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Dienstag, 01. August 2017 Drucken

Kusel: Kultur Regional

Nichts ist das, was es scheint

Auch regionale Künstler bei Ausstellung in der Homburger Galerie Beck vertreten

Von Klaus Kadel-Magin

Hans-Martin Donner aus Worms baut Reliefs auf Holzstäbchen, die wie Malerei aussehen.

Hans-Martin Donner aus Worms baut Reliefs auf Holzstäbchen, die wie Malerei aussehen. ( Foto: Kadel)

Illusionistische Effekte stehen im Vordergrund der aktuellen Ausstellung der Homburger Galerie Beck. Fotos, die dreidimensional erscheinen und Gemälde, die in Wirklichkeit aus Holzstäben zusammengesetzt wurden, treffen auf expressive Farbflächenmalerei, Monotypien und gebrochenes Glas.

Die effektivste Illusion kommt von einem Schweizer Tüftler. Peter Binz aus Zürich hat eine aus Acrylglas ausgeschnittene Figur gebogen und mit einem hochwertigen grünen Laser angestrahlt. Das Ergebnis an der Wand ist eine ganz plastische Figur, die sich durch die vom Luftzug bewegte Acrylglasfigur ebenfalls zu bewegen scheint. Der 69-Jährige liebt technische Spielereien und zeigt Fotos, die mehr der Malerei zuzuordnen sind als der Fotografie. Rohrschachklecksen ähnlich hat Binz Strukturen in der Natur zueinander geordnet.

Die digital arbeitenden Künstler werden in der Galerie Beck immer mehr. Aus Bern kommt Alf Herrmann, der rein digital malt und das Ergebnis auf Leinwände drucken lässt. Surreale Comics mit sehr vereinfachten Figuren sind sein Markenzeichen.

Einen halben Schritt zurück geht dagegen der Fotograf Udo Steigner aus Neunkirchen. Seine Fotografie ist eine Mischform aus analogen Aufnahmen und digitaler Weiterbearbeitung. Wobei die Technik hier den Betrachter weniger interessieren dürfte. Steigner versteht es mit dieser Mischung, Strukturen einer Birke oder Muschel derart plastisch auf das Foto zu bekommen, dass der Besucher unwillkürlich das Bild anfassen will, um zu testen, ob es nicht doch eine dreidimensionale Oberfläche hat.

Die dritte Dimension erkundet der in Zweibrücken auch künstlerisch aktive Eugen Waßmann mit zweidimensionaler Glasware. Das Glas wird gesplittert in Platten und kleine Stücke. Anschließend fügt Waßmann die Scherben zu Skulpturen zusammen. Aus zig Scherben werden beispielsweise Wülste, die sich ineinander schlingen. „Gerüchte“ lautet der Titel dieser Arbeit. Andere werden zu Objekten gruppiert, in die der Künstler dann noch mal Nägel schlägt.

Reliefs der besonderen Art sind die Spezialität von Hans-Martin Donner aus Worms. Holzstäbe wurden von Donner so geschickt auf einer Platte arrangiert, dass von weitem der Eindruck einer perfekt-räumlichen Malerei entsteht. Donner dreht die Illusion um. Während die Maler oft versuchen, mit dem Pinsel auf zweidimensionalen Objekten den Raum zu imitieren, so geht der Wormser die andere Richtung. Das passiert mit eingeritzten Formen, versetzt angeordneten Platten, aber immer mit viel Acrylfarbe in leuchtenden Tönen.

Über die Zeit an sich erzählt die Malerin Sandra Schawalder aus der Schweiz auf ihren großformatigen Leinwänden. Farbflächen wurden von ihr großflächig und expressiv übereinander geschichtet. Die unten liegenden Schichten lässt die Schweizerin immer sichtbar bleiben. Schawalder gelingt so eine feinsinnige Art von Malerei, die dennoch emotional ist.

Ganz professionell hat die aus Berlin stammende Margrit Hefft-Michel auf ihren Monotypien gearbeitet und dabei stilistische Anleihen bei Max Ernst genommen. Tanzende Göttinnen, Windgeister und Kobolde kann der Betrachter in ihren Bildern erkennen. Die in Starnberg lebende Hefft-Michel erzählt Geschichten mit ihrer Drucktechnik, die im Ungefähren bleibt wie ihre Protagonisten.

Den Waldgeistern dazu gesellt haben die Kuratoren der Galerie die Zweibrückerin Heike Wilhelm mit ihren Zellstrukturen, die in einer Technik entstanden sind, die früher gerne von Buchbindern für besondere Einbände genutzt wurde. Wilhelm hat diesen Marmorier-Effekt so weiterentwickelt, dass sie quasi auf dem Wasser das Motiv zusammen mit dem Kollegen Zufall malt und dann mit dem Papier vom Wasser abnimmt. Das Ergebnis könnte genauso gut unter dem Mikroskop eines Wissenschaftlers zu finden sein und scheint noch in Bewegung. Wilhelm macht Momentaufnahmen von physikalisch-chemischen Wirkungen der Lackfarbe auf dem Wasser.

Außerdem in der Ausstellung zu sehen sind Werke von Marianne Borchard (Münster), Florina Maria Weidmann (Karlsruhe) und Dmitry Oreshnikov (Lebach).

Ausstellungen

Galerie Beck, Homburg-Schwarzenacker, Am Schwedenhof, bis 8. August, geöffnet Dienstag bis Freitag 15 bis 20 Uhr und nach Absprache unter Telefon 06848 7011910.

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