Schließen x

Anmelden

»Registrieren     »Passwort vergessen

Donnerstag, 25. April 2019 Drucken

Kreis Germersheim

Als Ratsmitglied standhaft bleiben

25 Jahre lang hat sich der 81-jährige Richard Dörzapf in der Kommunalpolitik engagiert. Er war Mitglied im Ortsgemeinderat, im Verbandsgemeinderat und Beigeordneter der Ortsgemeinde. Der ehemalige Berufssoldat hat sich viele Dinge in der Kommunalpolitik erarbeiten müssen.

Von Ralf Wittenmeier

Richard Dörzapf (Aktive Bürger) tritt bei der Wahl nicht mehr an.

Richard Dörzapf (Aktive Bürger) tritt bei der Wahl nicht mehr an. ( Foto: Iversen)

«RÜLZHEIM». „Immer eine Meinung haben und seine eigene Meinung vertreten und nicht nur nach der Pfeife der Fraktion tanzen.“ Das ist der Rat, den Richard Dörzapf nach 25 Jahren in der Kommunalpolitik neuen Gemeinderatsmitgliedern mit auf den Weg gibt.

Richard Dörzapf, ein Aktiver Bürger der ersten Stunde in Rülzheim, hat sich Vieles in der Kommunalpolitik erst erarbeiten müssen. Der ehemalige Berufssoldat, der mit 53 Jahren in Pension ging, war Anderes gewohnt: „Ich habe 36 Jahre lang nach Befehl und Gehorsam gelebt“, sagt Dörzapf und lehnt sich in seinen Sessel zurück. Deswegen habe er sich in der Kommunalpolitik erstmal schwer getan.

Als die Aktiven Bürger gegründet worden waren und bei der ersten Kommunalwahl mit acht Sitzen im Gemeinderat vertreten waren, sei das „schon eine tolle Sache gewesen“. Für Dörzapf als Neuling sei es ein Höhepunkt seiner später 25 Jahre andauernden Zeit als Kommunalpolitiker gewesen, im Juni 1994 als Erster Ortsbeigeordneter gewählt zu werden. „Das war gegen den Widerstand der CDU gewesen. Ich bin damals gegen Karl Geeck angetreten und habe im ersten Wahlgang gewonnen“, erinnert sich Dörzapf. Der Informationsfluss an ihn sei zu dieser Zeit sehr schlecht gewesen. Das CDU-dominierte Rathaus habe ihn, als Neuen, als Fremdkörper gesehen. „Heute ist das anders“, sagt Dörzapf. Das Verhältnis zu den Mitarbeitern sei gut. Durch die Aufgabengebiete wie beispielsweise „Ortseingänge oder sozialer Wohnungsbau, die keine richtigen gewesen sind, habe ich zumindest den Fuß in der Tür gehabt und konnte Informationen rechtzeitig an unsere Fraktion weiterleiten“, blickt Dörzapf zurück.

Auf Sitzungen immer vorbereitet

Zur Kommunalpolitik gekommen ist Richard Dörzapf durch Reiner Hör, der damals Geschäftsführender Beamter in Kandel gewesen ist. Mitgemacht hat Dörzapf aber, „weil ich Lust hatte. Ich hatte Vieles moniert“.

Die Ratsarbeit hat Dörzapf Spaß gemacht. „Wenn ich die Sitzungsunterlagen erhalten habe, habe ich sie alle durchgelesen. Und wenn ich einen Fehler gefunden habe, habe ich das der Verwaltung gesagt“, erzählt Richard Dörzapf. Er sei deswegen von seinen Kollegen auch belächelt worden, „das habe ich gemerkt“. Man könne es sich auch leicht machen und unvorbereitet in eine Fraktions-, Ausschuss- oder Ratssitzung gehen, „das machen viele Mitglieder“, moniert Dörzapf.

Enthaltungen sind nicht richtig

Seine Art und seine Arbeit hat Dörzapf den Respekt seiner Ratskollegen eingebracht. „Ich kann mit jedem reden, egal welcher Couleur“, sagt der Aktive Bürger über sich und seine Kollegen im Orts- und Verbandsgemeinderat Rülzheim. Die Grenzen für ihn und seine Kollegen werden durch die Mehrheiten in den Gremien bestimmt. Habe man eine Mehrheit, könne man viele Ideen umsetzen. „Als Ratsmitglied soll man standhaft bleiben, kein Umfaller sein“, rät Dörzapf jungen Menschen, die sich politisch engagieren wollen. „Enthaltungen finde ich nicht richtig“, sagt Dörzapf. „Da ist man zu feige um Ja oder Nein zu sagen. “

Von Europa hält Richard Dörzapf sehr viel – auch aus seiner Zeit als Bundeswehrsoldat. „Man sollte für Europa eintreten“, sagt der 81-Jährige. „Wenn Europa zusammenhält, ist es eine Macht, an der die Großmächte nicht vorbei kommen.“ Wählen zu gehen ist für Dörzapf sehr wichtig. Wichtig ist ihm auch zu sagen, dass eine gute Ratsarbeit nur dann funktionieren kann, wenn man Rückendeckung von der Familie hat. „Ohne meine Frau wäre das nicht möglich gewesen, ihr bin ich sehr dankbar“, sagt Dörzapf und blickt Richtung Küche, wo seine Frau Einkäufe verräumt.

Südpfalz-Ticker