast im Herrenhaus Edenkoben

Von Gerhard Tetzlaff

Der Geiger Christian Ostertag bei einem seiner Konzerte im Künstlerhaus Edenkoben, hier mit dem Pianisten Fritz Schwinghammer.

Der Geiger Christian Ostertag bei einem seiner Konzerte im Künstlerhaus Edenkoben, hier mit dem Pianisten Fritz Schwinghammer. ( ARCHIVFoto: van)

Als Konzertmeister des zwangsfusionierten SWR-Symphonieorchesters ist Christian Ostertag ebenso gefordert wie nun auch als Geigen-Professor an der Karlsruher Musikhochschule. Der sympathische Musiker ist aber auch als Solist und Kammermusiker gefragt. Und als solcher Stammgast im Herrenhaus Edenkoben mit zahlreichen Konzerten dort.

Die Musik war ihm quasi schon in die Wiege gelegt. Christian Ostertags Mutter Maria war Pianistin, sein Vater Martin Solocellist des SWR Symphonieorchesters Baden-Baden und Freiburg sowie Celloprofessor in Karlsruhe. Zudem war der Cellist viele Jahre im Villa-Musica-Ensemble aktiv, mitverantwortlich auch für eine Reihe preisdekorierter Kammermu-sikeinspielungen. Christian Ostertag fing mit fünf Jahren das Geigenspiel an. Ausgebildet wurde der Geiger bei Valery Gradow und Rainer Kussmaul, wobei er jüngst verriet, dass er „das Meiste“ von dem weniger bekannten Geiger Rony Rogoff gelernt habe.

Überraschenderweise für einen Musiker eines Rundfunksymphonieorchesters nennt er sich „keinen Perfektionisten“. Er schätze Liveeinspielungen mehr als Studioaufnahmen, letztlich sei der große musikalische Bogen und die Sinnhaftigkeit des Musizierens wichtiger als sterile Perfektion, die die Zusammenhänge vernachlässigen würde.

An der Musikhochschule seiner Heimatstadt erwarten Ostertag, der schon zwölf Jahre Professor in Trossingen war, vielfältige Aufgaben. „Studenten befähigen nach ihrem Studienabschluss selbstständig ins musikalische Leben zu starten“, formuliert er sein Ziel. Wobei er in Karlsruhe neben der Betreuung seiner Klasse auch für die Stimmproben der Streicher des Hochschulorchesters sowie für eine noch zu gründende Kammermusikreihe aus Lehrenden und Studierenden der Hochschule mitverantwortlich zeichnen soll.

Zudem setzt der hochaufgeschossene Musiker nicht nur in Karlsruhe eine familiäre Tradition fort, war doch sein Vater Martin hier schon Celloprofessor ebenso wie er die Position des Solo-Cellisten beim früheren SWR Symphonieorchester innehatte, parallel zu seinem Sohn Christian, dem Konzertmeister. Und schon bei seiner ersten Stelle in Düsseldorf trat der Geiger in die Fußstapfen des Vaters, hatte dieser doch dort sein erstes Engagement in Deutschland.

Für die Vorbereitung von Studierenden auf eine Stelle in einem Symphonieorchester sind seine Erfahrungen kaum zu überschätzen, kann er doch neben musikalisch-technischen Hinweisen auch Hilfestellung für den Alltag im Orchester geben. Wobei Ostertag im Gespräch immer wieder auf die Unterstützung von erfahrenen Orchestermusikern hinweist, die diese ihm als jungen Konzertmeister in Düsseldorf und beim SWR, diese Stelle trat er schon mit 33 Jahren an, gegeben hätten. „Als Konzertmeister ist man Vermittler zwischen Dirigent und Orchester“, sagt Ostertag, was auch diplomatische und zwischenmenschliche Qualitäten erfordere.

Als Solist erregte er Aufmerksamkeit mit seiner Einspielung des ersten Bartok-Konzerts mit dem SWR-Orchester unter der Leitung von Michael Gielen. Wobei Ostertag erläutert, dass es ihm im Gegensatz zu manchen anderen Musikern nichts ausmachen würde, als Solist vor das eigene Orchester zu treten. „Eine besondere Anspannung verspüre ich deshalb nicht“, sagt der Geiger, eher eine allgemeine wie bei jedem solistischen Konzertauftritt. Auch das berühmt-berüchtigte Solo des Konzertmeisters im „Heldenleben“ von Richard Strauss, das, wie Ostertag erläutert, bei jedem Probespiel für eine Konzertmeisterstelle gefordert werde, hat er in einer hochgelobten CD unter der Leitung von François-Xavier Roth eingespielt. Hier könne man nicht nur seine technischen Qualitäten zeigen, sondern musikalische Gestaltungskraft, Farbigkeit des Spiels, Nuancen, geradezu erzählerische Qualitäten.

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