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Dienstag, 15. Januar 2019 Drucken

Kusel

Waldmohr: Polizei kontrolliert Lastwagenfahrer auf Rasthöfen

Von Tim Altschuck

Papiere bitte: Bei diesem Fahrer stimmte alles, auch in Sachen Alkohol hatten die Beamten nichts zu beanstanden.

Papiere bitte: Bei diesem Fahrer stimmte alles, auch in Sachen Alkohol hatten die Beamten nichts zu beanstanden. ( Foto: m. hoffmann)

1,86 Promille – so viel zeigte die erste Kontrolle der Atemluft bei einem Fahrer.

1,86 Promille – so viel zeigte die erste Kontrolle der Atemluft bei einem Fahrer. ( Foto: m. hoffmann)

Reportage: Ein Lastwagenfahrer, der sturzbetrunken aus dem Fahrerhaus fällt. Ein anderer, der in Schlangenlinien über die Autobahn fährt. Vor allem ausländische Kraftfahrer sorgen für Negativschlagzeilen, weil sie sich am Wochenende volllaufen lassen und dann losfahren. Die Autobahnpolizei Kaiserslautern kontrollierte am Sonntagabend auf den Rasthöfen in Waldmohr und Ramstein.

Punkt 19 Uhr geht’s los. Die Beamten der Autobahnpolizei Kaiserslautern, die von der Bundespolizei unterstützt werden, beginnen ihren Rundgang auf dem Rasthof in Waldmohr. Ihr Ziel: alkoholisierte Lkw-Fahrer herauszuziehen und an der Weiterfahrt, die sonntags ab 22 Uhr erlaubt ist, zu hindern. Der Dienststellenleiter der Autobahnpolizei Kaiserslautern, Heiko Thum, ist mit seinem Briefing noch nicht fertig, da vermeldet Steffen Sandmeier den ersten Erfolg. „Da hinten hat einer schon 0,76 Promille. Um zehn fährt der mal nicht weiter“, sagt der Beamte.

Mit 2,94 Promille aus Gefahrguttransporter

Sandmeier ist bereits 40 Jahre bei der Polizei im Dienst. Er weiß Bescheid und kennt auch die Tricks der Fahrer, wie sich später noch zeigen wird. „Die Fahrer knallen sich jedes Wochenende voll, wenn sie nicht fahren dürfen“, erzählt er. „Das kann man anders nicht sagen.“ Langeweile spielt eine Rolle, aber auch, dass sie sich nicht von ihren Trucks wegbewegen dürfen.

Sandmeier schildert einen Extremfall: „Da gab es zum Beispiel mal einen, den wir mit 2,94 Promille aus dem Laster geholt haben. Und das war ein Gefahrguttransporter.“ Da müsse der Fahrer generell 0,0 Promille haben.

Sturz statt Prügelei

Der nächste Lasterfahrer kann – oder will – nicht richtig in den Alkoholtester pusten. „Der will mich jetzt veräppeln“, sagt Sandmeier und ergänzt Richtung Fahrer: „Wenn da jetzt gleich 2,8 Promille rauskommen, haben wir ein Problem.“ Schließlich gelingt es dem Mann nach einigen Fehlversuchen, in den Alkoholtester zu pusten. Und siehe da: 1,86 Promille Atemalkohol im ersten Test, beim zweiten im Polizeibus etwas weniger.

Bei so vielen Dienstjahren auf dem Buckel kann Sandmeier mit vielen Geschichten aufwarten. Einmal seien er und seine Kollegen auf den Rasthof Waldmohr gerufen worden. Eine Schlägerei unter Truckern, hieß es. Alkohol sei natürlich auch im Spiel gewesen. An Ort und Stelle fanden sie prompt den geschädigten Brummifahrer. „Er sah mit seiner gebrochenen Nase und dem Blut im Gesicht auch aus wie nach einer Schlägerei“, erzählt der Polizist. Schnell aber stellte sich heraus, dass der Fahrer mit über drei Promille aus dem Führerhaus seines Lkw gestürzt war und sich dabei verletzt hatte.

Keine Konsequenzen für Fahrer

Inzwischen scheint sich die Polizeikontrolle unter den osteuropäischen Fahrern herumgesprochen zu haben. Einige spazieren nun über das Gelände. Dabei fällt den Beamten wieder ein auffälliger Mann ins Auge. Auf Nachfrage, ob er Lkw-Fahrer sei, antwortet er, dass er Tourist sei. Allerdings schwankt der „Tourist“ ziemlich und die Fahne ist auch kaum zu verbergen. Er soll den Beamten nun zeigen, wo sein Auto steht. „Von wegen“, sagt Sandmeier, „da steht sein 40-Tonner.“ Auch dieser Mann hat getrunken, das Testgerät zeigt 0,78 Promille an. Der Polizist ist verärgert, denn es handelt sich um einen Gefahrguttransport. Allerdings hat der Mann, wie jeder andere an diesem Abend auch, keine Konsequenzen zu befürchten. Die Fahrer dürfen lediglich nicht weiterfahren, sondern erst dann, wenn sie wieder nüchtern sind.

Nach einiger Zeit hat sich die Aktion offensichtlich so herumgesprochen, dass immer mehr Lastwagenfahrer nicht mehr auf das Anklopfen der Polizisten reagieren. Da hilft nichts: keine grelle Taschenlampe ins Führerhaus halten und kein noch so festes Klopfen. Die Schotten bleiben dicht. Denn in diesem Fall dürfen die Beamten nicht weiter vorgehen. „Die richtigen Granaten machen den Lkw nicht mehr auf oder gehen auf die Toilette und kommen erst einmal nicht mehr“, weiß Steffen Sandmeier. Er hat aber noch einen Geheimtipp für seine Kollegen: Etwas abseits stehen viele Sprinter. Bei deren Fahrern gehe es normalerweise besonders hoch her. Am Sonntagabend allerdings nicht. Die Fahrer sind zumindest laut Alkoholschnelltest sauber, auch gibt es keinen ernsthaften Verdacht auf Drogenkonsum.

Mehrsprachige Informationsblätter für Fahrer

Für Dienststellenleiter Heiko Thum sind solche öffentlichkeitswirksamen Kontrollen sehr wichtig. „Wir haben im vergangenen Jahr zirka 200 Fahrer überprüft und bei jedem Fünften wurde erfolgreich auf Alkohol getestet“, erzählt er. Dabei erhoffe er sich durch solche Präventivmaßnahmen, bei denen den Fahrern lediglich die Weiterfahrt verweigert wird, dass der Ernstfall nie eintritt.

Im Polizeibus sind inzwischen alle Informationsblätter für die Fahrer mehrsprachig, sodass diese Bescheid wissen, wo sie vor ihrer Weiterfahrt ihre Papiere wieder bekommen. „Wir wollen in Zukunft dann auch weitere Aktionen starten, bei denen nicht nur die Prävention im Vordergrund steht, sondern die Fahrer auch mit Konsequenzen rechnen müssen“, erklärt Thum.

Alkoholisierung und weitere Verstöße

„Insgesamt wurden an beiden Kontrollstellen, in Waldmohr und Ramstein, 72 Lkw überprüft und bei 14 Fahrern wurde eine so hohe Alkoholisierung festgestellt, dass die Ab- und Weiterfahrt untersagt werden musste“, fasst der Dienststellenleiter abschließend zusammen. Der „Spitzenwert“ habe dabei bei 1,84 Promille gelegen. Außerdem habe man noch vier Verstöße gegen das Sonntagsfahrverbot und zwei Verstöße gegen die Sozialvorschriften festgestellt.

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