Schließen x

Anmelden

»Registrieren     »Passwort vergessen

Dienstag, 15. Januar 2019 Drucken

Kusel: Kultur Regional

Zum Träumen verführt

Salonorchester Cosella und Sopranistin Martina Veit begeistern in Glantalschule

Von Konstanze Führlbeck

Die Stimme der Sopranistin Martina Veit harmonierte bravourös mit den Klängen des Salonorchesters Cosella. Gemeinsam interpretierten sie gekonnt ganz unterschiedliche Werke aus Operette und Film.

Die Stimme der Sopranistin Martina Veit harmonierte bravourös mit den Klängen des Salonorchesters Cosella. Gemeinsam interpretierten sie gekonnt ganz unterschiedliche Werke aus Operette und Film. ( Foto: m. hoffmann)

„Die gute alte Zeit“ beschworen das Salonorchester Cosella und die Sängerin Martina Veit am Sonntagnachmittag in der Aula der Glantalschule in Glan-Münchweiler. Mit Musik zum Träumen nahmen die Künstler knapp 140 Besucher zum Jahresauftakt mit auf eine musikalische Zeitreise.

Operettenhits, Schlager, Walzer und Evergreens – das Salonorchester spannte den Bogen weit. Und vor allem in der Unterhaltungsmusik des ausgehenden 19. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts fühlten sich die Musiker des Salonorchesters Cosella hörbar heimisch. Mediterranes Flair, das die Sehnsucht nach dem sonnigen Süden an dem regnerischen Winternachmittag beflügelte, verströmte Martina Veit mit dem Tanzlied der Giuditta: „Meine Lippen, sie küssen so heiß“ aus der gleichnamigen Operette von Franz Lehar (1870-1948).

Der helle und doch volle Sopran Veits begeisterte zu rassigen Rhythmen mit einer temperamentvollen Interpretation, die lasziv und provokant zugleich war; mühelose Spitzentöne rissen die Zuhörer zu spontanem Applaus hin. Als Operettendiva konnte sie auch in Nico Dostals (1895-1981) Romanze „Spiel mir das Lied von Glück und Treu“ aus der Operette „Die ungarische Hochzeit“ fesseln. Die hatte 1939 am Vorabend des Zweiten Weltkriegs in Stuttgart Premiere. Melancholisch bebende Geigenklänge sorgten für Pusztaflair. Volltönend und ausdrucksstark entfaltete sich Veits Sopran in farbenreichen Schattierungen in dieser lautmalerischen Melodie, die deutlich von der Filmmusik beeinflusst ist.

Romantischen Zauber versprühten die „Capri-Fischer“, die der Komponist Gerhard Winkler 1943 schrieb. Mandolinenklänge von Manfred Pfeiffer steuerten Lokalkolorit bei. Geschmeidig glitt die tiefe, volle Stimme der Sopranistin über die wiegenden Orchesterklänge und verführte die Zuhörer zum Träumen.

Erinnerungen an glutvolle Abenteuer ließ auch das Salonorchester Cosella lebendig werden: Das Torero-Thema aus Manuel Penellas (1880-1939) Stierkämpferdrama „El Gato Montes“ (die Wildkatze) faszinierte nicht nur durch den eindringlichen, elegischen Klang des Klarinettenthemas. Auch sichere Tempi, punktierte Rhythmen und eine plastische Formgebung unterstrichen den lautmalerischen Charakter des Werkes.

Doch Fluchtorte der Seele finden sich nicht nur in der Ferne. In „Heimat deine Lieder“ aus dem gleichnamigen Spielfilm von 1959 schuf Martina Veit mit ihrer ausdrucksvollen und doch sehr beweglichen, schlank geführten Stimme ein bezauberndes Idyll. Einige Besucher waren so gerührt, dass sie die Melodie leise mitsummten.

Aber auch schwungvolle Lieder voll unbeschwerter Lebensfreude standen auf dem Programm dieses Konzertes am Sonntagnachmittag. In den schwermütigen, schleppenden Tangorhythmen des Liedes „Por una cabeza“ von Carlos Gardel aus dem Jahr 1935 ließen die dunkel getönte Klarinettenmelodie von Manfred Pfeiffer und Martina Veits satte Stimme die Geschichte eines Mannes lebendig werden, der über seiner Spielsucht ganz knapp seine große Liebe verpasste. Doch Trauer darüber konnte bei den Zuhörern nicht aufkommen, denn sie wurden mit dem Weiber-Marsch aus Franz Lehars Erfolgsoperette „Die Lustige Witwe“ in eine frivole Welt entführt – nonchalante Unbeschwertheit statt tiefer tragischer Gefühle.

Der Slowfox „Liebling, mein Herz lässt dich grüßen“ von Werner Richard Heymann aus dem Tonfilm „Die Drei von der Tankstelle“ mit Heinz Rühmann und Lilian Harvey und die überschäumende Lebensfreude des Filmhits „Das gibt’s nur einmal“ aus „Der Kongress tanzt“ rundeten dieses malerische Musikkaleidoskop stimmungsvoll ab.

Kusel-Ticker