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Kusel

Kusel/Konken: Windrad im Warteraum versteigert

Von Rainer Clos

Mit Reparaturstau, aber einer festen Einspeisevergütung von neun Cent pro kWh bis 2022: Das höchste Gebot für das Windrad auf dem Herschweiler Berg lag bei 250.000 Euro.

Mit Reparaturstau, aber einer festen Einspeisevergütung von neun Cent pro kWh bis 2022: Das höchste Gebot für das Windrad auf dem Herschweiler Berg lag bei 250.000 Euro. ( Foto: Sayer)

Großes Interesse, aber unaufgeregtes Bietergefecht – Windpark-Betreiber aus Sachsen-Anhalt erhält den Zuschlag

Solch einen großen Andrang habe sie noch nicht bei einer öffentlichen Zwangsversteigerung erlebt, meint Marie-Claire Schanné, Rechtspflegerin am Amtsgericht Kusel. Denn es ging gestern um kein alltägliches Versteigerungsobjekt, wie eine Wohn- oder Gewerbeimmobilie. Versteigert wurde ein Windrad, Teil des Windparks mit vier Anlagen am Herschweiler Berg bei Konken.

Vorgesehene Räume viel zu klein

Die Rechtspflegerin muss improvisieren, bevor sie die Versteigerung eines Windrades unter dem Aktenzeichen 1 K 96/16 aufruft. Denn Zimmer 32 des Gerichtsgebäudes, das regulär als Mediationsraum genutzt wird, ist deutlich zu klein. Schon vorm Versteigerungstermin um 9.30 Uhr ist es voll besetzt und im Vorraum harrt ein weiteres Dutzend Interessenten, die den Termin nicht verpassen wollen. Nachdem auch die Bitte, für wirkliche Bietinteressenten Platz zu machen, nicht so richtig fruchtet, wird umgezogen – in den Warteraum, dessen Wände mit historischen Ansichten des Kuseler Amtsgerichts geschmückt sind.

Schuldner ist nicht anwesend

Gut 30 Beobachter, darunter auch eine Handvoll aus Konken, wie Ortsbürgermeister Fritz Emrich weiß, haben sich in dem Raum eingefunden. Marie-Claire Schanné nimmt Platz an einem Tischchen, auf dem ein dickes Aktenbündel und ein Kommentar zum Zwangsvollstreckungsrecht gestapelt sind. An einem weiteren Tisch sitzt ein Vertreter des Gläubigers, der Sparkasse Oberpfalz Nord in Weiden. Nicht anwesend ist der Schuldner, dessen Windrad zur Versteigerung ansteht. Er war Vorstand einer anderen oberpfälzischen Sparkasse.

Verkehrswert: 300.000 Euro

„Braucht noch jemand einen Stuhl?“, fragt die Rechtspflegerin freundlich in den Raum, bevor sie die relevanten Informationen zur Windradversteigerung bekanntmacht: dazu gehören Objektdaten wie Erbbaurecht, Grundstücksgröße und -lage sowie der Verkehrswert, der laut dem Gutachten eines Sachverständigen 300.000 Euro beträgt. Schanné informiert weiter über Mindestgebot, Gerichtskosten und die Höhe der Sicherheitsleistungen, die von Bietern verlangt werden.

Verkauft: Für 250.000 Euro

Um 9.46 Uhr eröffnet die Justizbeamtin die Bietzeit mit der Aufforderung zu Geboten. Zwei Frauen machen mit einem gemeinschaftlichen Gebot von 200.000 Euro den Aufschlag. Ein weiterer Interessent bietet 210.000 Euro. Nach einem eher unaufgeregten Bietergefecht erhält um 10.21 Uhr Lutz Baraniak aus Stendal in Sachsen-Anhalt mit dem Höchstgebot von 250.000 Euro den Zuschlag. Er sei „Windmüller“, erklärt er auf RHEINPFALZ-Anfrage, und betreibe in verschiedenen Rechtsformen vier Windparks. Bei dem Windrad, das er gerade ersteigert hat, gebe es einen Reparaturstau, weiß Baraniak.

Die Anlage vom Typ Vestas V-52 verfügt über eine Leistung von 850 kW. Der Windpark Konken ist seit dem Jahr 2002 in Betrieb. Bauherr und Betreiber war damals die Neue Energietechnik GmbH mit Sitz bei Trier. Bis Ende 2022 ist eine feste Einspeisevergütung von neun Cent pro kWh garantiert.

Vorerst keine leistungsstärkeren Anlagen

Ein Vertreter der Altus AG in Karlsruhe, die über die Windpark Lonsee-Konken-Weibern RMG Gmbh & Co. KG eines der Windräder in Konken betreibt und für den Windpark die Treuhandverwaltung wahrnimmt, sagte, man habe Abstand von Überlegungen genommen, die Windräder durch leistungsstärkere Anlagen zu ersetzen. Die neuen Regeln des Landesentwicklungsprogramms von 2017 ließen das an diesem Standort nicht zu. Weitere Betreiber im Windpark Konken sind eine Privatperson und die CWS Windrotoren GmbH & Co. 1. Betriebs KG in Sindelfingen.

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