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Mittwoch, 16. Januar 2019 Drucken

Landkreis Kusel

Wenn der Brotschneider versagt

HOMBURG: Beim Reparatur-Treff der Arbeiterwohlfahrt gehen altgediente Elektriker Fehlern auf den Grund

Von Marco Wille

Am Anfang steht die große Untersuchung: Friedrich Herz (links) und Klaus Dejon (rechts) überprüfen zu Beginn ihres Einsatzes, ob an Wolfgang Krämers Staubsauger ein Elektrik-Fehler vorliegt.

Am Anfang steht die große Untersuchung: Friedrich Herz (links) und Klaus Dejon (rechts) überprüfen zu Beginn ihres Einsatzes, ob an Wolfgang Krämers Staubsauger ein Elektrik-Fehler vorliegt. ( Foto: Moschel)

«»Seit Sommer 2018 gibt es einen Reparatur-Treff im Homburger Stadtteil Erbach. Das Gemeinschaftsprojekt der Stadt Homburg und der Arbeiter-Wohlfahrt (Awo) ist das erste dieser Art in der saarländischen Kreisstadt. Die Anlaufstelle für reparaturbedürftige Alltagsgegenstände erhält immer mehr Zuspruch, erzählt Claudia Ohliger von der Homburger Stadtverwaltung. Wer möchte, kann hier einmal im Monat seine defekten Geräte zur Reparatur vorbeibringen.

„Wir müssen schon Nummern für die Reihenfolge vergeben, so stark werden wir teilweise in Anspruch genommen“, sagt Ohliger. Die Reparaturwerkstatt, betrieben von ehrenamtlichen Handwerkern, befindet sich im Erbacher Awo-Gebäude in der Lappentascher Straße. Weil die Cafeteria der Jugendberufshilfe dort direkt angrenzt, können die Wartenden mit Kaffee und Gebäck bewirtet werden. „So kommen unsere Besucher untereinander ins Gespräch, während sie warten“, hat Claudia Ohliger beobachtet.

Dies ergebe also eine günstige Mischung aus sozialen, ökonomischen und ökologischen Aspekten, die gleichermaßen bedient werden. Der Ankömmling trägt sich zunächst in die Auftragsliste ein, stimmt den Vorschriften zum Datenschutz und zum Umfang des Reparaturauftrages (nur ein defektes Teil, kostenloser und freiwilliger Reparaturversuch, keine Garantie, benötigte Ersatzteile müssen vom Eigentümer selbst angeschafft werden) zu und beschreibt kurz den Fehler seines Geräts. Dann geht es los.

Josefine Holderied steht als Erste hoffnungsfroh mit ihrem weißen Bügeleisen an der Türschwelle zum Reparatur-Treff. „Die Dampffunktion geht nicht mehr“, erläutert die Homburgerin ihr Problem. Roland Stenger nimmt sich der Sache an. Nach einem Probelauf, bei dem er die elektrischen Leitungen mit einem Spannungsmesser prüft und sich die Bügelplatte aufheizt, kann er einen Elektrik-Fehler schon ausschließen. Er tippt vielmehr auf Verkalkung der Leitungen, durch die das Wasser fließen soll. Stenger schraubt das Gehäuse auf.

Josefine Holderied vertraut der Aussage des Fachmanns. Sie steht immer noch erwartungsfroh daneben und schaut Stenger bei der Arbeit an ihrem Falten-Glätter zu. „Da kann ich leider nichts machen“, muss der Reparateur aber schon bald mitteilen. Ihm fehlt einfach das Spezialwerkzeug, um die Schrauben des Gehäuses öffnen und den Defekt genau lokalisieren zu können. „Das ist von manchen Herstellern genau so gewollt, dass man eben nichts reparieren kann“, erklärt der Elektrotechniker. Mit dieser Strategie solle der Kunde zum Neukauf animiert werden – egal wie gravierend der Schaden eigentlich ist. „Ob das die richtige Firmenphilosophie ist, kann ich nicht beurteilen“, sagt Stenger. Ihm seien bei der Reparatur auch schon Geräte untergekommen, bei denen die Hohlräume mit Kunststoff ausgegossen waren und die deshalb ebenfalls nicht zum Zweck einer Fehlerursache geöffnet werden konnten.

Für Josefine Holderied ist das aber „kein Beinbruch“, wie sie beim Einpacken ihres Bügeleisens meint: Sie benutze das heiße Eisen mit der Dampffunktion ohnehin nur zweimal im Monat. Sie werde sich also weiter mit einer Sprühstoßflasche behelfen, um die Wäsche zu bewässern. „Bei dem geringen Einsatz ist es mir das nicht wert, ein Neugerät anzuschaffen“, spricht sie sich gegen die Strategie des Herstellers aus. Enttäuscht ist sie nicht: „Das ist halt höhere Gewalt.“ Immerhin hatte sie ja schon einen recht netten Nachmittag mit Kaffee und einem kleinen Plausch.

Anders sieht die Sache am Nebentisch aus: Soeben hat Wolfgang Krämer einen roten Markenstaubsauger in die Obhut von Klaus Dejon gegeben, der ebenfalls Elektriker ist. „Das Ding macht keinen Mucks mehr“, berichtet Krämer. Von jetzt auf gleich habe sich das Gerät nicht mehr einschalten lassen. Auch Dejon setzt einen Spannungsprüfer ein und baut den Hauptschalter aus. Der funktioniert; die Spannung kommt an.

Nach 15 Minuten, in denen es viele Mini-Schrauben zu lösen und diverse Kontakte zu säubern gilt, steht fest: Ein überlasteter Widerstand oder eine durchgebrannte Platine könnten die Ursache der Arbeitsverweigerung sein. Der ehrenamtliche Handwerker sucht für seinen „Kunden“ noch die passende Ersatzteilnummer heraus und schließt den Auftrag ab. „Wenn das Teil nicht allzu teuer ist, bestelle ich es und lasse es hier beim nächsten Mal einbauen“, zeigt sich Krämer mit dem Service zufrieden. Dass ein auf Dauerbetrieb ausgelegter Markenstaubsauger schon nach fünf Jahren einen solchen Schaden habe, damit will er sich nicht so recht anfreunden. „Aber zum Glück gibt es ja den Reparatur-Treff, der weiterhilft, ohne die Sachen gleich zu entsorgen.“

Die meisten Besucher des Reparatur-Treffs sind Rentner. Manchmal bringen sie regelrechte Schätze mit. Wie ein Transistorradio aus den 1950er Jahren. „Aber davon lassen wir die Finger. Das ist zu komplex und auch zu gefährlich“, sagt Friedrich Herz, der ebenfalls als Reparateur mit an Bord ist.

Hand in Hand arbeiten Elektriker, Schlosser und ehemalige Kundendienstmitarbeiter in den drei Stunden Öffnungszeit Auftrag für Auftrag ab. Mal ein Kabelbruch an einer Stichsäge, mal aufgebrauchte Kohlen an einer Schlagbohrmaschine, mal defekte elektrische Zahnbürsten oder Brotschneidemaschinen, die sich nicht mehr drehen.

„Es ist doch toll, wie hier geholfen wird. Und dass sich die Leute dann noch freuen, weil ihre Geräte wieder funktionieren oder weil sie wenigstens ganz genau wissen können, dass sie wirklich nicht mehr funktionieren und daheim nicht mehr rumstehen müssen“, nennt Claudia Ohliger Vorzüge der Einrichtung. Gehe der Andrang im derzeitigen Umfang weiter oder steigere sich sogar, müsse vielleicht sogar noch ein zweiter Treff-Termin eingerichtet werden.

Info

Am Donnerstag, 24. Januar, 15 bis 18 Uhr, findet in der Cafeteria der Awo-Ausbildungsstätten, in der Lappentascher Straße 100 in Homburg-Erbach der nächste Reparatur-Treff statt.

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