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Freitag, 11. Januar 2019 Drucken

Kusel: Kultur Regional

Wenn die Leiche heimlich lächelt

Spezial-Soiree am Pfalztheater gewährt Einblicke in nächste Krimi-Produktion

Von Isabelle Girard de Soucanton

Klärt er am Ende alles auf? Stefan Kiefer als Inspektor Carter in der neuen Pfalztheater-Krimikomödie.

Klärt er am Ende alles auf? Stefan Kiefer als Inspektor Carter in der neuen Pfalztheater-Krimikomödie. ( Foto: Girard)

Ein Leichnam, der im Raupengang davonschleicht? Ein Leichnam, der spitze Schreie ausstößt? Ein Leichnam, der seiner eigenen Tragebahre hinterher stakst? Gibt es das? Ja – und ob es das gibt. Und zwar ab 19. Januar auf der Bühne des Pfalztheaters im Stück „Mord auf Schloss Haversham“. Am Dienstagabend gewährte das Kaiserslauterer Ensemble unter Regisseur Andreas Rehschuh einen Vorgeschmack während der Proben in der angekündigten Spezial-Soiree.

Naheliegend, dass es hier um die Gattung der Kriminalkomödie geht und das mit legendär-britischem Humor. Gehört doch das Autorentrio Henry Lewis, Jonathan Sayer und Henry Shields zur Londoner Theatergruppe Mischief Theatre, die ihren Laienspielern mit bereits offiziell honoriertem Erfolg die Geschichten auf den Leib schreiben. In Kaiserslautern übernehmen acht Profis die neun Rollen jener Laien, die wiederum in Rollen der Geschichte schlüpfen. Denn die Grundidee ist, eine Theaterproduktion im Theaterstück auf die Bühne zu bringen.

Die Nähe zum Slapstick-Genre verrät bereits der englische Titel „The play that goes wrong“: Alles Mögliche und Unmögliche, was zwischen Kulisse, Requisiten, Dramaturgie und Dialogen schief gehen kann, geht schief. Übrigens mit todernsten Mienen (außer der Leiche, sie schmunzelte ab und an auf der eleganten Chaiselongue), denn Haltung bewahren ist oberste Devise im (Laien-)Ensemble. Umso urkomischer prasseln die schon seriell passierenden Malheure auf das Publikum und ihre Lachmuskeln ein. Fantastisch.

Bei der Probenvisite erfuhren die Soiree-Gäste von einem Drama auf Schloss Haversham, wo inmitten einer hochherrschaftlichen Kulisse mit leicht angestaubten, adlig traditionellen Einrichtungsgegenständen Charlys Leiche (Robin Meisner) gefunden wird. Sein Freund und zukünftiger Schwager Tom (Henning Kohne) wartet auf ihn mit Butler Perkins (Martin Schultz-Coulon) vor der Tür. Sie rufen vergebens, rütteln erfolglos an der Türklinke, um letztlich hinten herum Einlass zu finden. Dort registrieren beide mit seltsamem Entsetzen, gepaart mit pragmatischem Aktionismus, Charlys Leiche.

Florence (Aglaja Stadelmann) dagegen, die Verlobte des Toten kurz vor der Verlobung, tritt als jammernd-jaulende Gestalt auf, heult ein Unglück aus sich heraus, das letztlich keines ist: Denn kaum allein, widmet sie sich eilends ihrer Affäre, Charlys Bruder Cecil (Jan Henning Kraus). Auch hier gibt es präzis gekonnte Situationskomik: etwa verbale und körpersprachliche Ausreden beim Erwischtwerden oder manipuliertes und überspitztes Gehabe, wo vertuscht werden soll.

Es ist die helle Freude, den Schauspielern zuzusehen. Etwa der fallende Schnee aus der Hutdelle des Inspektors Carter (Stefan Kiefer). Eingekleidet (Kostümbildnerin Marion Hauer) in britisches Karo, löst er den Fall (vermeintlich) mit pathetischem Palavern und Gestikulieren. Ebenso abseits wie dubios dagegen die meist schweigenden Backstage-Rollen. Etwa Anne, die Inspizientin (Adrienn Cunka) oder Trevor, der Licht- und Tontechniker (Manuel Klein). Sozusagen in ihren Händen verwandeln sich Requisiten, die in den Fokus überraschender Ereignisse geraten. Der Probenbesuch verriet inhaltlich wenig – dafür umso mehr an anspruchsvollen Kostproben eines virtuos-komödiantischen Bühnengeschehens. Ein guter Grund, hinzugehen.

INFO

Premiere von „Mord auf Schloss Haversham“ am Samstag, 19. Januar, 19.30 Uhr, im Großen Haus; weitere Aufführungstermine und Karten unter www.pfalztheater.de und an der Theaterkasse, Telefon 0631 3675-209.

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