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Freitag, 04. Januar 2019 Drucken

Kusel: Lokalsport

Vom Klassensprecher zum Kämpfer

Porträt: Der gebürtige Kaiserslauterer Bühnenkünstler Klaus „Cusch“ Jung bleibt seiner Heimat verbunden

von Reiner Henn

Bekanntlich zählt der Prophet im eigenen Land wenig bis nichts. Für den in Kaiserslautern geborenen und aufgewachsenen Cusch (Klaus) Jung gilt dies allerdings nicht, er kehrt immer wieder zu seiner sprichwörtlichen Wiege zurück, um von Leipzig aus am Pfalztheater als Gastregisseur zu fungieren.

Dies verdankt er auch der besonderen Wertschätzung von Pfalztheater-Intendant Urs Häberli, der Jungs Inszenierungen in Leipzig kennt und schätzt und ihn von der dortigen Musikalischen Komödie kommend als prädestiniert für die sogenannte leichte Muse sieht. Nach den Musicals „West Side Story“ und „My Fair Lady“ hat nun Cusch Jung in Kaiserslautern die dritte, derzeit laufende Produktion, die Lehar-Operette „Land des Lächelns“, inszeniert. „Ich nehme die leichte Muse nicht auf die leichte Schulter“, verrät der Kaiserslauterer seine Maxime. Und, was die aktuelle Inszenierung angeht: „Ich lasse die Kirche im Dorf.“ Will damit sagen: Er belässt die Handlung in China zur Zeit des Komponisten Lehar. Jung fährt fort: „Ich verstehe mich als Regisseur als Geschichtenerzähler.“

Mittlerweile hat er aber auch in Leipzig seine erste Oper von Puccini inszeniert („Das Mädchen aus dem goldenen Westen“). Überhaupt kennt der Chefregisseur der Musikalischen Komödie das Theater von allen Seiten und Sparten aus. Die musikalische Komödie Leipzig ist mit 560 Plätzen, eigenem Orchester, Chor und Ballett spezialisiert auf Musical und Operette und Teil der Oper Leipzigs.

Schon zur Schulzeit im Gymnasium am Rittersberg, wo er zusammen mit dem Schreiber dieser Zeilen nebeneinander die Schulbank drückte, war er in der Theater-AG aufgefallen: Bei „Biedermann und die Brandstifter“ war er einer der Brandstifter und das nicht nur auf der Bühne. Denn: In der Klasse war er Klassensprecher und machte mit seinem Gerechtigkeitssinn den Lehrern das Leben schwer. In der Bühnenfassung des Kinderromans „Emil und die Detektive“ von Erich Kästner wirkte er zum ersten Mal als Gymnasiast am Pfalztheater mit. Ansonsten sah er die Haupt- und Nebenfächer in seiner Schulzeit als willkommene Bühne, um Rollen zu parodieren: Heinz Erhardt und viele andere Komiker der Zeit waren seine Paraderollen, enthusiastisch von Mitschülern goutiert, von Lehrern abgestraft. Doch Cusch Jung ließ sich nicht von seinem Lebensweg abbringen: Ohne je eine Schauspiel- oder Ballettschule besucht zu haben, lernte er Theater-Rollen, als wären sie eigens für ihn geschrieben.

Der Zivildienst führte ihn nach Lübeck, wo er klassischen Gesangsunterricht nahm, obwohl er schon zur Schulzeit die aktuellen Schlager und Hits bühnenreif sang und sich selbst auf dem Klavier begleitete. In Lübeck wurde er am dortigen Dreispartenhaus weiter gefördert und kam, protegiert vom damaligen Pfalztheater-Intendant Wolfgang Blum, immer wieder zurück. Dabei lernte er bei einem Musical-Gastspiel („Anything Goes“ von Cole Porter) seine Ehefrau Janet kennen und lieben. Inzwischen arbeitet diese als freiberufliche Tanzpädagogin in der gemeinsamen neuen Heimat des Künstlerpaares, Berlin.

Ab 1984 folgte Cusch Jungs Erfolgsära im Theater des Westens, ebenfalls Berlin, wo er nach Herzenslust singen, tanzen und verschiedene Schauspielrollen übernehmen durfte. Eine große Theaterkarriere begann mit einer Festanstellung zwischen 1984 und 1999 und gipfelte darin, dass er seine erste Revue schrieb, ab 2000 selbst Regie führte und eigene Bühnenstücke schrieb, wie das am Pfalztheater von ihm selbst aufgeführte Ein-Personen-Stück. Weiter ging es für ihn nach oben, als er bei der Deutschen Erstaufführung des Kultmusicals „Mamma Mia“ nach der Musik von Abba und ebenfalls in Hamburg beim Kassenschlager „Sister Act“ mitwirkte.

Wenn Cusch Jung alle Sparten und Genres kennenlernen durfte, so hat er doch auch die Schattenseiten des Künstlertums mit befristeten (Ketten-)Verträgen und Durststrecken zwischendurch erlebt. Und so versteht er sich selbst nicht als Biedermann und auch nicht als Brandstifter, sondern als Kämpfer, der sich bislang auch stets durchgerungen hat. Dabei profitierte er von seinem komödiantischen, lausbübischen Charme, den er sich bewahrt hat.

Info

—Cusch Jungs Inszenierung der Lehar-Operette „Das Land des Lächelns“ läuft am Pfalztheater noch am 12. (Restkarten), 24., 27. Januar, 1., 3., 23. Februar; Infos und Karten über 0631 3675-209 und www.pfalztheater.de.

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