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Mittwoch, 21. November 2018 Drucken

Landau

Am Arbeitsplatz statt an der Schulbank

Südpfalz: Acht Schüler der Konrad-Adenauer-Realschule plus waren jüngst eine Woche lang im im Daimler-Werk in Wörth tätig. Das Praktikum sollte ihre naturwissenschaftlichen Begabungen fördern. Das Angebot war Teil der neuen Initiative „Leistung macht Schule“, an welche die Landauer Einrichtung als eine von bundesweit 300 Schulen teilnimmt.

Von Ali Reza Houshami

Nick Bauer (links), der beim Daimler-Werk eine Ausbildung zum Industriemechaniker absolviert, erklärt den Landauer Schülern Alwin, Max und Lea eine pneumatische Schaltung.

Nick Bauer (links), der beim Daimler-Werk eine Ausbildung zum Industriemechaniker absolviert, erklärt den Landauer Schülern Alwin, Max und Lea eine pneumatische Schaltung. ( Foto: Norman Krauss)

Alwin, 15 Jahre, ist begeistert. „Das Praktikum im Daimler-Werk macht mir viel Spaß. Es ist schön, zu sehen, wie das, was wir in der Theorie geplant haben, auch in der Praxis funktioniert“, erklärt der Landauer. Der Zehntklässler der Konrad-Adenauer-Realschule plus (Kars) ist mit sieben Mitschülern beim Daimler-Werk in Wörth im Einsatz, um sich im Bereich Steuerungstechnik weiterzubilden. Dass ausgerechnet sie beim Automobilhersteller Erfahrungen sammeln, ist kein Zufall. Sie zeichnen sich allesamt durch ihre überdurchschnittliche Motivation und ihre guten Noten in den naturwissenschaftlichen Fächern aus und sollen daher besonders gefördert werden. Dies hat die bundesweite Initiative „Leistung macht Schule“, in deren Rahmen das Praktikum angeboten wird, auch zum Ziel.

Die Kars ist eine von 300 ausgewählten Schulen in Deutschland, die durch innovative Konzepte eine bessere Lernkultur erzielen und die Schülern zu Höchstleistungen antreiben möchten. Dabei werden sie von einer Gruppe von Wissenschaftlern unterschiedlicher Universitäten beraten und unterstützt. Diese evaluieren die Ansätze aus Praxissicht und überprüfen sie auf ihre Wirksamkeit. „Diese erfolgt in den ersten fünf der auf zehn Jahre angelegten Initiative“, erklärt Eva Paul, pädagogische Koordinatorin an der Kars. Während der zweiten Phase sollen die Ergebnisse in die Fläche getragen werden, indem andere Schulen angeregt werden, ihren Unterricht neu zu durchdenken, um den maximalen Lernerfolg aus jedem Schüler herauszuholen.

Aus Rheinland-Pfalz nehmen 17 Schulen an der Initiative teil, aus der Südpfalz nur noch die Grundschule Leimersheim. Die Kars sei ausgewählt worden, so erklärt Paul, weil sie sich unter anderem durch ihre Vernetzung mit den Betrieben aus der Region hervorhebt. Zudem arbeitet sie seit 2011 als Campusschule mit der Universität Koblenz-Landau zusammen. „Dadurch gelingt es uns bereits, Schulpraxis und universitärer Lehre zu verbinden“, erklärt Schulleiter Manfred Schabowski.

Was die Initiative betrifft, arbeiten die Schulen mit verschiedenen Schwerpunkten, mit denen sich die Wissenschaftler auch beschäftigen werden. Im Bereich des Teilprojektes „Individuelle Lernpfade durch Mentoring“ sind Studierende der Uni Koblenz-Landau in der Kars ehrenamtlich in der Deutsch- und Englischförderung behilflich. Darüber hinaus unterstützen Jugendlichen aus höheren Klassen die Kinder aus der Orientierungsschule bei den Hausaufgaben oder bei der Vorbereitung von Klassenarbeiten. Zum Teilprojekt „Leitbildentwicklung/Ausbau der vorhandenen Netzwerkstrukturen“ zählen praktische Erfahrungen in den Betrieben. So pflegt die Schule Kooperationen zu Unternehmen wie der ITK Engineering aus Rülzheim, der Firma Wickert aus Landau, Stadler und Schaaf Mess- und Regeltechnik aus Offenbach und eben mit dem Daimler-Werk in Wörth. Auch mit anderen Betrieben, etwa mit der BASF in Ludwigshafen, ist die Schule in Kontakt, um im Rahmen der Initiative gemeinsame Projekte anzubieten.

Solche praktischen Erfahrungen sind laut Schabowski unerlässlich. „Das können wir so in der Schule nicht bieten. Hier stehen Fachleute und technische Anlagen zur Verfügung, sodass die Schüler noch besseren, professionelleren Einblick in den Beruf gewinnen können.“ Die Jungen und Mädchen, die durch solch ein Angebot besonders gefördert werden sollen, müssen nicht zwingend Einserschüler sein, um auf ihre Begabung hinzuweisen. „Sie können sich auch durch eine erfolgreiche Wettbewerbs-Teilnahme, etwa am Mathematik-Wettbewerb, auszeichnen.“ Auch sei man auf Rückmeldungen der Lehrkräfte angewiesen, die bewerten können, mit welchem Engagement die Schüler im Unterricht bei der Sache sind.

Beim Daimler-Werk lernten die Schüler unter anderem, wie sie elektromagnetische Schalter so miteinander verdrahten, dass ein Motor in Links- oder in Rechtslauf betrieben wird, beispielsweise zur Steuerung von Förderbändern. Später wurde dieser Prozess am Rechner programmiert. Auch konnten die Schüler erfahren, wie pneumatische Komponenten, sprich luftdruckgesteuerte Ventile und Zylinder, so verbunden werden, dass eine Folgesteuerung beziehungsweise ein Bewegungsprozess in Gang gesetzt wird. Das erklärt Ausbildungsmeister Manuel Podadera. „Im Bereich Steuerungstechnik ist Wissen im Bereich der Physik gefragt, auch wird das logische Denken gefördert, weshalb wir das besonders spannend für die Schüler fanden.“

Lea, 15 Jahre und aus Göcklingen, fand die Tage beim Daimler-Werk besonders spannend. „Mein Vater ist in der Technik-Branche tätig, er hat mein Interesse für diesen Berufszweig geweckt.“ Während Lea sich dafür interessiert, nach der zehnten Klasse die Fachoberschule der Kars zu besuchen, spielt Maxim, 16 Jahre und aus Offenbach, mit dem Gedanken, Industriemechaniker zu werden. „Das, was wir hier in Wörth gelernt haben, kann ich für meinen späteren Berufsweg gut gebrauchen.“

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