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Freitag, 18. Januar 2019 Drucken

Kusel: Kultur Regional

Wenn Trommel und Tänzer flirten

Irische Show Rhythm of the Dance in Kusels Fritz-Wunderlich-Halle zum Genießen und Staunen

Von Klaudia Gilcher

Rasante und dabei synchrone Fußarbeit: Das Tanzcorps der irischen Show beeindruckte die Zuschauer.

Rasante und dabei synchrone Fußarbeit: Das Tanzcorps der irischen Show beeindruckte die Zuschauer. ( Foto: m. hoffmann)

Auch, wer die irische Show Rhythm of the Dance vor vier Jahren schon einmal in Kusel gesehen hatte, staunte am Mittwochabend wieder Bauklötze. Spielerisch leicht präsentierte das Ensemble komplizierteste Fußfolgen. „Das war ganz toll“, war denn auch die einhellige Meinung des Publikums nach dem zweistündigen Ausflug in die Kulturgeschichte der Grünen Insel.

Sich nach Irland zu versetzen, fällt nicht schwer an diesem Abend. Der endlose keltische Knoten beherrscht das Bühnenbild, Fotos zeigen die See und die Berge, Dolmen und Sonnenuntergänge über grünen Wiesen und Moorlandschaften. Dazu die Musik: der typische Klang der irischen Fiddle, die hellen Flöten, die treibende Rahmentrommel. Und der Tanz: rasante Fußfolgen, die so anstrengend sind, dass in der Pause hinter den Kulissen Eis zum Kühlen bereit steht, lassen die Zuschauer staunen, mitfiebern und jubeln. Eingestreut sind Lieder, in denen angenehme Stimmen von der Insel der Hoffnung und des Hungers erzählen, und Instrumentales, das an stürmische irische Abende im Pub denken lässt.

Es geht Schlag auf Schlag, über 20 Kostümwechsel werden absolviert. Auch die unsichtbaren Hände in der Garderobe laufen zu Höchstleistungen auf. Selbst in der Pause, in der am Verkaufsstand Andenken vom Kleeblatt-Anstecker bis zur DVD den Besitzer wechseln, reißen die irischen Klänge nicht ab. Da freilich kommen sie vom Band. In der restlichen Zeit gibt die fünfköpfige Band den Ton an - mit einer Fingerfertigkeit, die der rasanten Fußarbeit des Tanzkorps kein Jota nachsteht.

Formations- und Kreistanz, irischer Stepptanz und amerikanischer Swing: Synchron bewegen sich die Füße, akkurat und so schnell, dass das Publikum ab und an zu langsam klatscht. Solche Bonmots sind angelegt in der Show, die Akteure haben ihren Spaß daran, mehr Rhythmus aus den Reihen zu fordern. Sie sind zweifelsohne stolz auf das, was sie können. Das Lächeln mag professionell antrainiert sein, das Leuchten in den Augen, wenn sie bejubelt werden, ist es nicht. Und gejubelt wird am Mittwochabend oft angesichts der akkuraten Bewegungen, der schnellen Schrittfolgen und der Leichtigkeit, mit der die sichtbar austrainierten jungen Akteure (älter als Mitte 20 ist keiner) ihre harte Arbeit präsentieren. Die Röcke über den blickdicht schwarz bestrumpften Beinen sind kurz, die Hosenbeine eng, die Künstler genießen absolute Beinfreiheit, die Zuschauer freien Blick auf die Anmut und Genauigkeit der Bewegungen.

Von der Farm zum Tanzwettstreit, von Dublin bis nach New York zieht sich der Reigen aus 22 Nummern, von der einsamen Morgendämmerung auf dem Land bis in den Trubel der Stadt geht die Tour. Wer ein Programmheft hat, kann den in Tanzbilder und Lieder gepackten Episoden thematisch folgen. Zum Genießen und Staunen braucht es diese Hilfestellung aber nicht. Wenn die metallbesetzten Sohlen klacken und stampfen, wenn Trommel und Tänzer flirten und einander anfeuern, dann geht dem Zuschauer ebenso das Herz auf wie bei den gleitenden Bewegungen und grazilen Sprüngen in den weichen Schuhen.

So applaudieren sich die in der Halle und die auf der Bühne am Ende denn auch gegenseitig. Und beim Gang zum Auto, zurück in der Wirklichkeit eines dunklen Januarabends in der Westpfalz, ist ein Fazit alle paar Meter zu hören. „Toll“ sei es gewesen. In fünf Jahren steht die Rhythm of the Dance-Tournee zum 25. Jubiläum an. Vielleicht wird es dann ja wieder toll in Kusel. Tourmanager Ken Cavanagh kann es sich vorstellen.

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