Schließen x

Anmelden

»Registrieren     »Passwort vergessen

Montag, 11. Juni 2018 Drucken

Kusel

Konken: Nach Großbrand bei Rhenocoll droht Abriss

KONKEN: Produktionshalle bei Rhenocoll am Samstag durch Feuer zerstört – Brandursache vermutlich ein Blitzeinschlag

von Torben Müllerund Juni Huber

Dichter Rauch in der Halle, in der Produktion, Lager und Versand untergebracht sind.

Dichter Rauch in der Halle, in der Produktion, Lager und Versand untergebracht sind. ( Fotos (2): M. Hoffmann)

Etwa 100 Feuerwehrleute waren im Einsatz, auch der Gefahrstoffzug des Landkreises und der Gerätewagen Atemschutz aus Ramstein-Miesenbach.

Etwa 100 Feuerwehrleute waren im Einsatz, auch der Gefahrstoffzug des Landkreises und der Gerätewagen Atemschutz aus Ramstein-Miesenbach. (Foto: Hoffmann)

Heute erwartet Rhenocoll-Chef Werner Zimmermann Gutachter und Versicherung im Konker Gewerbegebiet Erlenhöhe, dann kann er den Schaden genauer abschätzen. Die Produktion beim Farben- und Lackehersteller steht zunächst still, morgen gibt es eine Betriebsversammlung. Nach dem Brand am späten Samstagnachmittag (Die RHEINPFALZ am SONNTAG informierte) sieht es laut Zimmermann danach aus, als müsse die Haupthalle, die für Produktion, Lager und Versand genutzt wird, komplett abgerissen werden.

Als die Feuerwehr am späten Samstagnachmittag im Konker Gewerbegebiet Erlenhöhe eintraf, quollen bereits dicke Rauchwolken aus den Oberlichtern der Produktionshalle bei Rhenocoll. Der Alarm sei gegen 16.45 Uhr eingegangen, berichtete Pressesprecher Benjamin Martin von der Feuerwehr der Verbandsgemeinde Kusel-Altenglan der RHEINPFALZ.

 

Die Polizei spricht von einem Schwelbrand, der schnell auf Verpackungsmaterialien, Lacke und Kartonagen in der Halle übergegriffen habe. Wehren aus den umliegenden Gemeinden wurden hinzugezogen, darunter der Gefahrstoffzug des Landkreises Kusel, da verschiedene Chemikalien brannten, und der Gerätewagen Atemschutz aus Ramstein-Miesenbach. Gegen 18.30 Uhr war der Hauptbrand laut Martin gelöscht, verletzt worden sei niemand. Die Produktion in dem Werk ruht am Wochenende. Auch Feuerwehrleute kamen nicht zu Schaden.

Spuren deuten auf Blitzeinschlag hin

 

Kurz vor dem Brand hatte es ein Gewitter über Konken gegeben. Polizei und Feuerwehr gehen davon aus, dass ein Blitz im Rhenocoll-Werk eingeschlagen hat. Darauf deuteten sowohl Augenzeugenberichte als auch erste Spuren hin, berichtete gestern Werner Zimmermann, der das 1948 als Familienbetrieb gegründete Unternehmen in zweiter Generation leitet und der sich am Samstag gleich nach der Alarmierung auf den Weg ins Werk gemacht hatte.

 

Insgesamt waren rund 100 Wehrleute im Einsatz. Die Polizei forderte die Bevölkerung in der Umgebung auf, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Laut Martin wurde auch eine zusätzliche Drehleiter aus Lauterecken geholt. Diese wurde aber letzten Endes nicht gebraucht, da der Brand hauptsächlich im Inneren der Halle bekämpft wurde.

 

Die Polizei schätzt den Schaden auf mehrere Hunderttausend Euro. Werner Zimmermann bestätigte gestern gegenüber der RHEINPFALZ die erste Einschätzung der Feuerwehr, wonach lediglich die Haupthalle vom Brand betroffen war. Diese müsse, nachdem „die Stahlkonstruktion so hohen Temperaturen ausgesetzt war“, wie Zimmermann berichtete, „weitestgehend erneuert“, womöglich komplett abgerissen werden.

Produktionsneubeginn noch nicht absehbar

 

Am Samstagabend hatten Experten des Technischen Hilfswerks (THW) den Zustand eines Dach-Stahlträgers beurteilt, der den Flammen ausgesetzt gewesen war. Anschließend hatten sie weitere Einheiten angefordert, die dann dabei halfen, die Halle abzustützen.

 

Wann die Produktion beim Farben- und Lackehersteller wieder aufgenommen werden kann, das vermag Zimmermann noch nicht abzuschätzen, und das ist auch davon abhängig, in welchem Umfang saniert werden muss. „Hitze macht oft mehr kaputt als Feuer“, weiß Zimmermann. „Wir müssen ja auch jede einzelne Anlage und Maschine erstmal genau prüfen.“

Mitarbeiter müssen überwiegend zu Hause bleiben

 

Alle anderen Gebäudeteile seien mittlerweile „gesichtet und hergestellt“. So habe ein Elektriker überall auf dem Rhenocoll-Gelände die Gefahr eines Kurzschlusses ausschließen müssen, ehe der Strom wieder angeschaltet werden konnte. Diesen hatten die Pfalzwerke – wie immer in solchen Fällen – abgestellt. Auch die gesamte Brandmeldeanlage im Werk musste überprüft werden.

 

Heute Morgen werden die meisten der rund 50 Mitarbeiter, die in Konken beschäftigt sind, zu Hause bleiben müssen. „Auch die gesamte Vorarbeit für Produktion und Versand kann ja nun nichts tun“, schilderte Zimmermann, bei dem große Teile der Belegschaft schon am Wochenende nachgefragt haben, wie es nun weitergeht. Am Dienstagmorgen soll es eine Betriebsversammlunggeben – „das ist zumindest der Plan“, sagt Zimmermann, wohlwissend, dass in den kommenden Tagen und Wochen einige Unwägbarkeiten auf ihn warten.

 

Am Donnerstag fährt dann trotz allem eine Rhenocoll-Delegation nach Ingelheim. Dort wird das in den vergangenen Jahren mehrfach ausgezeichnete Unternehmen einen weiteren Preis entgegennehmen: den Landespreis „Responsible Care“ des Verbandes der Chemischen Industrie – für verantwortungsvolles Handeln, das über Vorschriften und Gesetze hinausgeht. Zum Feiern allerdings ist bei Rhenocoll keinem zumute.


%

Kusel-Ticker