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Donnerstag, 16. Juni 2016 Drucken

Landau: Aus der Region

Asche zu Asche

Hintergrund: Ein Friedhofsplaner aus Hamburg sagt über den Friedwald Dudenhofen: Urnenbestattungen schaden der Umwelt. Bezahlt wird der Planer allerdings von einem Verband, in dem sich Leute sammeln, die mit klassischen Friedhöfen Geld verdienen. Trotzdem ist seine Argumentation nicht aus der Luft gegriffen – und betrifft auch andere Friedwälder.

Von Sebastian Eder

 

Friedwald in Dudenhofen: Seit der Eröffnung 2008 haben hier 1877 Menschen ihre letzte Ruhe gefunden. ( Foto: Lenz)

Dudenhofen. Andreas Morgenroth benennt das Problem: Die Asche von Hinterbliebenen sei oft mit Schwermetallen belastet. „In manchen Wäldern sind deshalb unverrottbare Urnen vorgeschrieben“, sagt er. Er ergänzt aber auch: „Ich weiß, dass Viele Urnenwälder für ,naturnah’ halten, andere wiederum halten eine Beisetzung dort für eine ,schlechte Tat’. Ich mache auf diametral gegenüberstehende Positionen aufmerksam – mache mir jedoch keine dieser Positionen zu eigen.“

Der Friedhofsplaner aus Hamburg hat sich mit diesem Anliegen bei der RHEINPFALZ und beim Rhein-Pfalz-Kreis gemeldet. Er wollte über den Friedwald in Dudenhofen sprechen, auf dem 1877 Menschen seit der Eröffnung im April 2008 ihre letzte Ruhe gefunden haben. Pro Urne werden laut Friedwald-Sprecherin Corinna Brod durchschnittlich 2,5 Kilo Asche beigesetzt. Das heißt: Mehr als viereinhalb Tonnen Asche sind in dem Wald bereits vergraben worden. Und je nach Bodenbeschaffenheit dauert es etwa zwei bis fünf Jahre, bis sich die biologisch abbaubaren Urnen aufgelöst haben und die Asche in direkten Kontakt mit dem Boden kommt. Morgenroth sagt: „Die Friedwald GmbH wirbt sogar damit, dass man in einem sogenannten FFH-Naturschutz-Gebiet bestattet wird.“ Erschwerend komme hinzu, dass „im Fall Dudenhofen“ im Mittelabschnitt des Waldes mehr Asche als üblich vergraben werden soll: „Bei sogenannten Basisbäumen kann bereits nach 20 Jahren nachbestattet werden“, sagt Morgenroth. „Im Unterschied zur einmaligen Nutzung, wie sie eigentlich üblich ist und genehmigt wurde.“

Professor Jens Utermann vom Umweltbundesamt sagt dazu: „Es wird eine massive Lobbyarbeit betrieben, um Friedwälder zu bekämpfen.“ Von wem? „Da stecken Verbände dahinter, die gutes Geld mit klassischen Bestattungen verdient haben, Steinmetze und Landschaftsgärtner zum Beispiel.“ Einer sei dabei besonders aktiv: Andreas Morgenroth.

Tatsächlich findet man im Internet Artikel aus ganz Deutschland, in denen Morgenroth als Kritiker von Urnenbestattungen auftritt. Morgenroths Arbeit wurde laut einem Medienbericht früher vom Verband Deutscher Natursteinverarbeiter finanziert, jetzt Verband für Gedenkkultur. Der Verein habe „dankenswerterweise“ auch die Prozesskosten übernommen, als sich Morgenroth im vergangenen Jahr einer Reihe von Unterlassungsklagen der Bestattungswald-Gesellschaften ausgesetzt gesehen habe, bestätigt der Hamburger.

Eine der Klägerinnen war die Dudenhofener Friedwald GmbH, bei der auch heute die Alarmglocken klingeln, wenn man den Namen Morgenroth erwähnt. Gegen „wettbewerbswidrigen Falschbehauptungen“ des Hamburgers sei man 2015 auch mit juristischen Mitteln vorgegangen, sagt Friedwald-Sprecherin Corinna Brod. Seit einiger Zeit verschicke er nun wieder Mails.

Die Frage bleibt aber trotzdem: Hat Morgenroth recht? Gelang Schwermetall mit der Asche in den Boden? Stefan Kopf, Sprecher des Rhein-Pfalz-Kreises, teilt mit: „Uns liegen keine Hinweise und Erkenntnisse vor, dass der Friedwald negative Auswirkungen auf das FFH-Gebiet hat.“ Die Kreisverwaltung begrüße die Einrichtung eines Friedwaldes, weil „eine auf viele Jahrzehnte naturbelassene Waldfläche geschaffen wird“. Grundsätzlich gelte, dass an jedem vom Förster ausgewählten Baum bis zu zehn Urnen bestattet werden dürften. „Die Urnen müssen biologisch abbaubar und frei von Schwermetallen und organischen Schadstoffen sein“, unterstreicht Kopf.

Das sind sie allerdings nicht, sagt Professor Jens Utermann vom Umweltbundesamt: „Untersuchungen haben eindeutig ergeben, dass in Krematoriumsaschen nicht unerhebliche Mengen an Schwermetallen enthalten sind.“ „Hochtoxisch“ sei zum Beispiel das nachgewiesene Chrom VI, das beim Verbrennen durch Abriebe einer Chrom-Nickel-Beschichtungen in den Krematoriums-Öfen entstehe. Er gibt aber auch zu, dass unklar ist, ob Chrom ins Grundwasser gerate: „Das ist noch nicht abschließend untersucht“, sagt Utermann. Eine Studie der Universität Freiburg (von der Friedwald GmbH in Auftrag gegeben) sagt: „In einem Zeitraum von bis zu 13 Jahren nach der Beisetzung hat keinerlei Verlagerung von Schwermetallen aus Krematoriumsasche in den darunterliegenden Boden stattgefunden.“

Friedwald-Sprecherin Corinna Brod sagt: „Nach dem gegenwärtig wissenschaftlich fundierten Kenntnisstand ist von der Unbedenklichkeit der Totenasche für das Ökosystem auszugehen.“ Alles gut also? Professor Utermann sagt: „Nein. Wir müssen das weiter untersuchen und werden neue Kriterien entwickeln, nach denen Standorte für Friedwälder ausgesucht werden.“ Er findet zum Beispiel, dass es „nicht ideal“ sei, wenn in 80 Zentimeter Tiefe eine Urne vergraben werde, und in 90 Zentimeter Tiefe das Grundwasser beginne. Außerdem könne man sich überlegen, ob es nicht vielleicht ausreichend sei, um einen Baum herum nur acht Urnen zu vergraben. Sein Fazit? „Ich halte die Einrichtung von Friedwäldern grundsätzlich für okay“, sagt Utermann. „Aber die Bedingungen müssen wir uns noch mal genauer anschauen.“

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